Gemeinsam einen Blick in die Zukunft werfen – darum ging es beim Jahrestreffen des Planer- und Beraterverbands FCSI in Berlin. Die Mitgliederversammlung bestätigte Vorstand und Beiräte in ihren Ämtern.
„Eine verrückte Welt in einer verrückten Stadt” – unter diesem Motto traf sich der FCSI Deutschland-Österreich zur jährlichen Convention mit Mitgliederversammlung und Konferenz in Berlin. Diskutiert wurden Zukunftsthemen der Branche mit Fachleuten aus unterschiedlichsten Disziplinen. 140 Tagungsteilnehmer waren zugegen, darunter Mitglieder, Förderer und Freunde des Planer- und Beraterverbands.
Beim „FSCI Stammtisch – Special Edition Berlin” in Clärchens Ballhaus versammelten sich Experten rund um New Work, Gaming/E-Sports, Metaverse, Gastronomie und Markenstrategie auf der Bühne. In Keynotes, Interviews und Diskussionsrunden analysierten sie die Botschaften, die vor allem die junge Generation immer nachdrücklicher an die Hospitality sendet: Mehr Mensch, mehr Community, mehr Kommunikation und Nachhaltigkeit sind die Schlüssel für künftige Erfolge!
Blick in die Zukunft: Spielwiese Metaverse
„Die Menschen gehen dorthin, wo sie ihre Freunde treffen und es ein Gefühl der Gemeinschaft gibt”, erläuterte etwa Charles Neuner, Teil des Team Metaverse Technologies bei PwC, London, die vielen noch unbekannte Welt des Metaverse. „Die Art, wie man im Metaverse vielfältige Erfahrungen machen kann, fasziniert eine Community und die Bandbreite der Möglichkeiten ist im Metaverse einfach exponentiell größer als in der analogen Welt: eine endlose Spielwiese, auf der man unterschiedlichste Dinge mit anderen Menschen erleben kann, ohne den Schreibtisch zu verlassen.“ Diese Verschmelzung der Welten sei das eigentlich Spannende – auch für die Vermarktung von Produkten und Dienstleistungen, so Neuner weiter.
Charles Neuner, PwC, London:
"Die Menschen gehen dorthin, wo sie ihre Freunde treffen und es ein Gefühl der Gemeinschaft gibt."
Vom E-Sport-Storytelling lernen
Influencer-Marketing in der Gaming-Szene ist wiederum die Spielwiese von Henning Semrau, der mit seiner Berliner Agentur Instinct 3 Unternehmen diesbezüglich unterstützt. Im Talk mit New-Work-Expertin Nora Fleischhut berichtete er, wie das von ihm mitgegründete E-Sports-Team „Eintracht Spandau“ nicht nur mit sportlicher Leistung, sondern auch mit zielgruppengerechtem Storytelling eine wachsende Fan-Gemeinde analog und digital begeistert. „Bei E-Sports-Events füllen bis zu 70.000 junge Leute ein Stadion, die den Teams beim Counter Strike spielen zusehen”, nannte Semrau ein Beispiel für erfolgreiche Markenaktivierung in diesem Umfeld. „Unser Kunde DHL positioniert sich hier als internationaler Logistikpartner, indem Paketboten Codes für virtuell gekaufte Produkte an die Kunden ausliefern. Das ist mutig für ein eher konservatives Unternehmen, trifft den Nerv der Zielgruppe und wird mit viel positivem Feedback belohnt: die Community bedankt sich buchstäblich bei den Werbetreibenden dafür, dass sie über E-Sports aktiv sind. Wo gibt es das sonst?”
New-Work-Mindset stellt Mensch in den Mittelpunkt
Eine solche Begeisterung auch bei Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auszulösen, ist wiederum ein Herzensanliegen für Nora Fleischhut. Die Expertin für New Work und Design Thinking mahnte ein „neues Mindset” an, bei dem der Mensch und seine Bedürfnisse im Mittelpunkt stehen. „Arbeit ist heute für die wenigsten Menschen etwas, das sie wirklich erfüllt und ihnen Energie gibt. Wir müssen Arbeit neu denken, damit wir am Abend aufrechter und gestärkter nach Hause gehen als wir am Morgen gekommen sind.”
