Insights Wohin steuert Frankfurts Hotelmarkt?

Branchenvertreter trafen sich zur Hoteltour von Inner Circle Hospitality in Frankfurt, um über Ratenentwicklung, Neueröffnungen und das Image der Stadt zu sprechen. Ein Stopp war das Meliá Frankfurt.
Branchenvertreter trafen sich zur Hoteltour von Inner Circle Hospitality in Frankfurt, um über Ratenentwicklung, Neueröffnungen und das Image der Stadt zu sprechen. Ein Stopp war das Meliá Frankfurt. © Inner Circle Hospitality/Thomas Fedra

Meliá, Kimpton, Kennedy 89, The Florentin – und bald Taj, Atlantic und Roomers: Frankfurt erlebt einen Wandel seiner Hotellandschaft. Die Herausforderungen bleiben jedoch.

Das Image Frankfurts in der Öffentlichkeit hat Luft nach oben. Davon ist Eduard Singer, Leiter der Stabsstelle Stadtmarketing Frankfurt, überzeugt. Dabei habe die im Kern 800.000 Einwohner zählende Stadt viel zu bieten. Als Gateway Europas, Finanzmetropole, Messestadt, Lufthansa-Hauptsitz und Kulturstadt mit mehr als 60 Museen und einem berühmten Opernhaus ziehe Frankfurt bereits heute eine stattliche Zahl an Touristen an.

Der Umsatz des Tourismus betrage jährlich rund fünf Milliarden Euro und spüle der Stadt 100 Millionen Euro Steuereinnahmen in die Kasse. Weitere Gäste erwartet Singer durch die Eröffnung des Flughafen-Terminals 3. Bisher zähle der Airport 63,2 Millionen Passagiere jährlich, künftig würden 90 bis 100 Millionen erwartet. Frankfurt biete aktuell 279 Hotelbetriebe mit rund 65.000 Betten. Internationale Hotelgäste gäben dabei durchschnittlich 224 Euro pro Tag aus.

Taj macht’s spannend

Durch die in jüngerer Zeit erfolgten Neu- beziehungsweise Wiedereröffnungen des The Florentin, des Kimpton by IHG, des Kennedy 89 sowie der anstehenden Eröffnungen des Taj Hotels Hessischer Hof und des Atlantic Hotels erhofft sich die Branche die Durchsetzung höherer Raten. Sie waren – ebenso wie die Belegung – ein Top-Thema während einer von Inner Circle Hospitality organisierten Tour durch die Frankfurter Hotellandschaft.

Zu Beginn der Veranstaltung erläuterte Peter Reischl, General Manager des Frankfurt Marriott Hotels und Vorstand der Frankfurt Hotel Alliance, die aktuelle Renovierungsphase seines Hotels und stellte Musterzimmer vor. „Wir freuen uns sehr, dass wir mit dem Taj Hotel einen Nachbarn bekommen, der die Preise nach oben zieht“, sagte Reischl. Anschließend stellte sein Kollege Albert Mayr, General Manager des Taj Hotels, die ersten Originalfotos seines Hauses vor, dessen Eröffnung mit Spannung erwartet wird. „Es ist wie bei einem Marathon, die letzten fünf Kilometer sind die schwersten“, so Mayr zur Eröffnungsverzögerung.

Neben 126 in zeitlosem Luxus gestalteten Zimmern in acht Kategorien wird das Frankfurter Taj Hotel mit der „Brasserie Bombay“, „Jimmy's Bar“ und einer Lobby-Lounge-Bar drei F&B-Outlets sowie einen Wellnessbereich umfassen. Ein weiteres Highlight wird der The Chambers Club, ein Hotel im Hotel, das Taj weltweit in seinen Häusern integriert.

Weiterer Stopp der Tour war das 2021 eröffnete Meliá Frankfurt, der – so General Manager Bastian Becker – ersten Hotelwohnturm Deutschlands. Das 432-Zimmer-Hotel punktet mit einer Executive Lounge sowie Skybar und Restaurant „Oben“ mit Terrasse im 15. Stockwerk mit weitem Ausblick. Beeindruckend ist dort auch die Tagungs- und Veranstaltungsfläche von 1.400 Quadratmetern. Das im Bauhaus-Stil gehaltene 155-Zimmer-Hotel The Kimpton am neu angelegten Four Quartiersplatz stellte Sales & Marketing Direktor Patrick Jones vor. Eine Attraktion des Boutique- und Lifestyle-Hauses ist die Brasserie „Anni“, deren Stil von traditionellen europäischen Grand Cafés und Bistros sowie von klassischen italienischen Restaurants in New York inspiriert wurde. Im fünften Stock bietet das Restaurant & Bar „Lazuli“ mit seinem maritimen Design-Konzept einen Blick auf die Frankfurter Skyline. Die leuchtend blaue Bar in einem besonderen Lapislazuli-Ton war dabei Namensgeber des Dining- und Barkonzepts.

