Ob Lobby, Restaurant oder Gästezimmer: Licht beeinflusst maßgeblich, wie Gäste ein Hotel wahrnehmen. Martina Weiss und Mariana Saraiva vom LKL Design Hub Barcelona erläutern, worauf es ankommt.
Hotel+Technik: Gäste erinnern sich oft an das Interior eines Hotels. Welche Rolle spielt Licht bei der Wahrnehmung eines Hauses?
Weiss: Interessanterweise nehmen Gäste das Licht meist gar nicht bewusst wahr. Sie erinnern sich vielmehr daran, wie sich ein Hotel angefühlt hat. Ob ein Raum Ruhe ausstrahlt, einladend wirkt oder ob man sich intuitiv orientieren kann, wird ganz wesentlich durch das Licht beeinflusst. Architektur und Interior Design bilden den Rahmen, aber erst das Licht macht Materialien, Proportionen und Räume wirklich erlebbar. Deshalb verstehen wir Licht nie als etwas, das nachträglich ergänzt wird. Es ist ein integraler Bestandteil der Architektur. Wenn Gäste sagen: „Dieses Hotel hatte eine besondere Atmosphäre“, dann ist das für uns wahrscheinlich das schönste Kompliment.
Hotels sollen tagsüber funktional und abends atmosphärisch wirken. Wie gelingt dieser Spagat?
Weiss: Für uns ist das kein Widerspruch. Funktional bedeutet nicht automatisch hell. Funktional bedeutet, dass das Licht die jeweilige Nutzung unterstützt. Und die verändert sich im Laufe eines Tages ganz selbstverständlich. Morgens geht es stärker um Orientierung und darum, das Tageslicht sinnvoll zu ergänzen. Am Abend werden Restaurants, Bars oder Lounges zu Orten, an denen Menschen länger bleiben und zur Ruhe kommen. Das Licht sollte diese Veränderung begleiten. Dabei reicht es nicht, einfach zu dimmen. Entscheidend ist, wie Licht im Raum eingesetzt wird. Welche Bereiche treten in den Vordergrund? Wo entstehen ruhigere Zonen? Und wie verändern sich Helligkeiten, Kontraste und – wo sinnvoll – auch die Farbtemperatur?
Saraiva: Beim The Florentin in Frankfurt haben wir genau diesen Gedanken aufgegriffen. In den öffentlichen Bereichen entwickeln sich Lichtstimmungen und Farbtemperaturen über den Tag hinweg kontinuierlich weiter. So entsteht zu jeder Tageszeit eine ruhige und stimmige Atmosphäre.
Gab es beim The Florentin Bereiche, die aus lichtplanerischer Sicht besonders anspruchsvoll waren?
Saraiva: Das Restaurant The Dune war sicherlich einer der anspruchsvollsten Bereiche des Projekts. Dort ging es nicht nur darum, einen Raum zu beleuchten, sondern eine räumliche Inszenierung zu unterstützen, in der Architektur, Interior Design, Gastronomie und Licht zu einem Gesamterlebnis zusammenkommen. Gleichzeitig war es uns wichtig, dass die Leuchten in der Decke möglichst verschwinden. Das Licht sollte selbstverständlicher Teil dieses Erlebnisses sein, die Leuchten selbst dagegen möglichst unsichtbar bleiben.
In der Cigar Lounge wurden Glaselemente von Leuchten, die bereits vor der Sanierung Teil des Hauses waren, für eine neue Installation weiterverwendet. Für uns war das eine schöne Möglichkeit, ein Stück der Geschichte des Ortes in das neue Hotel mitzunehmen. Gleichzeitig gibt es aber auch Details, die bewusst nach vorne blicken. Das Muster der hinterleuchteten Elemente an der Rezeption wurde eigens für das Hotel entwickelt und greift das „TF“-Monogramm von The Florentin auf. Es sind genau diese kleinen Gesten, die einem Projekt seine Tiefe geben.
Wie unterscheiden sich die Anforderungen an Lobby, Restaurant, Bar, Spa und Gästezimmer?
