Umfrage Sechs Einrichtungsexperten über Hotelinterior-Trends

Ahoi: Echte Pflanzen fahren auch an Bord des von Joi-Design eingerichteten Rheinkreuzfahrt-Schiffs A-Rosa Sena mit. © Christian Kretschmar für JOI-Design

Was sind die wichtigsten Interior-Design-Trends in der Hotellerie? Und welche Rolle spielt dabei das Thema Ressourcenschonung? Wir haben bei Einrichtungs-Experten mit Hospitality-Fokus nachgefragt.

Gunnar Ziefle, Zieflekoch, Waldachtal

"Die derzeit vorherrschenden Formen im Hoteldesign sind filigran und organisch. Hölzer in Kombination mit Pastellfarben sowie Lichtakzente bestimmen das Ambiente. Der Materialmix aus Holz und Metall, vorwiegend Bronze, setzt sich durch. Warme Farben, bereichert um peppige Akzente, sind tonangebend. Der Trend geht zu Uni-Farben. Die Nachhaltigkeit ist sowohl in- als auch extern ein großes Thema. Wir handeln in vielen Bereichen nach dem Kreislaufprinzip und nutzen Elemente der Natur. Zum Beispiel erzeugen wir einen Teil unseres Strombedarfs mit unserer Photovol­taikanlage.

Der Neubau zur Erweiterung unserer Firmenzentrale wird derzeit nach höchsten Ansprüchen für energetisches Bauen umgesetzt. Holzreste aus unserer Produktion sind für uns kein Abfallprodukt, sondern werden für den Betrieb unserer Hackschnitzelheizung genutzt, mit der wir den gesamten Wärmebedarf unseres Unternehmens decken. Außerdem legen wir großen Wert auf die Zusammenarbeit mit regionalen Lieferanten, wo immer dies möglich ist“.

Bild: Zieflekoch


Peter Joehnk, Joi Design, Hamburg

„Die wichtigste Entwicklung ist, dass Lobbys multifunktional werden – also gleichzeitig Bar, Café, Frühstücksbereich und Restaurant, Meetingraum, Private Lounge und Co-Working-Space sind. Das spart viele Räume, die früher einzeln angelegt waren. Ein Design-Trend im Detail sind echte Grünpflanzen, die der gesellschaftlichen Sehnsucht nach einem ökologischen Umfeld entgegenkommen. Außerdem: Selfservice und Automaten. Der Rezeptions-Tresen wird obsolet, und vielleicht auch der Barcounter, wenn Getränke aus dem Automaten kommen oder selbst gezapft werden.

In puncto Farben dominieren nach wie vor warme und helle Farbtöne aus dem Beige-/Grau-Bereich. Neuerdings wagt man sich auch an großflächige Farbigkeit heran wie Dunkelblau oder gedeckte Töne, die an die 70er-Jahre erinnern. Weiterhin dominieren Materialien wie Holz, Stein, Stahl, die teils sehr archaisch eingesetzt werden. Im Zusammenspiel mit den neuen Farben entsteht zudem der Trend zu matten farbigen Oberflächen, die dann eher wie Kunststoff anmuten.“

Bild: Christian Kretschmar für Joi-Design


Michaela Voss-Bergsieker, Hotelident, Lennestadt-Oedingen

„Trend ist, dass es keinen allgemeingültigen gibt. Die Philosophie des Hauses entscheidet immer über das Interior mit. Emotionen und Individualität werden großgeschrieben. Seit der Coronapandemie haben sich aber die Bedürfnisse der Gäste verändert. Das Zimmer ist ihr sicherer Rückzugsort. Komfort und Ambiente sind hier besonders wichtig. Die technische Ausstattung hat ebenfalls einen hohen Stellenwert bekommen. Ladestationen sowie Multifunktionsbildschirme mit Streaming-Möglichkeiten sollten Standard sein.

Bei Farben und Materialien geben erdige Nuancen in allen beigen und grauen Schattierungen den Ton an. Magenta setzt Akzente und lässt sich wunderbar mit den zuvor genannten Farben kombinieren. Ich nutze gern die gesamte Bandbreite von Hell bis Dunkel. Haptisch sind Velours- und Leinenstoffe angesagt, aber auch Rips und Cord. Das Thema Nachhaltigkeit hat für meine Kunden und mich eine hohe Priorität. Die Schonung von Umwelt und Natur fängt bereits bei der technischen Planung an, beispielsweise bei der Dämmung, Auswahl von Baumaterialien oder der Nutzung von grüner Energie. Andere gute Möglichkeiten sehe ich im Upcycling alter Möbel oder bei der Verwendung von recycelten beziehungsweise recyclingfähigen Materialien.“

Bild: Hotelident


Olaf Kitzig, Kitzig Design Studios, Lippstadt

„Der Gast wird noch stärker in den Fokus gerückt, indem das Design noch intensiver auf seine Bedürf­nisse ausgerichtet wird. Ein weiterer Trend – und alles andere als ein Widerspruch – sind Cosiness und gleichzeitig Klarheit in den Konzepten. Beides schließt nicht aus, dass es farbenfroh sein darf. Bei Materialien geht der Trend zum Mix haptisch unterschiedlicher Oberflächen.

