Apartment-Brands Zielgruppen werden zu Lebensstilgruppen

Erst kürzlich eröffnete in Hamburg das sylc. Apartmenthotel mit fast 350 Einheiten. (Bild: sylc.)

Vom Business Traveller zu business-like, vom Studenten zu studentisch – im extrem wachsenden Serviced-Apartment-Segment orientieren sich die Marktbeteiligten in ihren Konzepten immer weniger an den klassischen Zielgruppen, sondern zunehmend an deren Lebensstile, Neigungen und Werten.

Auf diese vermischen sich die Apartmentkonzepte in einer unabsehbaren Dynamik und mit einer nie dagewesenen Markenvielfalt. „Die einst starren Grenzen zwischen Serviced Apartments, Wohnwirtschaft und Hotellerie haben sich aufgelöst“, erklärt Anett Gregorius, Gründerin und Inhaberin von Apartmentservice. „Aktuelle Wohnen-auf-Zeit-Konzepte werden auch zu einem Maßstab für künftige Wohnmodelle.“

Während noch in vielen Branchen die Work-Life-Balance in ihrer Umsetzbarkeit diskutiert wird, hat das Work-Life-Blending als großes Vermischen von Arbeit und Freizeit die allgemeine Arbeits- und Lebenswelt längst erfasst. Hinzu kommen die vielzitierten Mega-Trends Urbanisierung, Individualisierung, Flexibilisierung und New Work.

Serviced Apartments haben sich im Zuge dieser Trends zu besonders gefragten Modellen des Temporären Wohnens entwickelt. Zugleich sind sie mit Blick auf die angespannten Wohnungsmärkte für Städte, Investoren, Entwickler und Betreiber zu wichtigen Problemlösern avanciert. Von der Wohnwirtschaft über den reinen Serviced-Apartment-Sektor bis hin zur Hotellerie – die gesamte Immobilienwelt will in den nächsten Jahren mit einer großen Projektdichte und neuen, vielfältigen Submarken am Trendmarkt teilhaben.

„Auffallend ist, dass sich die Akteure immer stärker an Lebensstilgruppen orientieren, die man von den Sinus-Meta-Milieus kennt“, erklärt Anett Gregorius. „Neue Brands wie Sylc., Joyn (Corestate) und The Fizz (International Campus) oder Hotelmarken wie R.evo (Vienna House) richten sich mit ihren Konzepten heute nicht mehr allein an den klassischen Zielgruppen der Geschäftsreisenden, Berufsanfänger, Städtereisenden oder Studenten aus, sondern mixen die Elemente, um primär Milieus wie die „Established“, „Performers“, „Sensation-Oriented“ oder „Digital Avantgarde“ zu bedienen. So dominieren bei der neuen Ascott-Marke Lyf eher studentisch-affine Elemente wie der Waschbereich an Stahlträgern als Teil des Wohnraums, während bei Tannhaus Werkstattelemente, viel Holz und ein lebendiges Farbkonzept eine große Rolle spielen. Die Saco-Marke Locke setzt wiederum auf ein edles Vintage-Wohnlichkeitsgefühl mit großzügigen Sofalandschaften und Teppichen.

„Der Markt wächst in dieser Weise bis 2022 mit neuen Brands und neuen Projekten, die quasi von Null auf Hundert eine große Präsenz erreichen werden“, schätzt die Apartmentservice-Gründerin ein. „Die steigende Subbrand-Vielfalt sorgt zugleich dafür, dass Apartments nicht mehr als eierlegende Wollmilchsau verstanden werden dürfen.“ Denn trotz und mit der allgemeinen Vermischung der Elemente wird bei jedem Projekt immer wichtiger, dass sich die Akteure grundsätzlich für die Betriebsform Serviced Apartmenthaus oder Aparthotel entscheiden und damit auch für eine kurze oder lange Aufenthaltsdauer ihrer Gäste“, betont Anett Gregorius. Zudem wird bei der aktuellen Dynamik auch der Blick auf die derzeitigen Gästewünsche besonders wichtig. Wollen diese überhaupt den Mix? Was schätzen sie heute und morgen am Serviced-Apartment Konzept?