Branchentreffen FCSI-Convention: Neuer Vorstand, neue Impulse

Unter der Glaskuppel des Hotels Hafen Hamburg startete die Convention des FCSI Deutschland-Österreich mit der Jahreshauptversammlung.
Unter der Glaskuppel des Hotels Hafen Hamburg startete die Convention des FCSI Deutschland-Österreich mit der Jahreshauptversammlung. © Vanzetta/NordicFocus

Rund 130 Teilnehmende diskutierten unter dem Motto „The Next Economy & Next Hospitality“ über die Zukunft der Branche. Michael Neuner führt den Planer- und Beraterverband künftig als Präsident.

Mitte Oktober kam der Planer- und Beraterverband FCSI Deutschland-Österreich in Hamburg zu seiner jährlichen Convention zusammen. Neben den Mitgliedern nahmen auch Partner aus der Zulieferindustrie teil. Unter dem Motto „The Next Economy & Next Hospitality“ stand die Frage im Mittelpunkt, welche gesellschaftlichen und technologischen Veränderungen Hotellerie, Gastronomie und Gemeinschaftsverpflegung künftig prägen werden.

Michael Neuner rückt an die Spitze

Zum Auftakt tagte die Jahreshauptversammlung in der Elbkuppel des Hotels Hafen Hamburg. Dort wählten die Mitglieder den bisherigen Vizepräsidenten Michael Neuner zum neuen Präsidenten. Sein Stellvertreter ist Alexander Hofer, Ruven Eichert bleibt Schatzmeister.

Als Beiräte unterstützen künftig Marcus Seidl (Netzwerke & Verbände), Oliver Schanz (Wissen & Bildung), Markus Tust (Technologie & Innovation), Christian Schleupner (Professionals), Marlene Sommer (Emerging Professionals in Consulting, EPIC), Christian Meissner (Marketing), Annika Stoldt (Presse) sowie Dietmar Krämer und Ludwig Spiegel (Fördermitglieder) die Arbeit des Vorstands. Der langjährige Präsident Frank Wagner, inzwischen Präsident des FCSI Worldwide, bleibt dem Verband als „Past President“ verbunden.

3 Themen, 3 Perspektiven

Kern der Convention ist seit einigen Jahren der Innovation Circle, ein kompaktes Konferenzformat mit Fachleuten aus verschiedenen Disziplinen. Auf der Bühne des Schmidtchen-Theaters sprachen in diesem Jahr Hotelier und Unternehmer Marco Nussbaum, Kulinarikexperte Heiko Antoniewicz und Zukunftsstrategin Nina Weiss.

Nussbaum schilderte, wie er in seinen Hiamo-Hotels Technologie einsetzt. Ein effizienter digitaler „Maschinenraum“ im Hintergrund soll ein menschliches Gasterlebnis ermöglichen. Antoniewicz sprach sich dafür aus, die Ausbildung im Gastgewerbe genauer auf die zunehmend komplexen Anforderungen der Branche auszurichten. Weiss riet dem Publikum, systemischer und langfristiger zu denken und sich dabei an der Natur zu orientieren. „Kooperation ist der Schlüssel. Wir brauchen nicht entweder oder, sondern sowohl als auch!“, appellierte sie.

In der anschließenden Diskussion ging es unter anderem um die verbindende Rolle des Essens in Zeiten gesellschaftlicher Spaltung. „Essen ist für mich immer die Basis von Wohlfühlen. Es bringt die Menschen in Austausch“, betonte Antoniewicz. „Und das wird sich auch in einer wie auch immer gearteten Zukunft nicht ändern.“ Marco Nussbaum bedauerte in diesem Zusammenhang das Sterben der klassischen Wirtshäuser: „Das ist eine Katastrophe! Wir verlieren das Wohnzimmer unserer Gesellschaft.“

Weiss verwies auf die zunehmende Einsamkeit, derer sich die Politik annehmen müsse. „Wir brauchen diese ‚Dritten Orte‘, an denen sich die Menschen treffen können“, mahnte sie. Wertschöpfung dürfe sich nicht nur auf die ökonomische Ebene beschränken: „Wir müssen es zukünftig auch belohnen, wenn jemand einen Wert für die Gesellschaft oder die Natur schafft.“

Dienstleistung wieder attraktiv machen

Die Branche müsse Dienstleistungsberufe wieder „cool“ machen und dafür stärker auf die Bedürfnisse der Generation Z eingehen, forderte Nussbaum. „Wir bieten beispielsweise Meditationskurse für unsere Mitarbeiter an, damit die Kids auch mal runterfahren. Allerdings bedeutet diese Investition auch, dass man möglicherweise mit etwas weniger Profit leben muss, wenn man dafür einen gesellschaftlichen Impact erzielt“, erläuterte er.

Zugleich plädierte Nussbaum für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit innerhalb der Branche, die er als „Coopetition“ bezeichnete, eine Mischung aus Kooperation und Wettbewerb. Dabei solle man nicht nur über Erfolge sprechen, „sondern ganz besonders auch darüber, was noch nicht funktioniert“. Laut Weiss fehlen dafür bislang häufig geeignete Ökosysteme und die Bereitschaft, Wissen zu teilen. Antoniewicz empfahl, sich an anderen Branchen und an der Wissenschaft zu orientieren: „Dort ist es selbstverständlich, dass man über die Ergebnisse seiner Arbeit offen spricht, um das erlangte Wissen zu teilen.“ Als Vorbild innerhalb des Gastgewerbes nannte er die Barbranche mit ihren innovativen und kollaborativen Ansätzen.

Wünsche für die Zukunft

Nach ihren Wünschen für die Branche gefragt, zitierte Weiss den Architekten David Chipperfield: „The aim is to improve the quality of life.“ Die Hospitality müsse Teil der Anstrengungen sein, die Lebensqualität der Menschen zu verbessern. Nussbaum wünschte sich, dass solche Bemühungen nicht immer wieder an behördlichen Vorgaben scheitern und die Branche jungen Menschen, die etwas Eigenes aufbauen wollen, mit passenden Plattformen zur Seite steht. „Denn die Möglichkeiten in der Hospitality sind unendlich. Und das müssen wir richtig kommunizieren!“

Antoniewicz schloss sich an: „Es geht darum, dass wir alle zusammen die Branche für junge Leute wieder attraktiver machen und sie emotional abholen: Das ist die Aufgabe der Ausbilder, der Verbände ebenso wie der Technikhersteller.“

Zum Rahmenprogramm gehörten ein Abend in der Elbschmiede Altona mit Shanty-Chor, ein Networking-Lunch an Bord der MS Hammonia sowie eine Dinnerparty im Restaurant „Elemente“ im Westfield Hamburg-Überseequartier. Zum Abschluss führte eine Trendtour zu neuen Projekten der Hamburger Gastronomie- und Hospitality-Szene.

Nachwuchsprogramm im Fokus

Auf der Agenda des FCSI Deutschland-Österreich stehen für 2027 unter anderem die Weiterentwicklung der Beiratsfunktionen und des EPIC-Programms als Recruitment-Modell und Garant für die Zukunft des Verbands. Präsident Michael Neuner blickt optimistisch auf die kommenden Jahre: „Wir sind überzeugt von der Vergangenheit und neugierig auf die Zukunft – deshalb können und wollen wir noch besser werden: als starker Partner für die Hospitality, gerade auch in Zeiten ungewisser Wirtschaftslage.“ red/sar