Auch bei Farben lässt sich diese Kombinationsfreude beobachten: Warme Töne und klare Farbakzente gehen Hand in Hand. Intensive Töne sind sehr aktuell, wobei das Spektrum bis hin zu Neon reicht, das sich voraussichtlich aber erst in den nächsten ein, zwei Jahren richtig zeigen wird, immer sachlich kombiniert.

Die Nachhaltigkeit ist unumgänglich bei der Wahl der Materialien. Ein verantwortlicher Umgang mit Ressourcen, Cradle to Cradle, Langlebigkeit von Materialien, Recycling, Upcycling, Neuinterpretationen von Vorhandenem, all das und weit mehr gehört in diesen Kontext.“

Bild: Ydo Sol Images


Wolfgang Schaurecker, Voglauer Hotel Concept, Abtenau

„Es gibt derzeit zwei Strömungen. Zum einen werden die Einrichtungen schlichter, reduzierter und geradliniger. Der Anteil an Holz geht zurück, Metallkonstruktionen bei Schränken, Tischen und Wandelementen nehmen zu. Bei dekorativen Leuchten und Accessoires finden wir im Gegensatz dazu runde und geschwungene Formen. Der klassische Schreibtisch wird zunehmend kleiner oder durch multifunktionale Möbel ersetzt. Das neben der Nachhaltigkeit zentrale Thema Digitalisierung gewinnt auch für die Einrichtung immer mehr an Bedeutung. Zum anderen werden Einrichtungen wieder bunter. Es gibt mehr Abwechslung, mehr Verspieltheit, mehr Kontraste. Zu den neuen Trendfarben bei Stoffen zählen Digital Lavender, Brown Sand, Deep Green Lake oder Wellness Blue. Blau-, Rot- und Orangetöne dominieren, Grüntöne geraten im Vergleich zu den vergangenen Jahren in den Hintergrund.

Bei Möbeloberflächen ist in der Ferienhotellerie nach wie vor die Eiche prägend. Naturnahe Produkte und Materialien bis hin zu Begrünungen in den Räumen kommen immer häufiger zur Anwendung, vor allem dort, wo der Gast es fühlen kann.  Ein großes Thema ist die Nutzung recycelter beziehungsweise nachhaltig zertifizierter Materialien. Alle Möglichkeiten zum Einsparen von Energie haben hohe Priorität und sind vom Einrichter zu berücksichtigen.“

Bild: blocher partners / Patricia Parinejad


Pamela Baur, Baur Wohnfaszination, Höchenschwand

„Neben der Ausstattung von Neubauten besteht eine unserer Aufgaben darin, Bestandsobjekte zu renovieren. Dabei setzen wir uns zum Ziel, nicht einfach alles Alte durch Modernes zu ersetzen. Wir sehen uns die Historie des Hotels ganz genau an, wir lernen die Menschen dahinter kennen, tauchen in die Geschichte des jeweiligen Ortes ein. So entstehen Konzepte, die sowohl den Wunsch nach zeitgemäßen Einrichtungen als auch nach einer hervorragenden Passung zur jeweiligen Marke vereinen. Dieses Streben nach Individualität sehen wir vermehrt im Markt. Zudem nimmt in unruhigen Zeiten der Wunsch nach Geborgenheit vermehrt zu, ebenso wie die Rückbesinnung auf traditionelle Werte. Hier erkennen wir derzeit ein großes Bedürfnis.

Welche Farben und Materialien sind in diesem Jahr angesagt? Hier sehen wir, dass der Fokus immer noch ganz eindeutig auf Natürlichkeit ausgerichtet ist. Somit kommen wir auch direkt zum Thema Nachhaltigkeit: Seit 140 Jahren – unser Unternehmen wurde 1882 gegründet – spielen bei uns Echtholz-Designs eine zentrale Rolle. Die Langlebigkeit von Materialien ist uns dabei ein zentrales Anliegen.“