Weiss: Kaum ein anderer Gebäudetyp vereint so viele unterschiedliche Nutzungen unter einem Dach wie ein Hotel. Deshalb kann es auch keine einheitliche Lichtlösung für das gesamte Haus geben. Die Lobby ist der Ort des Ankommens und der Orientierung. Im Restaurant stehen Menschen und Speisen im Mittelpunkt. Eine Bar darf kontrastreicher sein und stärker mit Dunkelheit arbeiten. Im Spa versuchen wir, visuelle Reize bewusst zu reduzieren. Und das Gästezimmer ist der persönlichste Raum des Hotels. Dort sollte sich das Licht möglichst selbstverständlich an die Bedürfnisse des Gastes anpassen.
Gibt es typische Fehler, die Sie beim Licht immer wieder beobachten?
Weiss: Ich würde gar nicht von typischen Fehlern sprechen. Meistens geht es eher um den Blickwinkel. Wenn wir zuerst über Luxwerte oder Produkte sprechen, kommen wir oft zu einer anderen Lösung, als wenn wir zuerst über den Raum und seine Nutzung nachdenken. Normen und Beleuchtungsstärken sind wichtig, aber sie beantworten noch nicht die entscheidende Frage: Wie wird ein Raum genutzt und welche Atmosphäre soll dort entstehen?
Saraiva: Gerade im Bad eines Hotelzimmers zeigt sich, wie unterschiedlich die Anforderungen innerhalb eines einzigen Raumes sein können. Man braucht gutes Licht für alltägliche Routinen, gleichzeitig ist es aber auch der Ort, an dem viele Gäste morgens in den Tag starten und ihn abends beenden. Diese unterschiedlichen Momente sollte die Lichtplanung gleichermaßen unterstützen.
Welche Trends prägen derzeit das Lichtdesign?
Weiss: Wir beobachten, dass Licht heute viel stärker als Teil der Architektur verstanden wird. Die eigentliche Entwicklung besteht für uns darin, dass die Technik zunehmend in den Hintergrund tritt und die räumliche Qualität in den Vordergrund rückt.
Apropos Technik: Wie lassen sich Energieeffizienz und Lichtqualität miteinander verbinden?
Weiss: Gute Lichtplanung war für uns nie eine Frage der Lichtmenge. Deshalb sehen wir auch keinen Widerspruch zwischen Energieeffizienz und atmosphärischer Lichtqualität. Entscheidend ist nicht, wie viel Licht eingesetzt wird, sondern wo und wie es eingesetzt wird. Oft entsteht die Wirkung erst durch einen bewussten und zurückhaltenden Umgang mit Licht.
Gibt es internationale Hotelprojekte, deren Lichtkonzept Sie besonders beeindruckt hat?
Weiss: Besonders spannend finde ich Hotels, bei denen Licht und Architektur so selbstverständlich zusammengehören, dass man das eine ohne das andere kaum denken kann. Ein Projekt, das das für mich bis heute sehr gut verkörpert, ist das Hotel Abadía Retuerta Le Domaine in Spanien. Das ehemalige Kloster aus dem 12. Jahrhundert hat uns über fast zwölf Jahre begleitet. Als denkmalgeschütztes Gebäude verlangte es einen sehr behutsamen Umgang. Uns war wichtig, dass die Beleuchtung nicht wie etwas nachträglich Hinzugefügtes wirkt, sondern als hätte sie schon immer dorthin gehört.
Deshalb haben wir eigens eine Leuchtenfamilie aus massiver Bronze entwickelt. Wir haben bewusst ein Material gewählt, das der Präsenz der historischen Mauern standhalten konnte, gleichzeitig zeitlos ist und mit Würde altert. Die polierten Innenflächen der Bronze reflektieren das Licht in einem warmen, fast goldenen Ton. Am Ende konnten wir das gesamte Hotel mit nur sieben Leuchtentypen realisieren. Für mich zeigt dieses Projekt bis heute, dass ein gutes Lichtkonzept nicht von möglichst vielen Produkten lebt, sondern von einer klaren Idee.Worauf achten Sie als erstes, wenn Sie ein Hotel betreten?
Saraiva: Mich interessiert immer, wie ein Hotel von seinen Gästen angenommen wird. Wo entsteht Leben? Welche Bereiche werden ganz selbstverständlich genutzt? In solchen Momenten zeigt sich, ob aus der Planung tatsächlich ein lebendiger Ort geworden ist.
>> Das Interview ist in der Tophotel Ausgabe 7-8/2026 erschienen.

