Klima-Aktivisten und Luxushotels Wie Hoteliers auf Aktionen der letzten Generation reagieren

Klima-Aktivist bei Protest auf einer Straße (Symbolbild) © Kara-stock.adobe.com

Nach Aktionen von Klima-Aktivisten der "letzten Generation" in Luxushotels in Berlin und Sylt versuchen die betroffenen Hoteliers so gut wie möglich mit den Zwischenfällen umzugehen.

Zuletzt hatte sich am Mittwochabend eine Gruppe von Klima-Aktivisten vor dem Eingang des Hotels The Ritz-Carlton in Berlin versammelt, sich zum Protest dorthin gesetzt und den Eingang blockiert. Das Hotelteam habe freundlich reagiert, sagte eine Pressesprecherin. Die Mitarbeiter hätten den Aktivisten sogar Erfrischungsgetränke gereicht. General Manager Torsten Richter habe das Gespräch mit der Presse und den Aktivisten gesucht.

Der Hotelchef sagte Tophotel: „Ich finde es richtig und wichtig, dass wir in Deutschland gefahrenlos auf die Straße gehen dürfen, um unsere Meinung zu äußern. Das ist ein Recht und großes Privileg. Solange es friedlich abläuft, niemand zu Schaden kommt und kein Eigentum zerstört wird, unterstütze ich Demonstrationen.“

Hotelier lädt Aktivisten zu Gesprächen ein

Weil die Themen Klima und Nachhaltigkeit auch ein zentrales Element des Arbeitsalltags seines Hotels seien, habe Richter Vertreter der "letzten Generation" zu einer Mitarbeitenden-Versammlung im Juli eingeladen. Dort könnten sie Ihren Standpunkt mitteilen.

Die Demonstration der Klimaaktivisten vor dem Hotel sei friedlich verlaufen. Die Gäste des Hotels hätten auf die Protestaktion entspannt und verständnisvoll reagiert. Zum Thema Sicherheit sagte Richter: „Wir haben ein sehr gut aufgestelltes Security-Team, welches 24 Stunden sieben Tage die Woche im Hotel ist.“

Bar im Miramar wird gereinigt – beschmierte Flaschen sollen für guten Zweck versteigert werden

Am vergangenen Donnerstag hatten Klima-Aktivisten in dem Fünfsterne-Hotel Miramar auf Sylt in der Lobby und der Bar die Wände und Möbel mit Farbe besprüht. Die Polizei nahm die Aktivisten fest. Auf Instagram veröffentlichte das Hotel Fotos und schrieb dazu: „Wir sind zutiefst erschüttert und traurig, über das was gerade geschehen ist. Jahrelange Tradition, Erinnerungen und die harte und ehrliche Arbeit mehrerer Generationen wurde durch einen Akt von Vandalismus zerstört. Wir sind sprachlos.“ Inzwischen werde die Bar des Hotels gereinigt. Mitarbeiter haben eine provisorische Bar aufgebaut – und zeigen das in einem Videopost in dem sozialen Netzwerk. Dort gibt es nach dem Zwischenfall viele Sympathien für das Hotel – und die Idee, die besprühten Flaschen aus der Bar für einen guten Zweck zu versteigern.

Im Blick von Klima-Aktivisten hat offenbar in den vergangenen Tagen auch der Lanserhof auf Sylt gestanden. Unbekannte hatten sich laut Hotelmitarbeitern vor dem Gesundheitsresort aufgehalten und Fotos gemacht. Der Sicherheitsdienst habe daraufhin die Polizei gerufen. Diese habe die Unbekannten jedoch nicht mehr ermitteln können, so das Hamburger Abendblatt. Geschäftsführer Christian Harisch sagte der Tageszeitung, dass er Verständnis für friedliche Klimaproteste habe. Es gäbe aber auch Grenzen: „Das ist ihr gutes Recht und auch wichtig. Es darf aber nicht dazu führen, dass Menschenleben und Menschenrechte gefährdet und nicht respektiert werden.“

Die Sicherheit im Hotel werde er trotz der Aktionen nicht erhöhen, so Harisch: „Sylt ist eine wunderbare und sichere Insel, wie kaum eine andere Destination. Vielmehr wollen wir friedliche Aktionen für den Klimaschutz unterstützen und selbst alles tun, um die Natur und damit auch das Klima zu schützen."

Weitere Hotels wie das Budersand wollten sich auf Nachfrage von Tophotel lieber nicht zu den Aktionen der Klima-Aktivisten vor oder in Hotels äußern.

Inzwischen gibt es auch vom Dehoga Bundesverband ein offizielles Statement. Stefan Dinnendahl, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Hotelverbandes Deutschland (IHA): „Der Zweck heiligt nicht alle Mittel. Auf der Suche nach der nächsten medialen Steigerung, verrennt sich die letzte Generation immer mehr in Straftaten. Weder die Gefährdung von Menschen noch Beschädigung fremden Eigentums oder Kulturschätze sind tolerierbar. Im Gegenteil, sie schaden der zugrundeliegenden Idee.“

Tipps zu Versicherung und Sicherheit

Dinnendahl empfiehlt betroffenen Hoteliers auf Nachfrage von Tophotel: „Betroffene Hotels sollten die Polizei rufen und die Personalien der Täter aufnehmen lassen. Denn wer mutwillig das Eigentum anderer beschädigt oder zerstört, muss für den Schaden aufkommen.“ Der oder die Täter könnten noch bis 30 Jahre später zur Kasse gebeten werden. Es empfehle sich, Fotos zu machen und Anzeige zu erstatten, so Dinnendahl. Zudem müsse der Schaden so schnell wie möglich der Versicherung gemeldet werden. Allerdings sei Vandalismus grundsätzlich nur bei Einbruch oder Diebstahl mitversichert und müsse ansonsten zusätzlich abgesichert werden.

Wie Sie sich am besten vor ungebetenen Eindringlingen und randalierenden Gästen schützen, ist auch Thema im Beitrag „Im Ernstfall vorbereitet“, der am 27. Juni in der neuen Ausgabe von Hotel+Technik erscheint. Darin geht es um eigene Sicherheitskonzepte, die im Notfall passgenau greifen. Hoteliers und Experten aus der Sicherheitsbranche schildern mögliche Gefahren und geben Tipps, was in brenzligen Situationen zu tun ist. sr/nz