Frischer Wind in Sachsenhausen

Auf der anderen Seite des Mains, im Stadtteil Sachsenhausen, präsentierte sich das vor drei Monaten eröffnete Kennedy 89 – The Unbound Collection by Hyatt. Diese Immobilie war zunächst als Service-Apartment-Konzept entwickelt worden, daher bieten die 180 Zimmer alle einen Balkon und eine Kitchenette. Vor allem die Waschmaschinen würden dort erstaunlicherweise häufiger genutzt als die Küchen, erklärte General Manager Jan-Hendrik Meidinger. Das „Eighty Nine Restaurant & Bar“ im Erdgeschoss vereint levantinische Küche mit Frankfurter Akzenten. Im ersten Stock können die Gäste in der „Kasa Lounge & Bar“ entspannen. „Was wir im Hotel nicht haben, ist Platz“, bedauerte Meidinger. Aber im Juli soll „Jack's Rooftop Bar“ mit Skyline-Blick eröffnen. Das Hotel sei sehr gut angelaufen, was auch dem besonderen Team zuzuschreiben sei.

Einen echten Kontrast zum Kennedy 89 stellt das gegenüber gelegene The Florentin dar, dessen neues Design vom Kolonialstil inspiriert ist und dessen Kernstück die historische Villa Kennedy aus dem Jahr 1902 bildet. Die Rezeption wurde aus der Villa in einen anderen Gebäudetrakt verlegt, die Villa soll nun vor allem für gesellschaftliche Ereignisse genutzt werden. Das Ende 2025 wiedereröffnete Hotel versteht sich heute als Urban Retreat und bietet 147 Zimmer und Suiten. Der sich direkt an die Villa anschließende Gebäudetrakt wurde bis auf die Grundmauern entkernt. Dort liegen die „Florentin Bar“, das Destination-Restaurant „The Dune“, das All-Day-Dining-Restaurant „The Garden“, eine Bibliothek, ein Ballsaal für bis zu 130 Personen sowie mehrere Empfangsräume. Herzstück des Hauses ist der begrünte Innenhof. Beeindruckend auch der Spa-Bereich mit fünf Behandlungsräumen, großem Indoorpool, Saunen sowie Spa-Garten.

Genügend Bewerbungen, aber andere Hürden

Doch damit nicht genug: Noch in diesem Jahr sollen mit dem Atlantic Hotel – die Eröffnung ist im dritten Quartal geplant –, vertreten durch General Manager Manuel Slapnik, und dem durch General Manager Friedrich von Schönfeld repräsentierten Roomers Park View – a Luxury Collection Hotel (Eröffnung geplant Q4/26) zwei weitere Hotels in der Stadt an den Start gehen. Zudem gesellte sich Kevin Nattermann, General Manager des Le Méridien in Frankfurt, zu der Runde.

Ihren Abschluss bildete eine Diskussion zu den Herausforderungen und Chancen Frankfurts. Auch hier wurde klar, dass eine Ratenerhöhung sowie die Verbesserung des Stadt-Images für die Hotellerie bitter nötig sind. Nattermann kritisierte dabei die mediale Berichterstattung über das Bahnhofsviertel mit seiner Drogen- und Prostitutionsproblematik, die in anderen Städten vergleichbar sei, aber längst nicht so thematisiert werde. Und Eduard Singer vom Stadtmarketing bemängelte die fehlende Loyalität der Frankfurter gegenüber ihrer Stadt.

Der Fachkräftemangel hat sich indessen auch in Frankfurt abgeschwächt. Allerdings, so Albert Mayr, habe man für das Taj Hotel sehr viele Bewerbungen aus dem Ausland erhalten, für die es nach wie vor sehr schwierig und langwierig sei, an entsprechende Visa zu gelangen. Auch das Team des Atlantic steht bereits. Entspannt wird die Personalsuche derzeit auch durch Bewerbungen Branchenfremder, beispielsweise aus der Automobilindustrie, oder aus den derzeit ziemlich verwaisten Hotels des Mittleren Ostens, wie Recruitment Consultant Matthias Wirth von Konen & Lorenzen betonte. Jedoch passten hier die Gehaltsvorstellungen oft nicht.

Über Inner Circle Hospitality

Ziel des von Innenarchitekt Peter Joehnk, ID Developers und Co-Founder von Joi-Design, sowie dem Journalisten Rolf Westermann gegründeten Formats ist es, exklusive und tiefgründige Veranstaltungen für die Gastwelt zu bieten. Geplant sind bis zu vier Veranstaltungen im Jahr, meist im kleineren Kreis, gelegentlich in einem so großen wie in Frankfurt, der rund 40 Teilnehmende zählte.