Teamkleidung prägt den Eindruck, den Gäste gewinnen, noch bevor das erste Wort fällt. Ausstattungs-Experten und Hoteliers berichten, dass es neben der Optik auf viele Kriterien ankommt.
Es ist unverkennbar: Die Zeit der Uniformen ist vorbei. Zum Beispiel bei den Achat Hotels: Jeans, Poloshirts, T-Shirts, College-Jacken und Hoodies mit Reißverschluss haben die klassischen Anzüge, Hemden, Blusen und Krawatten abgelöst. Sneaker mit Antirutsch-Sohle ermöglichen sportlich-sicheres Gehen. Die Looks sind legerer und individueller, wobei die Unternehmensfarben Blau und Orange für Wiedererkennung sorgen.
„Unsere Bekleidungslinie lässt Freiraum für die Persönlichkeit unserer Mitarbeitenden. Es muss nicht mehr alles gleich sein, wie früher bei den Uniformen“, betont Blanche von Bodman, Project Manager Nachhaltigkeit bei den Achat Hotels. Man spricht vom Capsule-Wardrobe-Prinzip oder modularen Baukasten-Kollektionen, wenn sich Kleidungsstücke vielseitig kombinieren lassen und Mitarbeitende sich je nach Jahreszeit, Wetter, Stimmung oder persönlicher Präferenz flexibel und dennoch als Teil des Teams kleiden können – ein wichtiger Trend.
Dass die Nachhaltigkeitsmanagerin der Achat Hotels Auskunft zur Teamkleidung gibt, zeigt eine weitere Entwicklung: ökologische und faire Kriterien sind längst kein Nebenschauplatz mehr. Die Achat-Styles sind nach Oeko-Tex Standard 100 zertifiziert. Als Textilpartner wurde die Katag AG aus Bielefeld gewählt. Als Mitglied der Amfori Business Social Compliance Initiative verpflichtet sich Katag, Arbeitnehmerrechte entlang der Lieferkette zu schützen. Corporate Fashion ist ein zentrales Geschäftsfeld der AG, wobei die Hotellerie mit fast 50 Prozent Umsatzanteil in diesem Segment Haupt-Auftraggeber-Gruppe. Motel One beispielsweise ist Kunde, oder auch Sixt. Katag-Designer kreieren ganzheitliche Kollektionen in der jeweiligen CI der Auftraggeber. Über ein Nachorderportal kann Kleidung nach Bedarf nachbestellt werden, wobei das Kontingent, das auf Lager liegt, bereits den jeweiligen Kunden gehört. Das berichtet Henning Gerbaulet, Chief Operating Officer der Katag.
Individualität, Designkooperationen und Standardlösungen
Eine Frage, die jeder Hotelier sich stellen muss: Entscheidet man sich für Standardkollektionen, die lediglich punktuell individualisiert werden, etwa über Stickereien oder Drucke? Oder setzt man auf individuell kreierte Looks, wie Achat es getan hat? Ein dritter Weg sind Hybridmodelle, die beide Beschaffungsoptionen kombinieren, indem wichtige Signature-Produkte individuell designt und Basics als Standardware zugekauft werden.
Die Entscheidung hängt von der Unternehmensgröße (und somit der Menge der benötigten Kleidungsstücke) ab und von der Wichtigkeit, die der Ausstattung beigemessen wird. Dass die Bedeutung steigt, machen immer mehr Kooperationen mit Modedesignern deutlich. Das Team des Hotels Beethoven in Wien beispielsweise wurde von der Wiener Modedesignerin Eva Poleschinski ausgestattet. Aus eigenen Fotografien entwickelte sie Muster, die von der unmittelbaren Umgebung des Hotels inspiriert sind. „Unseren Gästen ist die Kleidung des Teams sofort positiv aufgefallen“, freut sich Managing Director Barbara Ludwig und ergänzt: „Damit erzählen wir eine Geschichte und vervollständigen unser Branding.“
Der Nachhaltigkeitsaspekt wurde auch hier bedacht: Die Produkte sind aus Biobaumwolle und werden in der Slowakei in einer kleinen Schneiderei hergestellt. Im ersten Schritt hat man sich im Hotel Beethoven auf die Oberbekleidung fokussiert. „Wir weisen unsere Mitarbeitenden an, diese mit schwarzen Hosen oder Röcken zu kombinieren“, so Barbara Ludwig.
