Mehr als 2.000 Fachbesucher und 170 Aussteller kamen zur dritten Independent Hotel Show Munich – im Fokus: die aktuellen Herausforderungen der unabhängigen Hotellerie.
Am 16. und 17. September kamen Hoteliers, Branchenpartner und Vordenker aus dem deutschsprachigen Raum auf der Independent Hotel Show Munich (IHM) zusammen. Die Vision Stage, Innovation Stage, Digital Stage und der Social Business Space bildeten den Rahmen für Themen wie Führung, Fachkräftemangel, Design, Nachhaltigkeit, Technologie, Künstliche Intelligenz und neue Luxuskonzepte. Einen ersten Höhepunkt setzte bereits der Abschluss des ersten Messetages: die Verleihung der Independent Hotel Show Munich Awards 2026.
Hotels in 4 Kategorien geehrt
Vergeben wurden die Awards in Kooperation mit HotelPartner, durch die Veranstaltung führte Messechef Moritz Schleich. Die Preise in vier Kategorien wurden in diesem Jahr zum dritten Mal verliehen. Eine unabhängige Fachjury bestimmte zunächst die Shortlist aus den eingereichten Bewerbungen. Über die Gewinner entschied anschließend ein öffentliches Online-Voting.
In der Kategorie „Hotel of the Year“ wurde das Wilmina in Berlin-Charlottenburg ausgezeichnet. Das Hotel befindet sich in einem historischen Gebäudeensemble, das behutsam umgestaltet wurde, und verbindet die erhaltene Bausubstanz mit einem zeitgemäßen Hospitality-Konzept. Die Jury hob insbesondere das individuelle Gästeerlebnis und den nachhaltigen Ansatz des Hauses hervor.
Zum Weiterhören
Direkt vor Ort auf der Messe hat Redakteurin Natascha Ziltz mit Messechef Moritz Schleich gesprochen. Wie er die dritte Ausgabe der Independent Hotel Show Munich bewertet, hören Sie im Podcast Tophotel Today.
Den Titel „New Hotel of the Year“ erhielt das Hotel Schani City in Wien. Das Stadthotel kombiniert moderne Gestaltung mit Elementen mediterraner Rückzugsorte und orientalischer Riads. Natürliche Materialien, begrünte Bereiche und ein Innenhof prägen das Konzept, das digitalen Komfort mit persönlichem Service verbindet.
Der Preis „Hotel Design of the Year“ ging an das Biohotel Bühelwirt in Südtirol. Ein moderner Anbau ergänzt dort das historische Stammhaus. Materialien wie heimische Lärche, Lehmputz, Kupfer und Loden stellen Bezüge zur regionalen Handwerkskunst und zur Landschaft des Ahrntals her.
Als „Hotel Leader of the Year“ wurde Franz-Josef Perauer, Eigentümer und Geschäftsführer des Alpine Hideaway Zillertalerhof in Mayrhofen, geehrt. Er entwickelte das traditionsreiche Familienhotel zu einer eigenständigen Lifestyle-Destination weiter, in der Design, Kunst, Kulinarik und Gastfreundschaft ineinandergreifen.
Entlastung braucht Struktur
Über die Auszeichnungen hinaus prägten vor allem die Diskussionen das Programm. Drei Gesprächsrunden veranschaulichten, worauf es ankommt: auf passende Strukturen und Prozesse, die richtige Balance zwischen Marke und Unabhängigkeit sowie digitale Maßnahmen, die das Team entlasten.
Der Fachkräftemangel erklärt nicht jede Überlastung im Hotelalltag. Häufig binden schlecht abgestimmte Systeme, doppelte Arbeitsschritte und überholte Abläufe zusätzliche Ressourcen. Darüber tauschten sich Felix Kraemer, Co-Founder und Data Specialist bei JF-Hospitality, und Micah Hehn, Chief Product Officer bei Evenue, aus. Durch das Gespräch führte Liza Kapageridou vom Hospitality Industry Club.
Darin waren sich die Gesprächspartner einig: Bevor Hotels weitere Programme einführen, sollten sie ihre bestehende Software und die damit verbundenen Prozesse prüfen. Zunächst gelte es zu klären, welche Anwendungen ihren Zweck erfüllten, wo sich Funktionen überschnitten und welche Aufgaben vereinfacht werden könnten. Technik entlaste nur, wenn sie zum Betrieb passe und von der Geschäftsführung mitgetragen werde. Automatisierte administrative Vorgänge könnten Mitarbeitenden dann mehr Zeit für den Kontakt mit den Gästen verschaffen.
