Hotelprojekt Le Rucher d'Evolène: Ein Bergdorf wird zum Hotel

Das historische Wohnhaus Chez Madeleine aus dem Jahr 1634 wurde für das dezentrale Hotelkonzept Le Rucher d'Evolène im Wallis aufwendig restauriert. Die Kombination aus traditionellem Strickbau aus Lärchenholz und einem massiven Natursteinsockel bewahrt das alpine Kulturerbe.
Das historische Wohnhaus Chez Madeleine aus dem Jahr 1634 wurde für das dezentrale Hotelkonzept Le Rucher d'Evolène im Wallis aufwendig restauriert. Die Kombination aus traditionellem Strickbau aus Lärchenholz und einem massiven Natursteinsockel bewahrt das alpine Kulturerbe. © Le Rucher d'Evolène

Im Wallis werden historische Dorfhäuser und Raccards – teils aus dem 15. Jahrhundert – zu einem dezentralen Hotelkonzept verbunden. Den Anfang macht ein Boutiquehotel mit sieben Zimmern.

Im Val d'Hérens im Schweizer Kanton Wallis entsteht ein Hotelprojekt, das sich nicht in einem einzelnen Gebäude befindet, sondern über das gesamte Dorf Evolène erstreckt. Le Rucher d'Evolène folgt dem Prinzip eines sogenannten Albergo Diffuso – einer in Italien entwickelten Idee, bei der bestehende Dorfstrukturen zu einer dezentralen Hotelanlage verbunden werden, statt einen Neubau in die Landschaft zu setzen.

Historische Raccards – traditionelle Walliser Holzspeicher – und Dorfhäuser werden dafür restauriert und Stück für Stück in das Projekt integriert. Zu den Gebäuden gehören unter anderem Le For de Blatt aus dem Jahr 1443, Chez Catherine & Joseph (1595), Chez Madeleine (1634) und Chez Berthe (1757). Für die Restaurierung kommen regionale Materialien wie Lärchenholz, Naturstein und Schiefer zum Einsatz, verarbeitet in Zusammenarbeit mit Handwerkern aus dem Val d'Hérens.

Alte Balken, neue Betten

Essentiell sei es, die historische Substanz der Gebäude sichtbar zu lassen. Holzbalken, Steinstrukturen, alte Türen, Inschriften und Alltagsobjekte bleiben erhalten. Zeitgenössischer Komfort – darunter Fußbodenheizung, hochwertige Betten und Wellnessangebote – wird in die bestehende Bausubstanz eingefügt, ohne deren Charakter zu überlagern. Auch im Interior bleiben historische Möbel wie bemalte Schränke und Truhen erhalten und werden durch Objekte mit Bezug zur alpinen Landschaft und zum regionalen Handwerk ergänzt.

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    Die Zimmer bieten zeitgenössischen Komfort in historischen Wänden.
    © Le Rucher d'Evolène
    Die Zimmer bieten zeitgenössischen Komfort in historischen Wänden.
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    Im Inneren verschmelzen jahrhundertealte Holzbalken harmonisch mit modernem Komfort.
    © Le Rucher d'Evolène
    Im Inneren verschmelzen jahrhundertealte Holzbalken harmonisch mit modernem Komfort.

Für die Umsetzung hat CEO Steven Jacob ein Team aus internationalen und regionalen Fachleuten zusammengestellt. Die Architekturbüros Tamaris und Alp'Architecture verantworten das Design. Das Studio Géraldine Dohogne, das zuvor die Interiors der Zannier Hotels gestaltete, entwirft die geplante „Brasserie La Pension“. Studio C&C steuert integrierte Kunstwerke bei.

Sieben Zimmer zum Auftakt

Den Anfang macht das Boutiquehotel Le Central im Dorfzentrum, das am 21. August 2026 mit sieben Zimmern öffnet. Zum Haus gehören ein Garten, eine „Honesty Bar“, ein Skiraum und das Olèïnna Spa. Letzteres ist von der glazialen Quelle in Evolène inspiriert und als alpine Grotte gestaltet – mit rohem Stein, gedämpftem Licht und Wasser als zentralem Element. Es umfasst einen Jacuzzi, eine Sauna, einen Zen-Raum und einen Behandlungsraum.

In den kommenden Jahren soll das gesamte Projekt schrittweise wachsen: mit zusätzlichen Häusern im Dorf, der öffentlich zugänglichen Brasserie La Pension, dem Kultur- und Begegnungsraum „Le For de Blatt“ im historischen Gebäude von 1443 sowie La Maison Jaune, einem kleinen Sportshop mit zwei Gästezimmern. Für 2028 ist die Eröffnung des Berghotels L'Hermitage mit 25 Zimmern vorgesehen. Die öffentlichen Orte des Projekts sollen nicht nur Hotelgästen vorbehalten sein, sondern als Teil des Dorflebens funktionieren.

Ein Dorf auf 1.370 Metern Höhe

Le Rucher d'Evolène versteht sich als Alternative zum Massentourismus. Das Konzept basiert auf drei Leitgedanken: dem Erhalt des kulturellen Erbes, einer bewusst entschleunigten Gastfreundschaft und der unmittelbaren Verbindung zur alpinen Landschaft. Evolène ist ein gewachsenes Bergdorf mit eigener Sprache, Geschichte und Alltagskultur. Wege, Plätze und Gebäude bleiben offen zugänglich.

Das Dorf liegt auf rund 1.370 Metern Höhe, umgeben von Wäldern, Gletschern und alten Wegen. Über dem Tal erhebt sich die Dent Blanche. Im Sommer reicht das Angebot von Wanderungen über Klettersteige und Reitausflüge bis zu Hochgebirgstouren, im Winter stehen Skitouren und Schneeschuhwanderungen zur Verfügung. Ergänzt wird der Aufenthalt durch mögliche Besuche bei lokalen Produzenten – etwa im Atelier Métrailler, das traditionelle Webtechniken bewahrt – sowie durch das Museum von Evolène, das die Geschichte des Dorfes vermittelt. red/sar