Fenster zieren jedes Gebäude und müssen zugleich hohe funktionale Anforderungen erfüllen. Bei der Auswahl kommen viele Kriterien zum Tragen.
Sie bestimmen den Charakter eines Gebäudes: Fenster prägen mit ihrer Form, Größe, Position und ihrem Design eine Fassade. Sie lassen Licht und Luft ins Innere und sollen oftmals Gegensätzliches leisten: Perspektive ermöglichen und Privatsphäre wahren. Svenja Groth vom Architekturbüro Ladehoff beschreibt, wie ihr Team sich der Planung von Fenstern für Gebäude der Hotellerie widmet: „Unsere Herangehensweise beginnt immer mit dem Kubaturkonzept, das die grundlegende Form und Struktur des Gebäudes definiert. Darauf aufbauend entwickeln wir die Fassade und die Fensteröffnungen. Im nächsten Schritt folgen die Farbgestaltung und die Teilung der Fensterflächen.“
Wie Svenja Groth beschreibt, wird dann das Material ausgewählt und schließlich das konkrete Produkt festgelegt. Sie sagt: „Dieser Prozess gewährleistet, dass die Fenster optimal in das Gesamtkonzept integriert sind und so allen funktionalen, ästhetischen sowie wirtschaftlichen Ansprüchen gerecht werden – denn ein zentrales Planungsthema sind natürlich auch die Kosten.“
Die Umgebung ins Innere holen
Ein gelungenes Beispiel für eine anspruchsvolle Fenstergestaltung ist das Elva Hotel in Norwegen. Die Architektur des Hotels nutzt großflächige Glasfassaden, die einen möglichst umfassenden Blick auf die Natur der Umgebung zulassen. Die Fenster sind so konzipiert, dass sie das natürliche Tageslicht optimal nutzen und den Gästen gleichzeitig Privatsphäre ermöglichen. Die riesigen Panoramafenster gewähren einen freien Blick auf den Lundarvatnet-See und die Berge. Sie erstrecken sich bis zum Boden und lassen die Natur zu einem Teil des Innenraums werden. Durch die Kombination von Glas mit minimalistischen Holz- und Stahlstrukturen ergänzen die Fenster das Design des Hotels und tragen zur warmen, einladenden Atmosphäre bei.


Glasflächen machen Räume weiter
Anja Pangerl ist Partnerin im Architekturbüro Blocher Partners in Stuttgart, das bereits Hotels wie das Emilu Hotel in Stuttgart oder das Hyatt Centric Frankfurt gestaltet hat. Sie verweist auf die entscheidenden Fragen, die bei der Planung von Fenstern eine Rolle spielen: „Es geht darum, welche Möglichkeiten ein Standort bietet und was das Baurecht zulässt. Wenn sich das Gebäude beispielsweise zu einem Panorama öffnet, integrieren wir das in die Planung.“ Dabei gehe es nicht nur darum, dass Gäste den Ausblick genießen können, sondern auch um die Nutzung von Tageslicht, sodass es bestmöglich zum Wohlbefinden beiträgt.
Gleichzeitig müsse die Privatsphäre gewahrt werden. Pangerl ergänzt: „Wir raten immer zu größeren Glasflächen, die Räume optisch erweitern. Als Gestalter bevorzugen wir zudem schmale Rahmen und minimalistisches Design.“ Ein Trend, den weitere Experten bestätigen: Immer häufiger sind bei neu erbauten Hotels bodentiefe Fenster integriert. Beliebt sind auch Sitzfenster mit breiten Fensterbänken, die zum Verweilen einladen. Im John & Will Silo-Hotel by Guldsmeden auf der Bremer Überseeinsel beispielsweise bieten gewölbte Fenster aus allen 116 Zimmern einen Blick auf die Weser, der sich von den in die Fensternischen integrierten Sitzbänken genießen lässt (Planung: Delugan Meissl Associated Architects, Wien; Realisierung: Boetker Metall und Glas, Stuhr). Anja Pangerl spricht einen weiteren Aspekt an: „Besonders smart ist es, wenn Techniken integriert werden, die den Lichteinfall automatisch steuern.“
Fenster werden smarter
Smarte Fenster können mit Sensoren ausgestattet sein, die Umgebungsbedingungen wie Licht, Temperatur und Feuchtigkeit messen. Je nach äußeren Bedingungen oder Vorlieben der Nutzer passen sie den Sonnenschutz sowie die Lüftung an. Sie öffnen sich automatisch bei Lüftungsbedarf oder alarmieren bei Einbruchsversuchen. Julian Horstkötter, Teamlead Product Management Windows & Door Systems bei Schüco International betont: „Moderne Hotellerie-Fenster müssen eine Vielzahl an Anforderungen erfüllen, dazu gehören nicht zuletzt Schallschutz, Absturzsicherung und Wärmedämmung. Vor allem dem Schallschutz wird bei Hotels in Innenstädten große Bedeutung beigemessen.“
„Die Integration neuer Fenster in bestehende Strukturen erfordert besondere Sorgfalt, um dem Charakter des Gebäudes gerecht zu werden.“
Anja Pangerl, Blocher Partners in Stuttgart
Schüco hat Entsprechendes im Programm: das Akustikfenster „Schüco AWS 90. SI AC Schüco Opensilent“, das selbst im gekippten Zustand Außenlärm um bis zu 34 Dezibel reduziert. Julian Horstkötter ergänzt: „Für stärkere Lärmbelastungen bieten sich zweischalige Verbundlösungen an. Gute Wärmedämmwerte wiederum können einen Beitrag zur Energiebilanz leisten.“
Service statt Neueinbau
Aus Sicht von Mathias Möseneder von Sanikon, dem Experten für Reparatur und Neuabdichtung von Fenstern und Türen, werden Fenster „oft zu schnell ausgetauscht. Natürlich haben neue Fenster einen besseren U-Wert, doch ein Austausch rechnet sich nur selten, wenn man bedenkt, wie viel Ressourcen bei der Herstellung und der Entsorgung der alten Fenster verbraucht werden.“ Der U-Wert (Wärmedurchgangskoeffizient) gibt an, wie gut ein Fenster Wärme isoliert; gemessen wird in Watt pro Quadratmeter bei einem Temperaturunterschied von einem Kelvin.