Zwischen Reichweite und Freiraum
Kooperationsmarken ermöglichen unabhängigen Häusern den Zugang zu internationalem Vertrieb, Loyalitätsprogrammen sowie Unterstützung bei Technologie und Einkauf. Gleichzeitig sollen Name und Charakter des Hotels erhalten bleiben. Über Chancen und Grenzen dieses Modells diskutierten Jan-Hendrik Meidinger vom Kennedy 89 Hotel Frankfurt, Conny Doß vom Moa Berlin, Mareke Watson vom Bristol Berlin und Erik Florvaag von The Chocolate on the Pillow Group. Das Panel moderierte Cora Le Marec von Revinate.

Wie unterschiedlich die Anforderungen ausfallen, zeigte das Beispiel des Moa Berlin. Das Haus entschied sich für die Unabhängigkeit, um bei Preisgestaltung, Systemlandschaft und Guest Journey flexibler handeln zu können. Der Wechsel brachte jedoch vorübergehende Einbußen mit sich. Das Hotel war zeitweise nicht buchbar und musste Rückgänge bei den Direktbuchungen auffangen. Trotz unterschiedlicher Ausgangslagen kamen die Panelteilnehmenden zu einer gemeinsamen Einschätzung: Ein Markenanschluss ist weder grundsätzlich besser noch schlechter als die Eigenständigkeit. Standort, Zielgruppe, Produkt und Eigentümerstrategie bestimmen, welches Modell wirtschaftlich trägt. Auch eine starke Marke kann die Kultur im Betrieb lediglich unterstützen. Gelebt wird sie vom Team vor Ort.
Veränderung beginnt im Kopf
Historische Bausubstanz muss kein Hindernis für digitale Prozesse sein. Die entscheidenden Barrieren liegen häufig an anderer Stelle, wie Constantin Rehberg von Likestay, Marco Weishaupt von B Smart Selection und Stephanie Goldbrunner-Jung von Anker & Alpen Consulting ausführten. Katharina Beatriz Varga von Jung moderierte die Runde.
Wo diese Barrieren liegen, sahen die Fachleute übereinstimmend: Fehlendes Verständnis, Angst vor Kontrollverlust und unklare Ziele können Veränderungen bereits im Management ausbremsen. Deshalb sollte ein Digitalisierungsprojekt nicht mit der Auswahl eines Tools beginnen, sondern mit der Frage, was sich im Betrieb konkret verbessern soll. Dafür braucht es eine gemeinsame Strategie über Abteilungsgrenzen hinweg. Auch die Mitarbeitenden müssen früh einbezogen werden. Besonders kritisch wird Technik wahrgenommen, wenn sie bestehende Aufgaben nicht ersetzt, sondern weitere Arbeitsschritte hinzufügt. Gute Digitalisierung nimmt dem Team Routineaufgaben ab, reduziert Datensilos und erleichtert die Zusammenarbeit.
Die drei Diskussionen führten damit zu einer gemeinsamen Erkenntnis: Entscheidend sind weder die Zahl der Systeme noch die Größe einer Marke oder der Digitalisierungsgrad eines Hauses. Mehrwert entsteht dort, wo Strukturen zum Betrieb passen, Entscheidungen konsequent umgesetzt werden und Mitarbeitenden mehr Raum für ihre Gastgeberrolle bleibt.
Themenwelten auf der Ausstellungsfläche
Auch die Aussteller griffen aktuelle Themen der unabhängigen Hotellerie auf. Rund 60 Prozent der Unternehmen präsentierten sich erstmals auf der IHM. Die Green Energy Zone bündelte Angebote für Energieeffizienz und zukunftsfähige Infrastruktur, während die Start-up Zone jungen Unternehmen Raum für Produkte und Geschäftsmodelle gab. In der Art Gallery stand Kunst als Bestandteil moderner Hotel- und Interior-Konzepte im Vordergrund. Hinzu kamen Bereiche wie die Tiny Space Houses.
Gelegenheit für weitere Gespräche boten das „Realtalk“-Live-Podcast-Studio, der Biergarten, der Südtirol-Abend am ersten Messetag und das Power Breakfast am zweiten Morgen.
Nächster Termin steht fest
Die nächste Independent Hotel Show Munich findet am 15. und 16. September 2027 erneut im MOC München statt. Inhaltliche Schwerpunkte, Bühnenprogramm und Begegnungen sollen weiterhin einen hohen Stellenwert einnehmen. Geplant ist außerdem eine neue IT-Customer-Journey für Hoteliers. red/ik