Ein in Italien erprobtes Tourismuskonzept soll leerstehende Gebäude in Schwarzwälder Ortskernen in Gästeunterkünfte verwandeln. Fünf Modellorte stehen nun fest und werden bis Ende 2026 bei der Umsetzung begleitet.
Das Projekt trägt den Namen „Schwarzwald.Dorf.Hotel. – Albergo Diffuso“ und greift ein in Italien und der Schweiz etabliertes Modell auf: Bestehende, teils leerstehende Gebäude in einem Ort werden zu einem dezentralen Hotel zusammengeführt. Gäste übernachten laut der Schwarzwald Tourismus GmbH (STG) in über das Dorf verteilten Unterkünften, während zentrale Funktionen gemeinschaftlich organisiert werden – der Dorfplatz wird zur Lobby, die örtliche Gastronomie zum Frühstücksraum, die Einheimischen zu Gastgebern. Das Projekt läuft seit dem 1. September 2025 und wird vom Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus Baden-Württemberg gefördert.
Fünf Orte aus vier Landkreisen ausgewählt
Nach einem mehrstufigen Bewerbungs- und Auswahlprozess mit Informationsveranstaltungen vor Ort und online stehen nun die fünf Modellorte fest: Klosterreichenbach (Ortsteil von Baiersbronn, Landkreis Freudenstadt), Nöggenschwiel (Ortsteil von Weilheim, Landkreis Waldshut), Oberharmersbach (Ortenaukreis), Prinzbach (Ortsteil von Biberach, Ortenaukreis) und Schiltach (Landkreis Rottweil). Laut der STG war das Interesse aus der Ferienregion groß – zahlreiche Orte und lokale Akteure hätten sich informiert und Bereitschaft zur Umsetzung signalisiert. Das im Vorfeld erstellte Konzept sah jedoch maximal fünf Modellorte vor, weshalb eine Auswahl getroffen werden musste. Alle Bewerberorte seien bereits über die Entscheidung informiert worden.
Begleitung bis Ende 2026 mit Workshops und Beratung
Die fünf ausgewählten Orte sollen bis Ende 2026 umfassende und kostenfreie Beratungs- und Moderationsleistungen erhalten. Die fachliche Begleitung übernehmen die Schwarzwald Tourismus GmbH selbst sowie die Agentur Co Compass. Der Prozess ist in mehrere Phasen gegliedert: Analyse, Kick-off, Entwicklung, Reflexion, Vernetzung und Umsetzungsplanung. Geplant sind unter anderem ein Online-Sondierungsgespräch sowie mehrere Workshops – sowohl vor Ort als auch digital.
Parallel dazu sollen die Modellorte eigenständig an zentralen Aufgaben arbeiten. Dazu gehören der Aufbau eines lokalen Akteursnetzwerks, die Entwicklung eines Zielbilds und eines konkreten Projektplans sowie erste Lösungsansätze. Am Ende soll für jeden Ort ein individueller Umsetzungsplan stehen, der konkrete Maßnahmen, Zuständigkeiten sowie Zeit- und Kostenschätzungen enthält.
Schwarzwälder Variante statt italienisches Original
Die STG betont, dass das Konzept nicht eins zu eins aus Italien übernommen werden soll. „Wir nehmen das Albergo-Diffuso-Modell als Basis, arbeiten konzeptionell aber an der Schwarzwälder Variante“, sagt Heide Glasstetter, Projektverantwortliche und Bereichsleiterin Innenmarketing bei der STG. Im Unterschied zu Italien gebe es im Schwarzwald keine verlassenen Bergdörfer, sondern „prinzipiell gut aufgestellte kleine Tourismusorte, die aber vor strukturellen Herausforderungen stehen“. Diese wolle man aktiv und individuell begleiten, um sie und den Tourismus vor Ort „nachhaltig und zukunftssicher aufzustellen“.
Das Konzept biete gerade für ländliche Gemeinden im Schwarzwald eine Perspektive angesichts von Herausforderungen wie rückläufigem Tourismus, Leerstand, Investitionsstau und dem Verlust an Lebendigkeit in den Ortskernen. Das Modell soll zur Wiederbelebung bestehender Bausubstanz beitragen, regionale Wertschöpfung stärken, lokale Netzwerke fördern und die Lebens- sowie Aufenthaltsqualität verbessern. red/sar