Wieder mehr Neuinfektionen und Landkreise, in denen die Lockdown-Lockerungen zurückgenommen werden müssen: Die Coronalage in Niedersachsen verschlechtert sich und Osterurlaub ist laut Landesregierung wohl nicht möglich. Zudem gerät die Impfkampagne ins Stocken.
Angesichts einer Verschlechterung der Coronalage sieht die Landesregierung kaum noch Chancen auf Osterurlaub im eigenen Land. Zugleich warnte sie am Montag vor den Gefahren eines kurzfristigen Mallorca-Urlaubs. Und auch die Zahl der Landkreise, in denen wegen hoher Inzidenzwerte die vorsichtigen Lockdown-Lockerungen zurückgenommen werden müssen, nimmt zu. Unterdessen wird die Impfkampagne, bei der die Terminanmeldung für Menschen der zweiten Prioritätsgruppe angelaufen ist, durch das vorläufige Aussetzen von Impfungen mit dem Impfstoff von Astrazeneca ausgebremst. Der Stand der Dinge:
Mallorca-Urlaub
Die Landesregierung warnt vor den Gefahren eines kurzfristigen Mallorca-Urlaubs und denkt über das Testen von Reiserückkehrern an Flughäfen nach. Ende vergangener Woche hatte die Bundesregierung die Reisewarnung für Mallorca und weitere Urlaubsziele in Spanien und Portugal aufgehoben. (wir berichteten) Die Menschen, die nun dorthin reisen wollten, müssten wissen, dass sie sich einem gewissen Risiko aussetzen, sagte Regierungssprecherin Anke Pörksen. Vor Ort träfen sich Menschen aus ganz Deutschland und Europa und es bestehe die Gefahr einer Verbreitung von Infektionen. Selbst wenn am Flughafen ein PCR-Test negativ ausfalle, bedeute dies nicht, dass ein Reiserückkehrer das Virus nicht bereits in sich trage. "Man holt sich da sehenden Auges ein richtiges Problem ins Land."
Osterurlaub
Die Regierung sieht auch kaum noch eine Chance auf Osterurlaub im eigenen Land. "Die Situation sieht nicht so aus, als ob wir das realisieren können", sagte Pörksen. Die Zahl der Neuinfektionen und der Corona-Patienten auf den Intensivstationen steige. Es helfe auch nicht, Urlauber etwa vor dem Betreten der Fähren zu den Nordseeinseln zu testen: Selbst ein negatives Testergebnis in diesem Moment gebe keine Gewissheit, dass die Betroffenen sich nicht in den Tagen zuvor oder auf der Bahnfahrt zur Fähre infiziert haben und es in Folge nicht vermehrt zu Infektionsfällen auf den Inseln kommt.
Dritte Welle schon da?
Die Zahl der Neuinfektionen gehe weiter nach oben, "insofern kann es sein, dass wir schon am Beginn der dritten Welle stehen", sagte die stellvertretende Leiterin des Corona-Krisenstabs der Landesregierung, Claudia Schröder. Nach Berechnung des Landesgesundheitsamtes könne die Sieben-Tages-Inzidenz von Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen bis Ostern auf landesweit 100 steigen. Auch die Zahl der Landkreise mit einer Inzidenz von über 100 werde demnach von derzeit zehn weiter zunehmen.
Infektionslage
Das Coronavirus breitet sich in Niedersachsen wieder stärker aus als zuletzt. Der landesweite Sieben-Tage-Wert stieg am Montag auf 79,1 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner. Am Montag vor einer Woche hatte die sogenannte Inzidenz noch bei 64,7 gelegen. In zehn Regionen übersteigt der Sieben-Tage-Wert die Marke von 100, die für Lockerungen entscheidend ist. Die Zahl der Corona-Patienten auf den Intensivstationen der Kliniken steigt wieder an.
Impffortschritt
577.494 Niedersachsen haben inzwischen eine Erstimpfung erhalten (Impfquote 7,2 Prozent), 252.829 nach den Daten des Robert Koch Instituts auch eine Zweitimpfung (Impfquote 3,2 Prozent). Nach dem Start der Terminvergabe für Corona-Impfungen an Menschen der zweithöchsten Priorität stehen im Land bereits 420.000 Personen auf der Warteliste.
"Der Anmeldestart ist grundsätzlich gut gelaufen", berichtete Schröder. Das Portal und die Hotline wurden am Freitag für Termine für über 70-Jährige, Menschen mit Vorerkrankungen, in besonderen Lebenslagen und das Personal bestimmter Einrichtungen wie Kitas, Grund- und Förderschulen freigeschaltet. Es geht um rund drei Millionen Impfberechtigte.
Probleme wegen Astrazeneca-Stopp?
Das vorübergehende Aussetzen von Corona-Schutzimpfungen mit dem Präparat von Astrazeneca bremst die Impfkampagne in Niedersachsen aus. "Der Impfstopp wird sich leider auf das Vorankommen der Schutzimpfungen in Niedersachsen auswirken", teilte das Gesundheitsministerium mit. Welche konkreten Folgen dies für die Terminvergabe oder den Umgang mit Lagerbeständen hat, werde nun analysiert und bewertet. Inwiefern auch bereits gebuchte Termine möglicherweise abgesagt werden müssen, konnte das Ministerium noch nicht sagen.
Bislang wurden 295.200 Astrazeneca-Impfdosen nach Niedersachsen ausgeliefert. 134.549 Dosen wurden bereits gespritzt. Die Zahl der wöchentlichen Corona-Impfungen lag in Niedersachsen zuletzt bei etwa 140.000, in der Mehrzahl wurden bislang allerdings die Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna eingesetzt.
Update: Gastgewerbe geht mit Eilanträgen gegen Corona-Verordnung vor
(16.03.2021, 16 Uhr) Ein Hotelier und ein Gastronom gehen mit dem Dehoga-Landesverband Niedersachsen gegen die Corona-Verordnung der Landesregierung vor. Die zwei Eilanträge, die am Montag gestellt worden seien, richteten sich gegen das Beherbergungsverbot und die Schließung der Gastronomie, wie der Hauptgeschäftsführer des Dehoga Niedersachsen, Rainer Balke, am Dienstag sagte. Der Betreiber eines Ferienparks im Landkreis Goslar und ein Restaurant-Besitzer aus dem Kreis Lüchow-Dannenberg zogen vor Gericht. Zunächst hatte die "Ostfriesen-Zeitung" über die Eilanträge berichtet.
Eine Sprecherin des niedersächsischen Oberverwaltungsgerichts in Lüneburg bestätigte am Dienstag den Eingang der Anträge. "Diese Woche würde ich nicht mit einer Entscheidung rechnen", sagte sie und verwies auf zahlreiche weitere anhängige Verfahren zur Corona-Verordnung.
Balke sagte, die Betriebe klagten mit Unterstützung des Dehoga, der Verband selbst sei nicht klageberechtigt. Angesichts der Aufhebung der Reisewarnung für Mallorca und einer fehlenden Öffnungsperspektive hierzulande gebe es im niedersächsischen Gastgewerbe eine "tiefsitzende Frustration". Der Hauptgeschäftsführer kritisierte das Festhalten an Inzidenzwerten als alleinigem Kriterium für Corona-Lockerungen. "Da stellt sich die Frage, wann soll das dann jemals besser werden?" Der Gang über das Gericht sei nun das einzige Mittel, um die geltende Regelung zu überprüfen. dpa