Die SO/ Hotels haben ebenfalls individuelle Teamkleidung von Designern gestalten lassen. „Die besten Beispiele sind Christian Lacroix in Bangkok und Guillaume Henry in Paris“, findet Bruno Marti, Executive Vice President of Brand Marketing bei 25hours Hotels und SO/, und fügt hinzu: „Mutig oder außergewöhnlich designte Stücke werden von den Gästen eher wahrgenommen. Gerade bei einer Marke wie SO/ ist dies ein wichtiger Teil des Gasterlebnisses.“ Übrigens: In einigen der Hotels waren die Modefachleute auch in das Interior Design involviert.
Teil des visuellen Gesamterlebnisses
Das leitet zu Sajna Weber und Thorsten Bulander über, den kreativen Köpfen des Designstudios Saat Munich, das maßgefertigte Corporate Fashion für das gesamte Hotelteam entwickelt – vom Doorman über das Front Office bis hin zu den Spa-Outfits – und unter anderem die 25hours Hotel Group oder exklusive Individualhäuser wie den Chiemgauhof zu seinen Kunden zählt. Auch bei Weber und Bulander lautet die Überzeugung: „Teamkleidung ist ein wesentlicher Bestandteil des visuellen Gesamterlebnisses und sollte nach denselben Prinzipien gestaltet werden wie Interior und Grafikdesign und immer vom Markenkern ausgehen. Viele Häuser investieren intensiv in Architektur und Interior Design, unterschätzen jedoch den kommunikativen Wert von Kleidung.“
Doch die Ästhetik darf natürlich nicht die notwendige Funktionalität außer Acht lassen. „Bei uns hat das dazu geführt, dass jetzt die ursprünglich für die Zimmermädchen konzipierten Kleider von den Rezeptionistinnen getragen werden und wir fürs Housekeeping Schürzen bestellt haben. Man lernt nie aus“, gibt Barbara Ludwig, Gastgeberin des Hotels Beethoven, mit einem Schmunzeln zu. Auch Bruno Marti betont: „Die Teamkleidung muss dem jeweiligen Aufgabenprofil angepasst sein. In manchen administrativen Funktionen kann man Kleidung tragen (und designen), die sich nicht von Privatkleidung unterscheidet. Bei Berufsbildern mit höherer Belastung muss die Funktionalität im Vordergrund stehen.“
Das unterstreichen auch Stefanie und Stefan Rennicke, Founder von Workwear-Spezialist Kaya & Kato. Sie verweisen darauf, dass die Gewebe besonders widerstandsfähig sein und die Industriewäschetauglichkeit erfüllen sollten. „Das ist eine echte Herausforderung, die aber garantiert, dass die Produkte mehrere Jahre im Einsatz sein können. Diesen Aspekt im Fokus zu haben, unterscheidet uns dann auch von Modefirmen, die immer mal wieder Ausflüge in unsere Branche versuchen, aber die obigen Anforderungen unterschätzen.“ Was für Kaya & Kato aber nicht bedeuten soll, das Design zu vernachlässigen.
Das Unternehmen arbeitet seit seiner Gründung mit dem Designer Bernd Keller zusammen, ehemaliger Hugo-Boss- und Marc O’Polo-Manager. Unter dem Namen „Hero Collection“ wurde beispielsweise die Kleidung für Dorint entwickelt. Das Projekt begann mit einem Workshop, der die Wünsche der Mitarbeitenden zum Look and Feel klärte. Weiter ging es mit Musterpräsentationen und Tragetests. Einheitlich heißt auch bei Dorint nicht uniform – es gibt eine Vielzahl von Kombinationsmöglichkeiten aus der zeitlosen Farbwelt „White“, „Pergament“, „Coffee“, „Chambray“ und „Marine“.
Das Team kann zwischen unterschiedlich farbigen Chinos, T-Shirts, Jacken und Blazern wählen. Für Frauen kommt ein langes Kleid als Variante hinzu. Dorint-CEO Jörg T. Böckeler hat Nachhaltigkeit zur Chefsache gemacht und entschieden, das stringente Nachhaltigkeitskonzept der Gruppe auch auf die neue Workwear zu übertragen. Zum Einsatz kommt ein Mischgewebe aus Biobaumwolle und Polyester, bei dem für das Polyester recycelter Plastikmüll aus dem Meer verwendet wird, das sogenannte „Clean Ocean Konzept“.
