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Start Brands News Wolfgang Krüger im Porträt: Von Instantnudeln & Wolkenkratzern

Wolfgang Krüger im PorträtVon Instantnudeln & Wolkenkratzern


 

Am Fenster in Hongkong

 

Ende 2004 wurde er Generaldirektor in Taipeh, danach Verantwortlicher für einen Neubau in Tokio. Ab 2012 besetzte er in Hongkong die Posten des Generaldirektors im Kowloon Shangri-La und im Island Shangri-La und trug die Gesamtverantwortung für alle Häuser der Regionen Japan, Taiwan und Hongkong. 2014 bekam er das Angebot, in die Konzernleitung zu wechseln. Er akzeptierte und ist seitdem Executive Vice President.

Fast 9.000 Kilometer Luftlinie trennen ihn hier von seinem Elternhaus, 57 Stockwerke von der Hotelküche. Er betrachtet seine Handflächen und versucht, die Zutaten seines Erfolgs zu benennen.

Gesunde Instinkte: »Geradlinigkeit. Ich habe im Beruf immer ehrlich gesagt, was ich für richtig und falsch halte.«  

Teamplay: »Ich habe mich darum gekümmert, in einem menschlich angenehmen Umfeld zu arbeiten. Und darum, dass mein Team erfolgreich ist.«

Interesse am Kulturkreis: »Wenn man sich interessiert, öffnen sich die Leute. In Malaysia habe ich den Koran gelesen, in Taiwan Mandarin gelernt.«  

Bezug zur Basis: »Im Hotelrestaurant esse ich nur bei Geschäftsterminen, sonst immer in der Kantine mit den Mitarbeitern.«

Leidenschaft und Fleiß: »Ich habe hart und konsequent gearbeitet, aber immer mit Lust und Freude.«

Und stets ein Ziel klar vor Augen.

Doch nicht immer war der Himmel so wolkenfrei wie an diesem Tag. Er denkt an den 11. März 2011, als er sich mit der größten Krise seines Berufslebens konfrontiert sah. Tokio, 14:46 Uhr: Die Erde bebte. In hohem Sprechtempo berichtet er: »Ich habe gedacht: Das war’s. Die ganze Stadt hat gewackelt.« Hotelevakuierung. Stromausfall. Menschen im Schockzustand. Als die Erde wieder stillstand, leitete er weitere Schritte des Krisenmanagements ein. »Ich war im 28. Stock und sah einen riesigen Feuerball am Himmel, eine Explosion.« Jetzt begriff er das Ausmaß des Bebens, blieb ruhig und rief seinen Chefeinkäufer an. »Ito San, ich möchte, dass Du so viel Toilettenpapier und Wasser kaufst wie es geht.« Wasser, klar. Aber Toilettenpapier? Seine Antwort kam schnell. »Auf die Toilette zu gehen – ohne Papier – ist unangenehm.« Dem Beben folgte ein Tsunami, der die Reaktorkatastrophe in Fukushima auslöste. Die Folgen waren zu diesem Zeitpunkt ungewiss, das Hotel ausgebucht. »Alle haben zusammengehalten.« Drei Nächte schlief Wolfgang Krüger aus Sorge vor Nachbeben in seinem Büro. Und das viele Toilettenpapier? Er lacht und nickt. »Das haben wir gebraucht.«

Die Definition von Luxus

Sechs Monate nach der Katastrophe wechselte er nach Hongkong. Die Erinnerung bleibt. »Eine prägende Zeit.« Die Krise gemeistert. Und Niederlagen? »Ja. Eine Beziehung zu führen, wenn man so fixiert ist auf den Beruf, ist schwer.« 1994 heiratete er eine Skandinavierin. Sie zog mit ihm durch Asien, von Hotel zu Hotel. 2006 beendeten sie die Ehe – ohne Streit, aber mit der Enttäuschung, gescheitert zu sein. »Da habe ich versagt.« Schnell löst sich sein ernster Ausdruck wieder. Seit der Kochlehre hat er an seinem beruflichen Weg nie gezweifelt. Mittlerweile fördert er junge Talente und auf den Philippinen finanziert er den Lebensunterhalt von fünf Schulkindern. »Oben angekommen« – umgeben von Luxus – spürt er stets den Boden unter seinen Füßen. »Luxusempfinden ist sehr subjektiv. Die meisten Europäer wünschen sich eine Kaffeemaschine im Zimmer, viele Asiaten eine Packung Instantnudeln.« Die Wünsche des Gastes zu erkennen und mit Selbstverständlichkeit zu erfüllen – seine Devise. »Zeit für mich selbst, Reisen, Zeit mit Freunden – das ist für mich Luxus. Ansonsten hab’ ich’s auch gern einfach.« Das Weihnachtsfest wird Wolfgang Krüger mit seiner Mutter und den Geschwistern in Flensburg verbringen. Die Einkaufsliste für das diesjährige Menü hat er seiner Mutter schon mitgeteilt: Würstchen und Kartoffelsalat. Luxus.

 

Shangri-La InternatioNAl Hotel Management Ltd
28/F Kerry Centre, 683 King‘s Road
Quarry Bay, Hong Kong
www.shangri-la.com
Ausgangspunkt: Eröffnung des ersten Shangri-La Hotels in Singapur im Jahr 1971
Aktuelles Portfolio: 100 Luxushotels und Resorts in 27 Ländern

 

Katharina Pütter
Top hotel-Autorin
redaktion@tophotel.de

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