Zwei Hotels in einem Gebäude: So präsentiert sich der neue Marriott-Ableger am Münchner Ostbahnhof. Am 23. September wurde das Courtyard Inn eröffnet und am 1. Oktober schließlich das Residence Inn – Letzteres ist eine Europapremiere.
Aber auch »eins in zwei« trifft zu. Zum Beispiel ein Restaurant, das den Gästen beider Hotels zur Verfügung steht. Oder aber: ein General Manager, der für beide Hotels verantwortlich zeichnet. Eine solche Konstellation ist ungewöhnlich. Einmalig an dem 60-Millionen-Euro-Projekt ist aber das Residence Inn. Mit dem Münchner Haus führt Marriott nun seine insgesamt elfte Marke in Europa ein – eine Marke, die sich vor allem an Langzeitgäste richtet. Ein zweites Residence Inn soll in rund vier Monaten im schottischen Edinburgh eröffnet werden. Global gesehen hat, sich die Marke mit 617 Hotels in den USA, Kanada und Costa Rica längst etabliert. Bereits 1975 wurde das erste Haus im US-Bundesstaat Kansas eröffnet.
Tatsächlich entspricht das Residence Inn-Konzept dem Klischee von einem »typisch amerikanischen« Hotel: »Das Verhältnis zwischen den Angestellten und den Gästen soll offen und persönlich sein«, erzählt GM Kayhan Kilit und fährt fort: »Die Mitarbeiter besorgen Blumen, wenn die Frau des Gastes Geburtstag hat; sie erinnern ihn an seinen Zahnarzttermin und servieren ihm morgens seinen Kaffee ungefragt so, wie er ihn gern trinkt.« Doch warum nun Europa? Und weshalb ausgerechnet München? – Dazu Kilit: »Zahlreiche Konzernzentralen führender Unternehmen sind hier ansässig. Das hieraus resultierende Projekt- und Beratungsgeschäft mit einer entsprechend längeren Aufenthaltsdauer machte München für die Einführung von Residence Inn besonders attraktiv. Der hohe Freizeitwert und jährliche Event-Highlights wie das Oktoberfest generieren zusätzlich einen hohen Übernachtungsbedarf, speziell am Wochenende.« Auch der allgemeine Trend geht in Deutschland laut VDR-Geschäftsreisenanalyse 2011 hin zu Longstay. Demnach stieg die durchschnittliche Dauer der Businessreisen im Jahr 2010 auf 2,4 Tage. Jede fünfte Geschäftsreise betrug vier Tage oder länger – und gilt damit als Langzeitaufenthalt.
Auch mit der Standortwahl innerhalb Münchens erweist sich Marriott als up to date. Denn Haidhausen ist für die bayerische Hauptstadt etwa das, was Kreuzberg für Berlin ist: einst die verruchte und sozial eher schwache Gegend, heute Szeneviertel für Künstler und Nachtschwärmer mit unzähligen Cafés und Bars. In diesem angesagten Stadtteil stehen den Freizeit- und Geschäftsreisenden aus aller Welt nun allein im Residence Inn, das Teil einer Franchise-Kooperation der SV Group ist, insgesamt 125 Zimmer auf fünf Etagen zur Verfügung. 117 davon sind Studios. 225 Zimmer plus zwei Suiten kommen im Courtyard hinzu.
Einziges Problem, das München mit sich brachte: der Fachkräftemangel. »Da standen wir vor einigen Herausforderungen«, erzählt Kilit, der bereits das Pre-Opening geleitet hat. Vor allem für die Gastronomie erwiesen sich die vielen Biergärten als große Konkurrenz. Mittlerweile sind rund 70 Mitarbeiter in beiden Hotels angestellt. Fünf Positionen im Bereich Küche und Restauration sind noch offen.
Das Courtyard und das Residence Inn liegen direkt nebeneinander; sie haben zwar jeweils einen eigenen Eingang, doch der Übergang ist fließend. Auf den Fluren bemerkt der Gast nur am anders gemusterten Teppichboden, dass er soeben das Residence Inn betreten hat. Und vielleicht daran, dass auf einmal bunte und abstrakte Gemälde statt Schwarz-Weiß-Fotos mit Münchner Motiven an den Wänden hängen.