Nora Fleischhut, New-Work-Expertin:
"Arbeit ist heute für die wenigsten Menschen etwas, das sie wirklich erfüllt und ihnen Energie gibt."
In der abschließenden Panel-Diskussion waren sich alle drei Speaker einig, dass es darum gehe, Brücken zwischen den Welten zu bauen – durch mehr Austausch zwischen den Interessen –, Neugierde zu wecken und die Zukunft zu gestalten. Die Gastronomie sei der perfekte Ort, Menschen zusammenzubringen und großartige Erlebnisse zu ermöglichen.
Popkultur und Nachhaltigkeit in der Gastronomie
Der Unternehmergeist junger Berliner Gastro-Unternehmer stand im Fokus bei einer weiteren Panel-Diskussion. Jasmin Suchy führt mit dem veganen Zero-Waste-Konzept Frea eines der nachhaltigsten Restaurants in Deutschland, Vladislav Gachyn verließ das Drei-Sterne-Restaurant Aqua, um Berlins einzigartige Pommes- und Burgerbude Goldies zu eröffnen. Authentizität und Transparenz gehören für beide zu ihrem Erfolgsrezept: „Wenn du über etwas sprichst, musst du es auch leben, ohne klischeehaft zu sein“, unterstrich Suchy den Anspruch, der gerade für Nachhaltigkeitsthemen heute mehr denn je gilt. „Ich muss mich damit identifizieren, was ich tue. So kann ich die Message am besten transportieren.” Die Außendarstellung via Social Media sei heutzutage unverzichtbar, ganz im Gegensatz zu Außenwerbung am Geschäft: „Das ist nicht mehr notwendig, wenn sich die Botschaft über das was und wie wir es tun, über Netzwerke wie Instagram und YouTube verbreitet.”
Unverzichtbar für nachhaltigen Erfolg ist hingegen ein kompromissloser Qualitätsfokus, wie ihn Vladislav Gachyn formuliert: „Wir wollen schlechtes Essen gut machen!” Mit seinem Partner Kajo Hiesl ist er angetreten, seine Erfahrungen aus der Sterneküche auf einfache Gerichte zu übertragen. Das gelingt so gut, dass vor seinen derzeit drei Goldies-Imbissen regelmäßig 40 bis 60 Menschen Schlange stehen, um einen der berühmten „Smashburger” in den Händen zu halten. „Wir machen einfach jeden McDonald’s-Burger nach, nur in besser. Unser Ziel? Einen Fußabdruck in der Popkultur hinterlassen.”
Emotionalisierung funktioniert nur über Storytelling
Branding- und Kommunikationsexperte Max Schulz, Inhaber der Agentur Easton Hunter, ergänzte seine Erfahrungen als Schöpfer innovativer Barkonzepte und Storytelling-Events: „Es geht darum, Atmosphären zu schaffen, in denen sich Menschen wohlfühlen, um darin die passenden Produkte zu präsentieren. Jedes Produkt braucht eine wahrhafte Erzählung, die seine Grundwerte aufgreift und beim Konsumenten Gefühle auslöst. Emotionalisierung funktioniert nur über gute Geschichten.” Auch Bars arbeiteten zunehmend mit nachhaltigen Methoden, die bei Konzept-, Küchen- und Barplanung deshalb von Anfang an mitgedacht werden müssen, so der Experte.
Max Schulz, Agentur Easton Hunter:
"Jedes Produkt braucht eine wahrhafte Erzählung, die seine Grundwerte aufgreift und beim Konsumenten Gefühle auslöst."
