Hotelsterne Deutsche Hotelklassifizierung wird 30

Hotelsterne: Sie zeigen Gästen, was sie erwartet – und Betrieben helfen sie, sich im Markt zu positionieren.
Hotelsterne: Sie zeigen Gästen, was sie erwartet – und Betrieben helfen sie, sich im Markt zu positionieren. © A_n_d_i_K - stock.adobe.com

Zum Jubiläum blickt die Deutsche Hotelklassifizierung auf drei Jahrzehnte Überzeugungsarbeit zurück – und auf die Frage, wie Hotelsterne in Zeiten von KI sichtbar bleiben.

Als die Deutsche Hotelklassifizierung vor 30 Jahren an den Start ging, war das Projekt in der Branche durchaus umstritten. Unterschiedliche Landesverbände, regionale Strukturen und verschiedene Perspektiven auf Qualität mussten in einem bundesweiten System zusammengeführt werden. „Die ersten Jahre waren geprägt von intensiver Überzeugungsarbeit“, erinnert sich Markus Luthe, Geschäftsführer der Dehoga Deutsche Hotelklassifizierung. „Dass daraus ein verlässlicher Standard für ganz Deutschland geworden ist, war keine Selbstverständlichkeit – sondern das Ergebnis eines starken Verständnisses von Qualität, Fairness, Vergleichbarkeit und Marktorientierung.“

30 Jahre, 30 Geschichten

Wie viel Überzeugungsarbeit am Anfang nötig war, zeigen die Geschichten der Wegbereiterinnen und Wegbereiter, die der Verband unter dem Motto „30 Jahre – 30 Geschichten“ erzählt. Sie handeln von Skepsis in der Branche, von praktischen Fragen aus dem Hotelalltag und von der Herausforderung, Qualität so zu beschreiben, dass sie für Gäste verständlich und für Betriebe fair abbildbar ist.

Eine Anekdote aus den Anfangsjahren verdeutlicht die damalige Debatte: Der damalige Adlon-Direktor Gianni van Daalen machte deutlich, dass niemand rund um das Brandenburger Tor einen Golfplatz bauen werde, nur um genügend Punkte für einen fünften Stern zu sammeln. Die Botschaft: Ein Klassifizierungssystem darf nicht allein ein Maximum an Ausstattung belohnen, sondern muss berücksichtigen, was Gäste tatsächlich erwarten und nutzen. Diese Ausrichtung an den Gästeerwartungen wurde zum prägenden Prinzip des Systems.

239 Kriterien und ein europäischer Rahmen

Der aktuelle Kriterienkatalog 2025 bis 2030 umfasst 239 Kriterien. Die Teilnahme an der Klassifizierung ist freiwillig, klassifizierte Betriebe werden anhand bundesweit einheitlicher Kriterien überprüft. Für Gäste stehen die Sterne für Erwartungssicherheit – sie zeigen, welche Ausstattung, welcher Service und welcher Standard verlässlich zu erwarten sind. Für Hotels dienen sie als Positionierungsinstrument, das Qualität sichtbar macht und eine Grundlage für die Preisgestaltung schafft.

Über Deutschland hinaus wirkt die 2009 gegründete Hotelstars Union. Was mit sieben Ländern begann, ist zu einem europäischen Qualitätsrahmen gewachsen. Gemeinsame Kriterien und Verfahren sollen dafür sorgen, dass Hotelsterne über Ländergrenzen hinweg besser vergleichbar werden.

Sterne in Zeiten von KI

Im Jubiläumsjahr stellt sich für die Klassifizierung auch eine Zukunftsfrage: Wie bleiben offizielle Qualitätsstandards sichtbar, wenn Hotels künftig neben Suchmaschinen, Buchungsplattformen und Bewertungsportalen zunehmend auch über KI-gestützte Systeme, digitale Assistenten und neue Empfehlungslogiken gefunden werden?

„In Zukunft werden nicht nur Plattformen und Suchmaschinen, sondern auch KI-gestützte Systeme die Entscheidungsfindung bei Reisen unterstützen“, sagt Christin Neumann, Geschäftsführerin der Dehoga Deutsche Hotelklassifizierung. „Daher setzen wir uns dafür ein, die offiziellen Hotelsterne in diesen neuen digitalen Umgebungen sichtbar, auffindbar und eindeutig interpretierbar zu machen – als zuverlässiger Qualitätsindikator für Gäste und Betriebe.“ red/sar