Tourismus „Deutschland muss lernen, sein Angebot global zu erzählen“

Susanne Gräfin von Moltke: "Wir haben alles, was internationale Reisende heute suchen."
Susanne Gräfin von Moltke: "Wir haben alles, was internationale Reisende heute suchen." © Relais & Châteaux

Susanne Gräfin von Moltke, Generalsekretärin von Relais & Châteaux, sieht Deutschland touristisch stark aufgestellt, international jedoch unter Wert vermarktet. Was sie fordert.

Deutschland zählt aus Sicht von Relais & Châteaux zu den qualitativ stärksten Reisezielen Europas – schöpft sein internationales Potenzial jedoch noch nicht aus. Beim Tourismusgipfel des Bundesverbands der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW) in Berlin hat Susanne Gräfin von Moltke deshalb eine ambitioniertere Positionierung des Standorts gefordert.

Hohe Qualität, niedrige internationale Nachfrage

Deutschland sei ein außergewöhnlich attraktives Reiseland mit landschaftlicher Vielfalt, bedeutenden Städten und kulturellen Highlights von internationalem Rang, darunter 55 Unesco-Welterbestätten. „Das Land bietet ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, hochqualifizierte Fachkräfte sowie ein fundiertes und etabliertes Ausbildungssystem. Auch die Gastronomie ist hervorragend entwickelt, denn allein im Guide Michelin sind in Deutschland 341 Sterne vergeben. Bezogen auf die zentralen touristischen Qualitätsdimensionen ist Deutschland bereits heute hervorragend aufgestellt“, so die Unternehmerin, Hotelière und Generalsekretärin von Relais & Châteaux.

Eine aktuelle Studie von Relais & Châteaux zeige, dass 74 Prozent der Luxusreisenden zuerst über das Reiseziel entscheiden, 70 Prozent hohe Ansprüche an die Unterkunft stellen und 69 Prozent Kulinarik als entscheidendes Kriterium nennen. Diese Erwartungen erfülle Deutschland weitgehend; dennoch bleibe die internationale Nachfrage zurück. Der Anteil internationaler Gäste liege in Deutschland insgesamt bei rund 17 Prozent, im Relais-&-Châteaux-Netzwerk hierzulande bei 24 Prozent. Zum Vergleich nannte von Moltke Österreich mit 86 Prozent, die Schweiz mit 51 Prozent und das Vereinigte Königreich mit 32 Prozent. „Die Differenz ist keine Frage der Qualität, sondern der internationalen Sichtbarkeit und Nachfrageentwicklung. Deutschland muss lernen, sein Angebot konsequenter global zu erzählen“, so von Moltke.

Auch die Preisstruktur verdeutliche laut der Hotelière das ungenutzte Potenzial. Der durchschnittliche Zimmerpreis (ADR) innerhalb der Vereinigung liege in Deutschland bei 324 Euro – deutlich unter Italien mit 762 Euro, Frankreich mit 478 Euro und Österreich mit 501 Euro. Diese Differenzen seien Ausdruck unterschiedlicher internationaler Nachfrage, nicht unterschiedlicher Qualität der Häuser. Mehr internationale Gäste bedeuteten längere Aufenthalte, höhere Wertschöpfung und stärkere regionale Effekte, so von Moltke.

„Die Herausforderung liegt nicht im Angebot, sondern in unserer Ambition, dieses Angebot global sichtbar zu machen.“

Unternehmerin und Hotelière Susanne Gräfin von Moltke

Destination-Marketing als entscheidender Hebel

Susanne von Moltke betonte, Deutschland gehöre in vielen Bereichen bereits heute zu den führenden Reisedestinationen Europas, müsse jedoch strategisch stärker in der internationalen Wahrnehmung positioniert werden. Zentrale Hebel für mehr internationales Wachstum seien eine konsequentere internationale Destinationskommunikation, eine stärkere Luftverkehrsanbindung und bessere Erreichbarkeit, vereinfachte Visa- und Fachkräfteprozesse sowie eine emotionalere Positionierung deutscher Reiseerlebnisse. „Wir haben alles, was internationale Reisende heute suchen. Die Herausforderung liegt nicht im Angebot, sondern in unserer Ambition, dieses Angebot global sichtbar zu machen“, so von Moltke.

Bereits eine Steigerung des internationalen Gästeanteils um zehn Prozent in den kommenden Jahren könne nach Einschätzung von Moltkes erhebliche wirtschaftliche und strukturelle Impulse im deutschen Tourismussektor auslösen und Unternehmern wieder größeren Spielraum für mutiges Handeln eröffnen. red/sar