Longevity in Hospitality Summit „Weniger Buzzwords, mehr Business-Modelle“

Anke Brendt, Product Manager Fibo: "Longevity wird sich von einem Marketingbegriff zu einem strukturierten Geschäftsmodell entwickeln."
Anke Brendt, Product Manager Fibo: "Longevity wird sich von einem Marketingbegriff zu einem strukturierten Geschäftsmodell entwickeln." © Lars Behrendt

Die Fibo in Köln rückt vom 16. bis 19. April das Thema Longevity in den Fokus. Anke Brendt, Product Manager Fibo, über Chancen für die Hotellerie und den „Longevity in Hospitality Summit“.

Tophotel: Frau Brendt, Longevity wird zunehmend als konkretes Geschäftsmodell diskutiert. Wo sehen Sie aktuell die größten Herausforderungen für Hotels, die Longevity tatsächlich in ihr Konzept integrieren möchten?

Anke Brendt: Longevity ist ein faszinierendes, aber auch komplexes Thema, das derzeit noch nicht klar definiert ist. Viele Angebote, die unter diesem Begriff vermarktet werden, dienen eher als Marketinginstrument – was sowohl für Gäste als auch für Hotels eine Herausforderung darstellt. Es fehlt an Orientierung und Standards. Für Hotels bedeutet das: Sie sollten einen ganzheitlichen Ansatz verfolgen, anstatt lediglich eine Sammlung von Geräten oder Dienstleistungen anzubieten. Es geht darum, den Gästen eine personalisierte Betreuung zu ermöglichen und sie dabei zu unterstützen, das Konzept in ihren Alltag zu integrieren.

Eine weitere Herausforderung besteht darin, die Gäste dort abzuholen, wo sie sich gerade befinden – sowohl physisch als auch mental. Das erfordert eine intensive Vorbereitung und Kommunikation bereits vor dem Check-in. Hotels sollten sich intensiv mit ihrer eigenen Positionierung auseinandersetzen und ihre Mitarbeitenden entsprechend schulen. Da es aktuell keine einheitlichen Standards gibt, ist es umso wichtiger, das Thema mit Bedacht und Sorgfalt umzusetzen.

Wohin entwickelt sich Longevity im Hospitality-Bereich?

Longevity wird sich von einem Marketingbegriff zu einem strukturierten Geschäftsmodell entwickeln – zumindest für jene Häuser, die es ernst meinen. Der Markt wird sich klar aufteilen: auf der einen Seite oberflächliche Wellness-Add-ons, auf der anderen Seite integrierte Konzepte mit medizinischer Tiefe, klarer Positionierung und durchdachter operativer Struktur.

Richtig implementiert, bietet das Konzept großes Potenzial: Es kann die Aufenthaltsdauer verlängern, die Zahlungsbereitschaft steigern und neue Erlösmodelle schaffen. Die größte Herausforderung bleibt jedoch die Umsetzung – es geht um Prozesse, Kompetenzen und die Integration ins Betriebssystem. Genau hier wird sich entscheiden, wer langfristig relevant bleibt.

Welche Rolle spielt der deutschsprachige Raum im internationalen Markt?

Deutschland, Österreich, Südtirol und die Schweiz haben sich als starker Markt etabliert. Die Region bietet eine beeindruckende Auswahl an hochwertigen Hotels, die sich zunehmend mit dem Thema auseinandersetzen. In gewisser Weise sind sie sogar Vorreiter. Die Kombination aus Tradition, Innovation und einem hohen Qualitätsanspruch schafft eine ideale Grundlage, um Konzepte erfolgreich umzusetzen und weiterzuentwickeln.

Der Longevity in Hospitality Summit auf der Fibo geht in die zweite Runde. Wie hat sich das Format weiterentwickelt?

Wir beobachten eine deutliche Entwicklung: von einer reinen Trenddiskussion hin zu einer strategischen Standortbestimmung. Während im vergangenen Jahr noch die Frage im Fokus stand, was Longevity im Kontext der Hotellerie überhaupt bedeuten kann, geht es dieses Jahr wesentlich konkreter darum, wie sich das Ganze wirtschaftlich und operativ umsetzen lässt.

Ein entscheidender Faktor ist die veränderte Zusammensetzung der Teilnehmer. Wir haben mehr Eigentümer, Investoren und Projektentwickler im Raum – also die Entscheider. Das macht die Diskussion substanzieller: weniger Buzzwords, dafür mehr Business-Modelle, echte Praxisbeispiele und ein realistischer Blick auf ROI und operative Umsetzung.

Was sollten Besucher vom Summit mitnehmen?

Klarheit. Die zentrale Frage lautet: Passt Longevity strategisch zu meinem Haus – und wenn ja, in welcher Tiefe? Nicht jedes Hotel braucht Longevity. Aber wer sich dafür entscheidet, muss es strukturell und konsequent umsetzen. Der Summit soll dabei helfen, zwischen einem kurzlebigen Trend und einem tragfähigen Geschäftsmodell zu unterscheiden.

Welche Rolle kann die Fibo künftig dabei spielen, Akteure aus Hospitality, Health und Fitness stärker zusammenzubringen?

Die Fibo vereint seit jeher die zentralen Aspekte – Bewegung, mentale Gesundheit, Ernährung und Regeneration – und bietet einen umfassenden Überblick über aktuelle Markttrends und Innovationen. Für Hotels, die sich im Bereich Longevity positionieren möchten, ist die Messe eine ideale Gelegenheit, die neuesten Produkte und Lösungen kennenzulernen und direkt zu testen. Angesichts des hohen Wettbewerbs in der Hotellerie ist es entscheidend, frühzeitig zu erkennen, wohin sich der Markt entwickelt.

Fibo 2026: Hospitality im Fokus

  • Longevity in Hospitality Summit (16. April)
    Internationales Konferenzformat mit Keynotes, Panels und Networking für Entscheider aus Hotellerie, Spa, Investment und Gesundheitswirtschaft.
    Wo: Confex, Level 2, 10-17 Uhr
  • Deutscher Hoteltag (17. April)
    Ganzheitliche Gesundheit im Hotel: Strategien, Zahlen und Best Practices für die erfolgreiche Implementierung von Longevity-Konzepten, veranstaltet von Sven Huckenbeck, Huckenbeck Holistic Health, Lutz Lungwitz, Deutscher Medical Wellness Verband, und Michael Altewischer, Deutsche Longevity Gesellschaft.
    Wo: Meeting Point Spa & Wellness (Halle 1 F77), 10-16:45 Uhr
  • Aktiv Hotel Award (17. April)
    Auszeichnung herausragender Aktiv- und Gesundheitshotels im deutschsprachigen Raum durch das Reiseportal Mein Tophotel.
    Wo: Meeting Point Spa & Wellness (Halle 1 F77), 12-13 Uhr
  • Spa Day (18. April)
    Praxisorientierte Vorträge und Diskussionen zu Positionierung, Wirtschaftlichkeit und innovativen Spa- und Regenerationskonzepten – kuratiert von Wolfgang Falkner und Keven Prünster.
    Wo: Meeting Point Spa & Wellness (Halle 1 F77), 11-16:30 Uhr