Vorstand vollständig wiedergewählt
Die Mitgliederversammlung des Planer- und Beraterverbands bestätigte zudem die bisherigen Vorstände und Beiräte in ihren Ämtern. Frank Wagner bleibt Präsident, sein Vize ist Michael Neuner, die Kasse führt weiterhin Ruven Eichert. Unterstützt werden sie von den Beiräten Alexander Hofer (Marketing), Bettina von Massenbach (Presse & Öffentlichkeit), Pierre Nierhaus (New Business), Thomas Mertens (Digitales), Goetz Braake (Wissen & Bildung) und Christian Meissner als Ansprechpartner für die Professionellen Mitglieder. Die Interessen der Förderpartner vertreten auch in Zukunft Dietmar Krämer (Melitta) und Patrick Hoffmann (Meiko/Meiko Green). Als neuer Beirat wurde Jörg Holdenried für den Bereich Netzwerke & Verbände berufen.
Mehr Sichtbarkeit, jüngeres Erscheinungsbild
Zu den strategischen Zielen der Vorstands- und Beiratsarbeit für das Jahr 2024 zählen unter anderem die Weiterentwicklung und Vereinheitlichung der Mitgliederstruktur und die Gewinnung vor allem jüngerer Professionals für den Verband – was unter anderem durch eine neue Werbe- und Kommunikationskampagne sowie ein frischeres Erscheinungsbild erreicht werden soll. Der Ausbau der Kooperationen mit der Deutschen Hotelakademie sowie den Hotelfachschulen in Hamburg und Heidelberg soll ebenso vorangetrieben werden wie die Reichweite und der Stellenwert von FCSI-Formaten, darunter der wöchentliche Online-Freitagstalk, der FCSI Stammtisch und lokale Netzwerktreffen. Die Digitalisierung der Hospitality-Branche unterstützt der FCSI darüber hinaus maßgeblich als einer der Initiatoren des neuen HOOSY-Zertifikats für HoReCa-Unternehmen.
Frank Wagner, Präsident FCSI:
"Die wichtigste Botschaft der Konferenz ist, dass alles im Wandel ist, dass es immer weitergeht"
Um die zahlreichen verbandsinternen Projekte ging es während des Programmpunkts „KoKoKo-World Café“. Dabei wurden zehn Themen vorgestellt, zu denen sich die Teilnehmer in Arbeitsgruppen austauschen und ihre Ideen einbringen konnten. „Das World Café ist ein interaktives Format, das die Menschen in Prozesse einbezieht und eine lebendige Verbandsarbeit ermöglicht”, erläuterte Nora Fleischhut, die den FCSI seit zwei Jahren bei der Verbesserung von Kommunikation, Kollaboration und Kooperation (KoKoKo) begleitet. Diskutiert wurden unter anderem die Weiterentwicklung der verbandseigenen App, Beiträge zur Modernisierung der Ausbildung oder auch die Unterstützung von inklusiven Arbeitsplatzlösungen in der Hospitality-Industrie. „Es ist sehr viel Wertvolles zusammengekommen, das wir in die Vorstandsarbeit integrieren wollen, um den Verband stärker zu machen”, resümierte Initiator Goetz Braake.
Gastro-Highlights im Rahmenprogramm
Abgerundet wurde das Convention-Programm von Ausflügen in die Berliner Gastronomie, darunter die legendäre Bar Tausend und das Käfer Dachgartenrestaurant. Ein besonderes Highlight bildeten ein Frühstück im „Kaisersaal” des ehemaligen Esplanade-Hotels, heute Teil des Restaurants Frederick’s, und ein Besuch im Manifesto Market am Potsdamer Platz.
Das abschließende Fazit von FCSI-Präsident Frank Wagner lautete: „Die wichtigste Botschaft der Konferenz ist, dass alles im Wandel ist, dass es immer weitergeht und dass es für Essen und Trinken glücklicherweise immer noch keinen digitalen Ersatz gibt. Man muss dafür proakiv an Orte gehen und diese wollen wir als FCSI Deutschland-Österreich auch in Zukunft mitgestalten!” red/brg