Blick hinter die KulissenSo sieht kulinarisches Krisenmanagement bei den Flair Hotels aus

Kreativ in der Krise (v.l.) Willi Götz (Flair Hotel Zum Storchen), Jan Philip Stöver (Flair Hotel zur Eiche) und Daniel Reuner (Flair Hotel Reuner). (Bild: Flair Hotel Zum Storchen, Flair Hotel zur Eiche, Flair Hotel Reuner )

Seit die Gastronomien schließen mussten, haben bereits zahlreiche Hotels Lieferdienste oder Abholservices etabliert, die alle unterschiedlich sind. Einige Flair-Hoteliers geben einen Einblick in ihr kulinarisches Krisen-Management.

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Dieser Artikel ist Teil unserer umfassenden Berichterstattung über die Coronakrise. >>> zur Übersicht

Braten frei Haus

Willi Götz vom Flair Hotel Zum Storchen bekommt aktuell viele Essensbestellungen rein. (Bild: Flair Hotel Zum Storchen)

Unter anderem richtete das Flair Hotel zum Storchen im mittelfränkischen Bad Windsheim unter Leitung von Hotelier Willi Götz ein Abhol-Angebot ein. Auf der Karte stehen Gerichte, die man sich laut Götz “in der Regel eher seltener zu Hause zubereitet”, wie Ragout vom Hirsch in Wacholdersauce, dazu Preiselbeeren, Rahmwirsing und Kloß. Auch ein Osterbraten für zu Hause wurde nun angeboten; die Gäste konnten ihn abholen, oder sich liefern lassen. Werbung habe man über Social Media und die lokale Presse geschalten. “Wir wollten einfach ein Stück Normalität für unsere Gäste, Mitarbeiter und die Famiie zurückholen”, sagt Willi Götz. Und die hungrigen Gäste wissen die kulinarische Krisenbewältigung zu schätzen. “Sehr gutes Angebot“, kommentiert etwa eine Userin auf Facebook.

 

Küchenchef bringt Liefer-Know-how ein

Gastgeber im Flair Hotel zum Schiff: Michael und Angelika Gröer. (Bild: Flair Hotel zum Schiff)

Auch im Flair Hotel zum Schiff in Meersburg (Baden-Württemberg) entschied man sich, eine To-Go-Alternative im Restaurant anzubieten. “Die Idee, aus der Not eine Tugend zu machen, kam eigentlich von unserem Küchenteam unter der Leitung von Sven Schuchhardt, dass sich überlegt hat, was mit der erst kurz zuvor bestellten Ware zu machen ist”, sagt Michael Gröer, Geschäftsleiter und Inhaber des Hotels.

Dabei profitierte man davon, dass der Küchenchef eine fundierte Erfahrung im Lieferbereich besitzt. “Die Karte wurde über Social Media und dann als Flyer verteilt”, erklärt Gröer. Anfangs hätten die Kunden vor allem aus Freunden, Bekannten und Gönnern bestanden. Zwischenzeitlich hat sich die Klientel erweitert; viele seien bereits „Wiederholungstäter“. Gröer: “Das Feedback ist durchweg sehr positiv und einige Kritikpunkte werden sehr gerne zur Verbesserung unseres Service herangezogen. Nach nunmehr zwei Wochen folgt daraus auch die Erweiterung des jetzigen Portfolios.” Zwar sei der Aufwand durchaus beträchtlich. “Aber ich kann einigen wenigen Mitarbeitern die Möglichkeit bieten, ihren finanziellen Verlust durch die Kurzarbeit zu schmälern und hoffen, sie emotional enger an den Betrieb zu binden – gerade auch für eine Zeit nach der Krise.”

Gesunde Speisen to go

Daniel Reuner setzt auf gesunde Speisen. (Bild: Flair Hotel Reuner)

Für das Angebot sei vor allem wichtig, sich mit den Kunden abzusprechen, sagt Daniel Reuner, Inhaber des Flair Hotels Reuner im brandenburgischen Zossen. Der Hotelier bietet aktuell ebenfalls Essen to go an, das vor allem gesund sein soll. Viele Stammgäste und Firmen aus der Umgebung freuen sich über den Beitrag.

 

Drei-Gänge-Menü mit Anleitung

Eines der ersten Restaurants in der Region, das einen Abhol-Service anbot, war zudem das Restaurant “Henrys” im Flair Hotel Zur Eiche in Buchholz bei Hamburg. Die Geschwister Christine und Jan Philip Stöver führen zusätzlich zum Hotel-Restaurant bereits seit längerem das Pop-Up-Restaurant “Henry`s daily” in der Innenstadt von Buchholz, wo sie montags und dienstags Mittagstisch anbieten. Auf Basis dieses Konzepts erstellten sie einen erweiterten Wochenplan (Montag bis Freitag). Angeboten wird jeweils ein Fleischgericht, ein Vegetarisches und ein Kinderteller. Die Preise liegen zwischen fünf und zehn Euro, bei Abholung zahlt der Gast 50 Cent weniger. Unter www.restauranthenrys.de können alle angebotenen Speisen bestellt werden, für den kommenden Tag oder auch für die ganze Woche. Bezahlt wird entweder via Paypal oder Bar, bei Abholung auch per EC-Karte.

Liebt die Küche und lässt sich von der Natur inspirieren: Jan Philip Stöver vom
Restaurant „Henry‘s“ im Flair Hotel Zur Eiche. Zusammen mit seiner Schwester hat er nun einen Lieferdienst etabliert. (Bild: Flair Hotel Zur Eiche)

“Es war vom ersten Tag an ein voller Erfolg. Eine große Anzahl an Bestellungen kam rein; Etwa die Hälfte zum Liefern, der Rest holt ab. Wir fahren mit vier Fahrzeugen”, erklärt Jan Philip Stöver. Aktuell seien die meisten Mitarbeiter in Kurzarbeit. Die Familie steht zusammen und schmeißt den Betrieb. Nur Samstags sei Ruhetag. Sonntags biete man zusätzlich drei höherpreisige Gerichte wie Kalbsschnitzel oder kaltes Roastbeef mit Beilagen. “Das wird auch mehr als gut angenommen.”

An Ostern gab es zudem eine “Osterbox” zur Abholung oder Lieferung. Inhalt: Ein Drei-Gang-Menü, eine Flasche Wein und eine Anleitung zur Zubereitung. Kostenpunkt für zwei Personen: 59 Euro. Auch dies sei gut angekommen. Schon heute ist man sich im Hotel sicher: Dass die Gäste, von Familien über Gewerbe bis hin zum Rentner, den Betrieb unterstützen wollen, wird auch “für später einen großen Nachhall haben”.

Verena Usleber

 

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