Zleep Hotels-CEO Haaber im Interview "Wir sind keine Anfänger mehr, aber wir sind noch jung und hungrig!"

Freut sich auf das erste Haus in Spanien und den Schritt in einen neuen Markt: Peter Haaber, Gründer und CEO der Zleep Hotels. (Bild: Bilder: Marcel Schwickerath, isochrom Wien)

Mit dem Vertrag für das erste Zleep Hotel in Spanien positioniert die Deutsche Hospitality ihre Economy-Marke Zleep erstmals außerhalb Skandinaviens: Ende 2021 soll das Zleep Madrid Airport eröffnen. 2022 das erste Zleep in Deutschland am Hamburg Altonaer Volkspark. Weitere Standorte hierzulande sowie in Mittel- und Osteuropa sind in Planung. Wir sprachen mit Peter Haaber, Gründer und CEO der Zleep Hotels, über sein Erfolgsrezept.

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Sie haben 2003 die Zleep Hotels ­gelauncht – was war die Ursprungsidee?

Was erwarte ich von einem Hotel? Ich will ein gutes Bett. Ich will ein gutes Frühstück, und zwar morgens um drei, wenn um vier mein Flugzeug geht, und ebenso auch um elf Uhr, wenn ich ausschlafen will. Ich will nicht viel für mein Zimmer bezahlen, dennoch will ich den bestmöglichen Kaffee und ein kostenloses schnelles WLAN. Das wollte ich von Anfang an mit Zleep: Hotels, auf das Wesentliche reduziert und trotzdem mit Stil und Verstand. Damals wie heute glaube ich daran, dass wir mit diesem Konzept beinahe überall erfolgreich sein können.

“Das klare ­Markenkonzept ist eine hervorragende ­Voraussetzung für das ­internationale Wachstum.“

Peter Haaber

Bis zur Übernahme durch die Deutsche Hospitality haben Sie es ohne Konzern im Hintergrund geschafft, eine Hotelkette mit bis dahin zehn Hotels in Dänemark und einem Haus in Schweden aufzubauen. Was war oder ist Ihr Erfolgsgeheimnis?

Wir waren immer ein gutes Team und überzeugt von unserem Produkt. Bis 2010 haben wir mit mehreren Geschäftsmodellen gearbeitet, aber vorwiegend mit Leasings, Managementverträgen und einigen Investitionen in Hoteleigentum. So ist es uns gelungen, unsere Marke an unterschiedlichen Zielorten zu lancieren. Als 2009 die Finanzkrise ausbrach, waren unsere Wachstumschancen beschränkt. Aber wir waren während der gesamten Krise in der Lage, unsere Verträge und Vereinbarungen einzuhalten und unser Portfolio zu verbessern. Ab 2014 konnten wir dann unsere Entwicklung mit der Übernahme und Renovierung von Hotels in Aarhus und Kastrup und weiteren Renovierungsprojekten, Hoteleröffnungen und der ersten Franchise-Vereinbarung von Zleep in Dänemark fortsetzen und die Markenidentität optimieren.

In Hamburg wird das erste deutsche Hotel der Marke Zleep an den Start gehen.

Warum dann doch vor etwa einem Jahr der Schritt „in“ einen Konzern?

Wie schon gesagt hatten wir seit unserer Gründung das Ziel, mit der Marke auch außerhalb Dänemarks Fuß zu fassen. Die Eingliederung in ein internationales Markenportfolio ermöglicht es Zleep Hotels, diese Schritte zu gehen. Wichtiger als die Expansion war aber, dass wir uns mit einem Partner zusammentun, der unsere Philosophie versteht und nach den gleichen Werten handelt. Wir wollen uns ja gemeinsam weiterentwickeln, und dies geht nur durch Vertrauen und Respekt.

Was sind die wichtigsten Learnings nach dem ersten Jahr der Zusammenarbeit?

Wir hätten nicht so höflich zueinander sein sollen am Anfang (lacht). Im Ernst, die ersten Monate der Zusammenarbeit waren viel von Rücksichtnahme geprägt. Als dann relativ rasch die ersten internationalen Projekte auf den Tisch kamen, wurde schnell klar, dass wir uns schonungslos in die Augen schauen mussten. Einiges, was Zleep in Skandinavien macht, funktioniert nicht international. Andere internationale Spielregeln funktionieren wiederum nicht bei uns. Nachdem wir das geklärt hatten, fühlten wir uns als Teil einer Markenfamilie.

