Abgesehen vom Pandemiejahr 2020 verzeichneten die A-Städte erstmals seit 2015 weniger Übernachtungen, B- und C-Städte legten leicht zu. Mehr Nachfrage bedeutet aber nicht automatisch volle Betten.
Die Schollen Hotelberatung hat den Top100-Report 2026 für den deutschen Beherbergungsmarkt veröffentlicht. Auf Basis der Übernachtungszahlen des Jahres 2025 werden die jeweils 100 nachfragestärksten Städte- und Ferienstandorte sowie ihre Entwicklung von 2015 bis 2025 untersucht. Auf die 200 Standorte entfallen zusammen rund 268 Millionen Übernachtungen, das entspricht etwa 54 Prozent des deutschen Gesamtmarktes. Die Analyse zeigt deutliche Unterschiede zwischen Marktwachstum, Bettenangebot und Auslastung.
Erster Rückgang seit 2015
Berlin, München, Hamburg, Frankfurt am Main, Köln und Düsseldorf kamen 2025 zusammen auf rund ein Prozent weniger Übernachtungen als im Vorjahr. Abgesehen vom Pandemiejahr 2020 wäre dies der erste Rückgang der Übernachtungen in den A-Städten seit 2015. Die B-Städte legten im selben Zeitraum um rund ein Prozent zu, die C-Städte um rund zwei Prozent.
Berlin bleibt mit 29,4 Millionen Übernachtungen der größte Städtemarkt. Dahinter folgen München mit 19,7 Millionen und Hamburg mit 16,5 Millionen. Im Zehnjahresvergleich gehört die Hauptstadt jedoch zu den schwächsten Standorten. Von 2015 bis 2025 sanken die Übernachtungen dort im Schnitt um 0,3 Prozent pro Jahr. Unter den insgesamt 31 A- und B-Städten ist Berlin damit der einzige Standort mit rückläufiger Nachfrage.
Kleinere Städte mit höchster Auslastung
Bei der Bettenauslastung liegen 2025 kleinere Märkte vor vielen Großstädten. An der Spitze der Top100-Städte steht Bamberg mit 58,1 Prozent, gefolgt von Brühl im Rheinland mit 57,6 Prozent und Kempten im Allgäu mit 55,7 Prozent. Am Ende der Rangliste stehen Wolfsburg mit 28,4 Prozent, Ratingen mit 32,2 Prozent und Magdeburg mit 32,6 Prozent.
Wie weit die Entwicklung von Nachfrage und Auslastung auseinandergehen kann, verdeutlicht Eschborn bei Frankfurt. Zwischen 2015 und 2025 stiegen dort die Übernachtungen um durchschnittlich 10,3 Prozent pro Jahr, die Bettenkapazitäten um 10,4 Prozent. Obwohl der Standort in beiden Wachstumsrankings vorn liegt, erreichte die Bettenauslastung 2025 nur 38,6 Prozent.
Unter den Ferienstandorten führt Sylt das Übernachtungsranking mit rund 3,35 Millionen Übernachtungen an. Es folgen Heringsdorf mit 3,07 Millionen und Fehmarn mit 2,54 Millionen. Die höchste Bettenauslastung verzeichnen allerdings andere Orte: Bad Sassendorf kommt auf 80,9 Prozent, Schwangau auf 78,3 Prozent und Bad Elster auf 70,7 Prozent.
Das stärkste Wachstum im Zehnjahresvergleich erzielte Kappeln an der Schlei. Die Übernachtungen nahmen dort um durchschnittlich 22,1 Prozent pro Jahr zu, das Bettenangebot sogar um 23,4 Prozent. Die Bettenauslastung lag 2025 bei 27 Prozent.
Verhältnis von Angebot und Nachfrage
Auch bei den Standortgruppen gehen Nachfrage und Kapazität teils auseinander. An der Küste stiegen die Übernachtungen seit 2015 um rund 37 Prozent, die Bettenkapazität jedoch um rund 46 Prozent. Gegenüber 2024 legten die Küstenübernachtungen 2025 um rund sechs Prozent zu. Die Bergstandorte sind die einzige untersuchte Gruppe, deren Bettenauslastung sich innerhalb der zehn Jahre verbessert hat. Dort wuchs die Nachfrage um ein Prozent pro Jahr und damit stärker als das Bettenangebot mit 0,3 Prozent.
Aus dieser Gegenüberstellung leitet die Schollen Hotelberatung ab, dass hohe Zuwachsraten bei den Übernachtungen allein noch keinen Bedarf an zusätzlichen Hotelkapazitäten begründen. Für Standort- und Investitionsentscheidungen müssten Angebot, Nachfrage und Auslastung gemeinsam bewertet werden.
Was ist die Schollen-Standortkategorisierung?
Die Einordnung beruht auf der Standortkategorisierung der Schollen Hotelberatung, die insgesamt 500 übernachtungsstarke Standorte in Deutschland umfasst. Städte unterteilt sie in A-, B- und C-Standorte, Ferienorte in Küste, Berge und Inland. Kriterien sind unter anderem Einwohnerzahl, durchschnittliche Aufenthaltsdauer und Tourismusintensität. Die Top500 stehen für rund 70 Prozent der Übernachtungen in Deutschland.
Der Report enthält die vollständigen Top100-Ranglisten, die Spitzenreiter und Schlusslichter bei der Bettenauslastung, die Auf- und Absteiger im Zehnjahresvergleich sowie Auswertungen nach Standortgruppen. Er richtet sich an Investoren, Eigentümer, Finanzierer, Entwickler, Betreiber und Kommunen. Eine individuelle Markt- und Machbarkeitsanalyse ersetzt er laut Schollen Hotelberatung nicht. red/sar