Nachhaltigkeit bis hin zum „Closed Loop“
Der neue Style für 760 Mitarbeitende der vier Familux-Resorts in Deutschland und Österreich umfasst 32 unterschiedliche Bekleidungsteile. Der Pionier der Familienhotellerie arbeitete mit 360-Grad-Ausstatter Löwenwelten zusammen. Gemeinsam wurde auch ein „How-to-Dress-Guide“ kreiert, der die Möglichkeiten visualisiert. Die Farbpalette kombiniert Klassiker wie Nachtblau, Schiefergrau, Schwarz und Off-White mit dem markentypischen Signature-Violett und dezenten Lavendelabstufungen. Auch eine spezielle Pflegefibel wurde entwickelt, um die Lebensdauer der Kleidung zu verlängern.
Apropos Lebensdauer: Familux, Löwenwelten und das Forschungsinstitut für Textilveredlung und Ökologie an der Fachhochschule Niederrhein (FTB) haben ein Upcycling-Projekt gestartet. Es wird „erforscht“, ob und wie sich ausgediente Familux-Kleidung wieder in den Familux-Kreislauf zurückführen lässt, entweder in Form neuer Produkte auf Basis der vorhandenen Materialien wie Stoffen, Knöpfen und weiterer Elemente (Upcycling), oder durch komplettes Recycling. Ein Closed Loop ist das Nachhaltigkeits-Ziel.
Für jeden die richtige Größe ist eine Herausforderung
Keine Frage: Das Thema Teamkleidung ist anspruchsvoll. Auch deshalb, da Mitarbeitende unterschiedlichste Kleidungsgrößen haben und es stets Fluktuation gibt. Saat hat sich vor diesem Hintergrund etwas Besonderes einfallen lassen: „Wir entwickeln präzise abgestimmte, charaktervolle Unisex-Produktlinien auf Basis funktioneller Grundformen, die die Komplexität von Ausgaben und Verteilungen reduzieren und den operativen Ablauf für unsere Kunden deutlich erleichtern“, erklären Sajna Weber und Thorsten Bulander. Auch sie halten übrigens das Feedback der Mitarbeitenden zu Tragekomfort, Pflege und Alltagstauglichkeit für essenziell. „Es fließt in unsere finalen Anpassungen ein.“
Eine flexible Lösung sind last, but not least, Schürzen. Das Henriette Stadthotel Vienna arbeitet seit 2020 mit der Schürzenmanufaktur Gusswerk zusammen, die sich auf individuell und je nach Hotelbereich konfigurierbare Schürzen spezialisiert hat. Die Schürzen kommen in der Café-Bar & Aperitivo „Der schöne Ernst“, im Frühstücks-Service, in der Küche sowie im Housekeeping zum Einsatz. Die Schürzen im Housekeeping sind dabei bewusst etwas kürzer gehalten, um mehr Bewegungsfreiheit zu ermöglichen. „Sie haben zudem extra große Taschen für Schlüssel & Co. und tragen die Stickerei ‚Wohlfühlexperten‘. Das Gurtsystem – oben aus ganz weichem vegetabil gegerbtem Leder, unten aus Stoff – verbindet Komfort und einen edlen Look“, berichtet Theresa Deppisch vom Henriette Stadthotel Vienna.
Ein wichtiger Aspekt ist auch für sie das „durchdachte Nachhaltigkeitskonzept“, denn das Henriette Stadthotel Vienna arbeitet nach den Prinzipien der Gemeinwohl-Ökonomie sowie der Kreislaufwirtschaft. „Alle Komponenten der Produkte werden in Europa hergestellt, es gibt nur kurze Lieferketten – Stichwort CO2-Abdruck –, die Schürzen sind extrem langlebig, und es gibt einen Reparaturservice.“ Mit anderen Worten, so Kelly Häuseler und Theresa Deppisch: „Sie sind ein echter Gewinn für unsere Mitarbeitenden und für unser Erscheinungsbild.“
>> Der Beitrag ist in der Tophotel Ausgabe 12/2025 erschienen.
