Mit viel Kreativität machen Hoteliers und Gastronomen zurzeit in den sozialen Netzwerken darauf aufmerksam, dass die Branche auch 2024 noch den reduzierten Steuersatz auf Speisen braucht.
Marcus Smola hat sich ans Klavier gesetzt. Der Chef von Best Western Hotels Central Europe hat ein Lied geschrieben - für den Erhalt von sieben Prozent Mehrwertsteuer auf Speisen in der Gastronomie.
Denn: Wie es mit der Mehrwertsteuer auf Speisen in der Gastronomie ab 2024 weitergeht, bleibt noch bis mindestens Mitte September offen. Vor der parlamentarischen Sommerpause hatten die Politiker in Berlin den reduzierten Mehrwertsteuersteuersatz von sieben Prozent noch nicht über dieses Jahr hinaus verlängert.
Vielen Hoteliers und Gastronomen machen aber die enorm gestiegenen Kosten für Energie und Lebensmittel zu schaffen.Um auf die schwierige Lage aufmerksam zu machen, haben einige Gastgeber in den sozialen Netzwerken kreative Aktionen gestartet.
Unterhaltsamer Song für 7 Prozent
Marcus Smola hat sein Lied zum Beispiel im sozialen Netzwerk Linkedin veröffentlicht. Darin spielt er Klavier und singt: "Unsere Branche ist doch wichtig für das Land. Gastlichkeit tut jedem gut, das ist bekannt. Darum liebe Politik, lasst die Menschen nicht zurück, Mehrwertsteuer bleibt gesenkt, reicht uns die Hand." Im Anschluss richtet sich Smola direkt an die Politik und sagt: "Lasst uns für die Menschen da sein, lasst uns die sieben Prozent."

Tophotel sagte Smola zur Entstehungsgeschichte des Videos: "Das war eine spontane Aktion." Er spiele seit seiner Kindheit Klavier, früher auch in einer Band. In seinem Büro gebe es deshalb auch ein Klavier. "Ich habe mich ans Klavier gesetzt und aus dem Bauch heraus getextet und gespielt", sagt er.
Schon zu Beginn der Corona-Pandemie hatte Smola mehrere Songs gemacht. Auch jetzt ist sein Lied wieder positiv und unterhaltsam - gerade wegen der aktuellen Herausforderungen der Branche, sagt er. "Mit dem Lied möchte ich anderen Gastgebern aus dem Herzen sprechen. Vielleicht tut es der Branche gut."
Die Reaktionen aus der Branche sind im Netz vor allem positiv. Von der Politik habe er bisher noch keine Reaktionen erhalten, sagt Smola. "Vielleicht passiert das ja noch. Ich würde mich sehr darüber freuen." Und fügt mit einem Augenzwinkern hinzu: "Und vielleicht darf ich irgendwann beim Bundeskanzler persönlich vorsingen."
>> Hier geht´s zum Video von Marcus Smola bei Linkedin
Noch mehr Initiativen laufen im Netz
Auch die Gastronomen Sascha Halweg und Kemal Üres singen für den Erhalt von sieben Prozent Mehrwertsteuer auf Speisen. Sie haben sogar ein Rap-Musikvideo produziert. Halweg schreibt dazu bei Linkedin: "Essengehen wird immer teuer, der Ertrag schrumpft dennoch. Wie also sollen wir jetzt noch weitere zwölf Prozent finanzieren. Das geht nur über weitere Preiserhöhungen für Hotels und Restaurants - und zwar eins zu eins um zwölf Prozent!"
Um den Forderungen für den Erhalt der 7 Prozent auf Speisen Nachdruck zu verleihen, hat der Dehoga Bundesverband mehrere Initiativen gestartet. Dazu gehören unter anderem auch kurze Videos, die im Netz zu sehen sind. Darin singen Hoteliers und Gastronomen natürlich nicht. Doch sie zeigen eindrücklich, warum sie die 7 Prozent auch im kommenden Jahr weiter brauchen. Zum Beispiel Gastgeber Thorben Schröder. Er sagt:
"Die Kassen sind leer. Das Geld ist aufgebraucht."
Thorben Schröder vom Landgasthof Westrich in Bedburg-Hau bei Kleve

Würde der Mehrwertsteuersatz ab 2024 wieder steigen, müsste der Koch vieles hinterfragen. "Macht es Sinn, sieben Tage die Woche geöffnet zu haben? Macht es Sinn, mittags geöffnet zu haben? Müssten wir das Speisenangebot einschränken?" Der Unternehmer befürchtet, er müsste vieles auf den Prüfstand stellen und überlegen, inwieweit sein Betrieb noch wirtschaftlich ist.
Wie geht es nach der Sommerpause des Bundestags weiter?
Aus dem Büro der Tourismuspolitischen Sprecherin der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag, Anja Karliczek, heißt es auf Nachfrage von Tophotel: In der zweiten September-Hälfte stehe die abschließende Beratung des CDU/CSU-Gesetzentwurfs zur Entfristung des ermäßigten Mehrwertsteuersatzes für die Gastronomie auf der Tagesordnung des Deutschen Bundestages. Dann werde es eine Plenardebatte geben - zur Beschlussempfehlung des Finanzausschusses.
Mit den Tourismuspolitischen Sprechern der Landtagsfraktionen der Union habe Anja Karliczek außerdem vereinbart, das Thema verstärkt auch über die Bundesländer und den Bundesrat sowie in die öffentliche Diskussion zu bringen.