Das Residence Inn ist ganz darauf ausgelegt, dass sich die Gäste geborgen fühlen – wie zuhause. Für die Gestaltung der rund 30 Quadratmeter großen Studios zeichnet der renommierte Schweizer Architekt Claudio Carbone verantwortlich. Er achtete bei der Planung auf die Ausgewogenheit der einzelnen Bereiche. »Denn was macht der Gast überhaupt im Hotelzimmer?«, wirft Kilit die Frage auf – um sie gleich selbst zu beantworten: »Er schläft, isst und arbeitet.« Und dabei soll er sich wohlfühlen. Deshalb legte Carbone Wert auf helle, warme und sonnige Farben. Einen interessanten Kontrast zu diesem Farbenspiel erzielt er durch den dunklen Bodenbelag aus geräucherter Eiche. Die ebenfalls dunklen Schränke bieten viel Stauraum. Auch im Badezimmer gibt es genügend Ablagefläche; die begehbare Dusche ist ähnlich großzügig gestaltet und 35 der Zimmer verfügen über eine Badewanne. In der Kitchenette sind integriert: Spülmaschine, Kühlschrank und Mikrowelle. Außerdem stehen Töpfe, Geschirr, Besteck und einige Gewürze bereit. Dank eines Teekochers und einer Kaffeemaschine mit Pads, die regelmäßig aufgefüllt werden, muss der Gast für den Cappuccino zwischendurch oder den Afternoon-Tea nicht extra den Zimmerservice rufen.
Für diejenigen, die keine Zeit oder keine Lust zum Einkaufen haben, bietet das Residence Inn einen ganz besonderen Service: In jedem Zimmer liegt eine Einkaufsliste, auf die man einfach schreibt, was man aus dem Supermarkt haben möchte – und am Abend ist der Kühlschrank mit den gewünschten Lebensmitteln gefüllt – ohne Zusatzkosten. »Es wird spannend, ob wir alle Einkaufswünsche erfüllen können«, sagt Kilit mit einem Augenzwinkern. Müsli & Co. braucht der Gast nicht auf die Liste zu setzten, da ein kontinentales Frühstück in der Lobby des Courtyard im Zimmerpreis enthalten ist.
Der Schreibtisch mit ergonomischem Stuhl steht direkt vor dem bodentiefen Fenster. Das Schlafsofa im Wohnbereich lässt sich ausziehen, sodass der Longstay-Hotelgast auch Besuch empfangen kann. Bügeleisen und -brett sowie ein Gemeinschaftswaschraum mit Waschmaschine und Trockner machen die Hotelzimmer zum idealen Zuhause auf Zeit. Einige der Zimmer sind durch eine Tür direkt miteinander verbunden. »Das ist vor allem für arabische Gäste ideal, die oft mit ihren großen Familien kommen«, erwähnt Kilit neben den Businessreisenden die zweite große Longstay-Klientel.
Auch in der Lobby des Residence Inn dominieren helle, frische, erdige Farben und ein Mix aus Gemütlichkeit, Modernität und Eleganz. Von hier aus muss man – anders als in den fünf Zimmer-Etagen darüber – durch eine Tür gehen, um in das »Wohnzimmer« des Courtyard zu gelangen. Dazu gehören ein gut ausgestatteter Arbeitsbereich, die Shoppingarea »The Market – 24 / 7 Grab’n Go« und eine Lounge. Hier befindet sich auch das einzige F&B-Outlet des Gebäudekomplexes: Das »Max – Restaurant, Bar & Lounge« mit 146 Sitzplätzen und saisonaler Küchenausrichtung steht nicht nur Hotelgästen, sondern ebenso externen Besuchern offen. Das Gleiche gilt für die sechs Tagungsräume mit insgesamt 573 Quadratmetern Fläche, die über ein Foyer miteinander verbunden sind. Hinzu kommt ein 230 Quadratmeter großer Ballsaal, der in drei Räume unterteilt werden kann und Platz für bis zu 270 Personen bietet. Ein überaus repräsentativer Boardroom mit Highspeed-Internetzugang, 50-Zoll-LCD-Bildschirm sowie EU-, USA- und CH-Stromanschlüssen eignet sich für multimediale Meetings.
Auch die Zimmer des Courtyard sind ganz auf die Bedürfnisse von Geschäftsreisenden ausgelegt: Ein großer Schreibtisch, Highspeed-WLAN, Safe, Flachbild-TV, kostenfreier Tee/ Kaffee und Services wie Kleiderreinigung machen den Aufenthalt besonders angenehm. Ein Fitnessraum und 261 Park-hausstellplätze runden das Angebot ab; beides wird auch von den Residence Inn-Gästen genutzt.