Die Lösung des Fachmanns, sofern Rahmen und Scheiben noch in Ordnung sind: Wartung und Reparatur. „In der Regel ist die Substanz der Fenster in Ordnung, nur Verschleißteile wie Dichtungen und Beschläge müssen ersetzt werden, damit ein Fenster wieder leichtgängig und dicht wird. Leider zeigt die Praxis, dass Fenster und Türen kaum fachmännisch gewartet werden“, weiß Mathias Möseneder und nennt mögliche Folgen: „Gerade bei Hotels mit vielen Fenstern kann das große Auswirkungen haben. Undichte Fenster erhöhen die Heizkosten, während Zugluft, Straßenlärm sowie schwergängige Fenster den Komfort und die Aufenthaltsqualität der Gäste senken. Wenn Fenster nicht richtig eingestellt sind, nutzen sich die Beschläge schnell ab oder brechen sogar.“
Sein Tipp: Spätestens nach 20 Jahren sollte ein professioneller Fensterservice durchgeführt werden, der die Reparatur von Beschlägen, das Einstellen der Fenster und den Austausch der Dichtungen umfasst. „Wir pressen eigens entwickelte elastische Silikon-Kautschuk-Dichtungen ein, die sich gut an bestehende Fenster anpassen und gewähren darauf 13 Jahre Garantie“, so Möseneder. Sanikon habe bereits zahlreiche Hotelfenster und -türen wieder fit gemacht. Neben Sanikon bietet auch Schüco entsprechenden Service an. Fällt die Entscheidung für einen Austausch, so ist dieser heute sogar bei laufendem Betrieb möglich. Das Südtiroler Unternehmen Finstral hat mit seinen eingriffsarmen Sanierungsmethoden der Über- oder Einschubmontagen Erfahrung auf dem Gebiet des Fensteraustauschs „ohne Baustelle“.
Materialien: Vor- und Nachteile
- Aluminium ist (pflege-)leicht, stabil, witterungsbeständig und damit langlebig, aber relativ teuer. Zudem ist die Wärmedämmung weniger effektiv als bei Kunststoff- und Holzfenstern.
- Aluminium ist (pflege-)leicht, stabil, witterungsbeständig und damit langlebig, aber relativ teuer. Zudem ist die Wärmedämmung weniger effektiv als bei Kunststoff- und Holzfenstern.
- Holz verleiht eine natürliche Optik, ist stabil und dämmt gut gegen Kälte. Allerdings erfordert das Material eine regelmäßige Wartung und Behandlung, damit die Oberfläche langfristig vor Witterungseinflüssen und Schädlingen geschützt ist.
- Modulare Fenster sind innen und außen mit Blenden aus Aluminium oder Holz ausgestattet. So vereinen sie die Vorteile beider Materialien und gleichen gleichzeitig deren Schwächen aus. Das Südtiroler Familienunternehmen Finstral zählt zu den Anbietern, die Fensterrahmen mit einem robusten Kunststoffkern fertigen.
Starke Kontraste in Farbe und Form
Ob dreieckig, rund oder gebogen: Bei den Angeboten und in der Umsetzung gibt es kaum Grenzen. „Während wir im Neubau Qualitäten relativ frei wählen können, sind wir im Bestand von mehreren Faktoren abhängig. Die Integration neuer Fenster in bestehende Strukturen erfordert besondere Sorgfalt, um dem Charakter des Gebäudes gerecht zu werden“, erläutert Anja Pangerl und verweist auf das Designhotel Emilu in Stuttgart: „Hier haben wir die Fassade mit horizontalen Fensterbändern neu gegliedert, was das Hotel harmonisch in das städtebauliche Umfeld integriert.“
In Sachen Design beobachtet Svenja Groth vom Architekturbüro Ladehoff ein „Revival der Fenstersprosse, die sowohl bei modernen als auch bei traditionellen Projekten zunehmend gefragt ist“. Darüber hinaus benennt sie eine weitere Entwicklung: „Fenster in dunklen Farben – besonders in Schwarz- und Anthrazittönen – werden immer beliebter und verleihen Gebäuden eine elegante, zeitgemäße Optik.“
Der Beitrag ist in der Tophotel Ausgabe 5/2025 erschienen.
