Rheinland-Pfalz Gastronomie sieht Mehrwegpflicht mit gemischten Gefühlen

Seit 2023 gilt für die Gastro eine Mehrwegpflicht. © Pixabay/Alexas_Fotos

Seit Januar müssen Gastronomiebetriebe, die Essen zum Mitnehmen anbieten, neben Einweg- auch Mehrwegverpackungen zur Verfügung stellen. In Rheinland-Pfalz reagieren Gastgeber unterschiedlich auf die neue Regelung.

Seit Januar müssen Gastronomiebetriebe, die Essen zum Mitnehmen anbieten, neben Einweg- auch Mehrwegverpackungen zur Verfügung stellen. In Rheinland-Pfalz reagieren Gastgeber unterschiedlich auf die neue Regelung.

Beispiele aus der Praxis

In der "Kartoffel-Kiste" in Trier setzt man schon auf Mehrweg. "Wir haben bereits beides. Der Gast kann entscheiden, welche Verpackung er künftig wählt", berichtet Küchenchef Philippe Sachs. Bisher sei die Umstellung auf Mehrweg problemlos verlaufen. "Das ist sogar für die Kunden langfristig besser. Durch das Plastik bleibt die Qualität vom Essen länger gut und klebt nicht an der Pappe", betonte Sachs.

Auch das Café "Extrablatt" in Mainz hat sich mit wiederverwendbaren Behältern eingedeckt. "Wir haben uns ein großes Kontingent zugelegt", sagte Barchef Dominik Aderhold. Zuletzt sei die Nachfrage allerdings noch gering gewesen. Ganz ohne Einweg kann sich Aderhold das To-Go-Geschäft auch nicht vorstellen. "Ich glaube nicht, dass jede Bestellung in Mehrwegverpackungen mitgenommen wird. Das wäre ein Wunsch, aber ist im Moment noch unvorstellbar", sagte Aderhold.

Unvorstellbar ist die neue Regelung derzeit noch für die Gaststätte "Zur Linde" aus Ludwigshafen. "Wir haben große Schwierigkeiten", sagte Küchenchef Rainer Sebastian. Eigentlich wolle das Gasthaus ein Pfandsystem einführen, aber es fehle an den Behältnissen. "In unseren Großmärkten haben wir keine passenden Angebote, und auch mit den Verpackungsherstellern bekommen wir keine Termine", erklärte Sebastian. Kritisch sieht der Küchenchef auch die Rückgabe von dreckigem Mehrweggeschirr. "Wer sich so eine Vorgabe ausgedacht hat, der hat noch nie in der Gastronomie gearbeitet", sagte er.

Zusätzliche Belastung

Für viele Betriebe sei das Mehrwegangebot eine zusätzliche Belastung, findet Haumann. Die Pflicht komme außerdem zum falschen Zeitpunkt. Nach der Corona-Pandemie, der Flutkatastrophe sowie inmitten der Energiekrise sei diese Umstellung nur schwer zu bewältigen. "Unser Wunsch wäre gewesen das Anliegen um ein, zwei Jahre nach hinten zu verschieben", betonte der Dehoga-Landesvorsitzende.

>> Lesetipp: Hessen: Mehrwegpflicht wirft noch viele Fragen auf

Zudem müsste laut Haumann ein deutschlandweites Pfandsystem eingeführt werden. "Ich kann ja eine Verpackung aus Bad Kreuznach nicht in Mainz zurückgeben. Da lohnt es sich auch manchmal nicht, das Pfand zurückzuholen", sagte er. Das Pfandsystem begrüßte Haumann aber grundsätzlich. "Der Preis sollte mindestens bei dem Beschaffungspreis liegen. Also je nach Verpackungsgröße zwischen fünf und sieben Euro", erklärte der Vorsitzende. dpa