Nicht nur Kosten und Personalmangel setzen die Branche unter Druck. Zunehmend fehlt es auch an Menschen, die Betriebe übernehmen wollen.
Steigende Kosten, Fachkräftemangel und Bürokratie prägen den Alltag vieler Gastronomiebetriebe. Doch eine weitere Entwicklung rückt zunehmend in den Fokus: Immer mehr Unternehmer suchen eine Nachfolgelösung. Nach dem aktuellen Unternehmensnachfolge-Report 2025 des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) gehört das Gastgewerbe neben dem Handel zu den Branchen, die besonders stark vom Nachfolgemangel betroffen sind.
Auf einen potenziellen Nachfolgeinteressenten kommen demnach drei bis vier Betriebe, deren Eigentümer eine Übergabe anstreben. Mehr als jeder vierte Unternehmer, der altersbedingt aus dem Berufsleben ausscheidet, zieht laut DIHK inzwischen eine Schließung in Betracht, weil sich keine geeignete Nachfolge findet.
Fehlende Nachfolge als zentrale Herausforderung
Bei 92 Prozent der Unternehmen, die eine Schließung erwägen, ist die fehlende Nachfolge laut DIHK der ausschlaggebende Grund. Gleichzeitig verschärfen weitere Faktoren die Situation: 63 Prozent nennen den Fachkräftemangel als Belastung, 49 Prozent die hohen Energie- und Materialkosten. 47 Prozent verweisen auf allgemeine Zukunftsunsicherheit, 40 Prozent auf zunehmende Bürokratielasten.
Besonders schwierig ist die Situation in der Gastronomie. Neben diesen Belastungen erschweren hohe Investitions- und Finanzierungskosten, sinkende Gästezahlen und geringe Gewinnmargen die Modernisierung und wirtschaftliche Weiterentwicklung vieler Betriebe. Nach Zahlen der Creditreform Wirtschaftsforschung schlossen 2024 und 2025 bundesweit rund 24.500 Gaststätten, Restaurants und Kneipen.
Gemeinsam Lösungen finden
Diesen negativen Trend beachte auch die Frankfurter Hospitality-Gruppe Cuisyn. Dabei gehe es nicht ausschließlich um Betriebe, die wirtschaftlich unter Druck stehen. „Viele denken bei Restaurantschließungen sofort an wirtschaftliche Schwierigkeiten. Tatsächlich erleben wir jedoch immer häufiger Betriebe, die erfolgreich arbeiten, über eingespielte Teams verfügen und eine treue Stammkundschaft haben. Dennoch ist ihre Zukunft ungewiss, weil sich keine Nachfolge findet“, sagt Rigbert Fischer, Geschäftsführer von Cuisyn.
Das Unternehmen führe regelmäßig Gespräche mit Gastronomen aus ganz Deutschland. Die Anfragen würden überwiegend von etablierten Einzelbetrieben und größeren Unternehmensgruppen mit substanziellem Jahresumsatz kommen. „Die Gründe, warum wir konsultiert werden, sind so unterschiedlich wie die Betriebe selbst. Am Anfang steht meist dieselbe Frage: Wie soll es weitergehen, wenn man selbst einmal kürzertreten möchte?“, erläutert Fischer. Häufig gebe es innerhalb der Familie niemanden, der den Betrieb übernehmen wolle.
Die Gastronomie verlange Leidenschaft, aber auch einen enormen persönlichen Einsatz. „Viele junge Menschen entscheiden sich deshalb bewusst gegen die Selbstständigkeit und für planbarere berufliche Perspektiven. Das macht die Nachfolgesuche heute schwieriger denn je“, ergänzt Fischer. Für Cuisyn gehe es deshalb nicht nur darum, Betriebe weiterzuführen, sondern ihre Identität langfristig zu bewahren. Die Restaurantteams, Stammgäste und gewachsene Konzepte sollen erhalten bleiben und gleichzeitig professionell weiterentwickelt werden.
Digitalisierung als Unterstützung und nicht als Ersatz
Ein wichtiger Baustein sei dabei die Digitalisierung interner Prozesse. Verwaltungsaufgaben, Personalplanung, Warenwirtschaft und Controlling würden zentral gesteuert, um die einzelnen Betriebe organisatorisch zu entlasten.
„Gerade in einer Branche, in der qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter knapp sind, muss Technologie dort unterstützen, wo sie echten Mehrwert schafft. Wir nutzen Digitalisierung deshalb vor allem in administrativen Prozessen, bei der Planung und in der Steuerung. So gewinnen unsere Teams mehr Zeit für das, was gute Gastronomie ausmacht: den persönlichen Kontakt zu den Gästen“, sagt Fischer.
Mit diesem Ansatz will sein Unternehmen erfolgreiche Gastronomiebetriebe langfristig erhalten und ihnen eine Zukunft geben, wenn die klassische Unternehmensnachfolge nicht mehr funktioniert. red/sar