Haben Sie konkrete Beispiele?

Ich meine damit beispielsweise Standards wie Buchungssysteme, internationales Revenue Management oder Controlling. Die Learnings in diesen Bereichen sind ganz wichtige Faktoren für die Expansion der Marke Zleep.

Wie ist die internationale Expansion innerhalb des Konzerns organisiert?

Die Rollenaufteilung ist klar: Robert Boller verantwortet die internationale Expansion außerhalb Skandinaviens und ich konzentriere mich auf den nordischen Markt. Wir bilden sozusagen ein Tandem. Unsere Stärke ist, dass wir gut und viel miteinander kommunizieren.

“Wir sind keine Anfänger mehr, aber wir sind noch jung und hungrig.“

Peter Haaber

Was kann die Deutsche Hospitality von Zleep lernen?

Die Deutsche Hospitality hat einen sehr offenen Blick und einen proaktiven Ansatz, Veränderungen voranzutreiben. Sie ist international aufgestellt und kennt den Wert einer konsequenten Markenstrategie. Das hilft Zleep unheimlich, in der Markenfamilie zu wachsen, ohne die eigene Identität zu verlieren. Zleep wiederum hilft, die Deutsche Hospitality immer wieder zu erden, das eigene Produkt infrage zu stellen: Was braucht der Gast wirklich? Ist überall Perfektionismus notwendig oder vielleicht doch hier und dort eine pragmatischere Lösung? Lernen können wir täglich voneinander. Denn wir wissen, dass sich die Erwartungen unserer Kunden verändern und wir einen Schritt voraus sein müssen. Markenübergreifend Kundenerwartungen zu reflektieren ist einer der Schlüssel für unseren gemeinsamen Erfolg.

Wo gibt es in der Zusammenarbeit Chancen, wo Herausforderungen?

Die Chancen liegen auf der Hand. Preislich gesehen ist Zleep Hotels quasi das Einstiegs-Produkt in die Markenwelt der Deutschen Hospitality. Aber die Leute reisen ja auch in unterschiedlichen Kontexten. Derselbe Business-Gast, der auf Geschäftsreise unter der Woche in einem Steigenberger-Hotel absteigt, wählt beim Besuch des Pop-Konzerts mit den Kindern am Wochenende vielleicht ein Zleep oder Intercityhotel. Ein starkes Netzwerk bietet immer Chancen. Die Herausforderung ist sicher, dass hier das Know-how von Grand Hotellerie auf Start-up-Spirit trifft. Verständnis und Geduld sind also gefragte Tugenden auf beiden Seiten.

Wo zwischen Start-up und Konzern würden Sie die Zleep-Organisation heute einordnen?

Sagen wir mal so: Wir haben 2003 ein Fahrrad gebaut, sind aufgestiegen und losgeradelt. Mittlerweile sind wir sehr gut in Form, haben unsere Strategie verinnerlicht und kennen unser Material in- und auswendig. Wir fahren zunehmend bei internationalen Rennen mit. Wir sind keine Anfänger mehr, aber wir sind noch jung und hungrig. Das ist aus meiner Sicht eine gute Basis.

Wie schaffen Sie es, den Zleep-Markenkern trotz der Wachstumsziele zu erhalten?

Die Marke steht über allem. Wir sind ein junges und dynamisches Team und wissen, welche Prinzipien unseren Erfolg begründet haben, und wo wir uns weiterentwickeln wollen, um den Wettbewerbern in unserem Segment voraus zu sein. Die Wachstumsziele und der Zleep-Markenkern stehen in überhaupt keinem Widerspruch. Im Gegenteil: Gerade das klare Markenkonzept ist eine hervorragende Voraussetzung für das internationale Wachstum.
Interview: Nina Fiolka

Das gesamte Interview mit Peter Haaber, Gründer und CEO der Zleep Hotels, lesen Sie in der Januar/Februar-Ausgabe von Tophotel. Weitere Informationen finden Sie hier.

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