Fach- und Führungskräfte aus der DACH-Region berichten in unserer Serie von ihren Erfahrungen in der Ferne. Diesmal: Carmen Mauthner aus Lettland.
Zwischen historischer Grandezza und moderner Leichtigkeit führt Carmen Mauthner das Grand Hotel Kempinski Riga in eine neue Phase internationaler Luxushotellerie. Das Haus im Herzen der UNESCO-geschützten Altstadt repräsentiert weit mehr als ein klassisches Stadthotel. „Es ist das führende internationale Fünfsterne-Luxushotel in Riga und zugleich ein Flaggschiff im Baltikum“, so Mauthner. Das historische Gebäude verbindet dabei Geschichte, Kultur und moderne Eleganz auf besondere Weise.
Luxus mit eigener Handschrift
Im Fokus ihres Anspruchs steht die konsequente Individualisierung des Gästeerlebnisses: „Luxus bedeutet heute nicht mehr Perfektion, sondern Relevanz und Emotionalität“, sagt Mauthner. Jede Interaktion solle sich intuitiv, persönlich und mühelos anfühlen. Gäste sollten nicht nur ankommen, sondern sich gesehen fühlen.
Parallel arbeitet sie daran, Riga als eigenständige Luxusdestination zu schärfen: eine Stadt für Reisende, die das Authentische suchen, jenseits klassischer Touristenpfade. Wie sich Luxus im Extremfall anfühlt, hat sie früh in ihrer Karriere erfahren. Stationen wie das Burj Al Arab waren für sie mehr als nur berufliche Etappen. „Das war eine Schule für operative Exzellenz“, sagt sie rückblickend.

„Die Stadt ins Erlebnis holen“
Im Wettbewerb der Luxusdestinationen setzt das Haus bewusst auf Eigenständigkeit statt Austauschbarkeit. Verkauft werde kein Produkt, sondern ein Erlebnis. Drei Säulen tragen diese Positionierung: außergewöhnliche Gastronomie, kulturelle Authentizität und ein Spa mit regionalem Bezug. Auf der Rooftop-Ebene verbindet das Michelin-gelistete Restaurant „Stage 22“ asiatische Raffinesse mit lokalen Produkten, während im Spa lettischer Bernstein und traditionelle Rituale den Ort mit der Region verknüpfen.
„Wir müssen die Stadt ins Erlebnis holen“, betont die gebürtige Österreicherin. Im Zentrum stehen dabei immer die Menschen im Team. Mitarbeitende sind keine Ressource, sondern die Marke des Hotels. Entsprechend wird konsequent in Entwicklung, Training und Führungskultur investiert. Denn am Ende entscheidet nicht das Konzept, sondern die Menschen, die es leben.
Trotz hoher Anforderungen in der Luxushotellerie setzt sie auf Struktur, Erfahrung und innere Ruhe. Klar definierte Prozesse schaffen Freiräume für strategische Arbeit, während Reisen und internationale Begegnungen neue Perspektiven eröffnen. Und Riga selbst? Für sie eine Stadt der Gegensätze. Oper und Kunst auf der einen Seite, Natur und Ostseeküste nur Minuten entfernt. „Diese Balance ist unglaublich wertvoll“, sagt sie.
