Hoteltest: Lindner Hotel Airport Düsseldorf Weder besser noch anders

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Seit 1992 fühlt Top hotel den Vorzeigebetrieben der gastlichen Branche auf den Zahn. Standen bislang ausschließlich Hotels der Luxuskategorie im Fokus der Tester, hat Top hotel nun seine Mystery Checks auf das Business- bzw. Wellness-Segment ausgedehnt. Dieses Mal im Test: das Lindner Hotel Airport Düsseldorf.

Lage / Anfahrt

Nicht nur der Flughafen (2,5 km) liegt nah am Lindner Hotel Airport Düsseldorf, auch die Messe, das Congress Centrum (3 km), der Hauptbahnhof und die Innenstadt (7 km) sind nicht weit entfernt. Der solchermaßen attraktive Standort im Düsseldorfer Norden beschert dem Domizil einen Mix aus Tagungs- und Messegästen, Business- und Urlaubsreisenden. Zwischen Flughafen und Hotel gibt es montags bis freitags einen kostenlosen Shuttle, vom Bahnhof aus muss man ein Taxi oder öffentliche Verkehrsmittel benutzen. Mit dem Auto ist man in wenigen Minuten von der Autobahn am Hotel. Sowohl der Parkplatz als auch die Tiefgarage schlagen mit 17 Euro pro Tag zu Buche. ­Eine gute Idee: Für weibliche Hotelgäste sind in der öffentlich zugänglichen Tiefgarage Parkplätze in unmittelbarer Nähe zum Hoteleingang reserviert.
Wertung: gut

Internetauftritt / Onlinebuchung

Ein Lob für die übersichtliche Homepage des Hotels. Klar gegliedert zeigt sie auf den ersten Blick alles Wesentliche und enthält trotzdem eine Menge an Detailinformationen, teilweise als Download. Auf unnötigen Schnickschnack wurde verzichtet, sodass sich alle Seiten schnell aufbauen. Wer eine Tagung plant, kann Grundrisse, Raumausstattung sowie Tagungspauschalen aufrufen und erfährt aktuelle Termine, an denen Last-Minute-Tagungen zu vergünstigten Konditionen buchbar sind. Ein Anfrageformular ist ebenso vorhanden wie eine Liste der Ansprechpartner inklusive Telefondurchwahlen und
E-Mail-Adressen.

Die Onlinebuchung funktioniert unkompliziert, muss aber in jedem Fall per Kreditkarte bestätigt werden. Eine Reservierungsübersicht zum Ausdrucken wird unmittelbar angezeigt. Den besten Preis »Run of the House« (-20 % vom Tagespreis) gibt es für den gleichen Tag auch bei HRS. Es irritiert allerdings, dass ich die Buchung bei HRS bis 18 Uhr des Anreisetages kostenfrei stornieren kann, mir bei Stornierung der Lindner-Onlinebuchung aber 90 Prozent des Zimmerpreises in Rechnung gestellt werden.
Wertung: sehr gut

Telefonische Buchung

Um ein Zimmer zu buchen, rufe ich zwar direkt im Hotel an, werde aber zur Reservierungszentrale der Lindner Hotels weiterverbunden. Das merke ich zum einen am unruhigen Hintergrund (Stimmen, Computertastengeklapper), zum anderen daran, dass Frau H. nur oberflächlich über das Lindner Hotel Airport Düsseldorf informiert ist. Als ich sie frage, ob man Massagen buchen könne, muss sie »erst einmal nachschauen«, zudem sind die Öffnungszeiten des Restaurants »hier leider nicht hinterlegt«. Das erscheint insofern besonders dürftig, da sich Frau H. mit »Lindner Hotel Airport« gemeldet hat und mir nur auf meine Nachfrage bestätigt, in der Reservierungszentrale gelandet zu sein. Die 18 bis 20 Quadratmeter großen Business-Class-Zimmer beschreibt sie nonchalant als »geräumig«. Dass der genannte Preis das Frühstück nicht beinhaltet, erfahre ich allerdings erst aus der Reservierungsbestätigung. Diese tippt Frau H. noch während unseres Gesprächs geräuschvoll in ihren PC, sodass sie unmittelbar danach per E-Mail eintrifft. Die Rückbestätigung per Unterschrift, die Frau H. am Telefon noch streng gefordert hat, wird in dem Schreiben gar nicht mehr erwähnt. Da Frau H. mich mehrfach mit Namen anspricht, alle aufgenommenen Daten korrekt wiederholt, sich für meine Buchung bedankt und auch sonst insgesamt freundlich agiert, ergibt sich als rechnerisches Gesamtergebnis trotz der Mängel noch ein Befriedigend.
Wertung: befriedigend

Anreise

Anscheinend wird vorausgesetzt, dass der mit dem Auto anreisende Gast ein Navigationsgerät besitzt, denn der – zugegebenermaßen kurze – Weg von der Autobahn zum Hotel ist in keiner Weise ausgeschildert. Außenanlagen, Parkplätze, Fassade und Tiefgarage machen einen gepflegten Eindruck. Leider nimmt man auch im Lindner Hotel Airport – wie vielerorts – nicht ausreichend wahr, dass das Rauchverbot die Gäste zur Pflege ihres Lasters verstärkt ins Freie treibt. Unschöne Hinterlassenschaften in Form von ausgetretenen Zigarettenkippen und überfüllten Standaschern vor dem Hoteleingang sind die Folge. Die Drehtür zur Lobby ist extrem verkratzt; mein Gepäck muss ich selbst hineintragen.
Wertung: gut

Fr. 26/03 – Check-in

Hoppla – so schnell kann’s gehen! Die Dauer meines Check-ins im Lindner Hotel Airport bricht alle Rekorde. Einem freundlichen, aber etwas mageren »Bitte schön?« folgen die Vorlage des Meldescheins sowie die Übergabe der Schlüsselkarte und – immerhin – der bereits für mich eingetroffenen Nachricht. Ich erfahre noch, in welchem Stock­-werk sich mein Zimmer befindet und bin entlassen. Halt, einen schönen Tag wünscht mir die junge Dame noch. Ihr Namensschild ist – wie übrigens die Namensschilder aller Mitarbeiter – so klein beschriftet, dass ich nur unter Aufgabe einer sittlichen Distanz und durch ausdauerndes Starren auf ihren Oberkörper eine Chance habe, es zu entziffern. Wer Hilfe mit dem Gepäck benötigt, so lese ich später im »Gäste A-Z«, muss dies am Empfang kundtun und zwei Euro pro Gepäckstück und Weg dafür bezahlen.
Wertung: mangelhaft

Zimmer

Das gebuchte Zimmer ist ein Nichtraucherzimmer, worauf weder an der Eingangstür noch im Raum selbst – vom fehlenden Aschenbecher einmal abgesehen – hingewiesen wird. Es gehört zur Kategorie Business Class und kostet in der Special Rate 87,20 Euro. Wer frühstücken möchte, muss 20 Euro extra bezahlen. Das etwa 18 bis 20 Quadratmeter große Einzelzimmer ist trotz des geringen Platzangebots behaglich eingerichtet. Neben dem französischen Bett steht ein bequemer, lederbezogener Relaxsessel samt Hocker, davor ein Sideboard, an das sich ein runder Tisch in Arbeitsplatzhöhe anschließt. Zum Essen eignet sich ein derartiger Tisch prima, zum Arbeiten mit PC und Unterlagen jedoch weniger, zumal es auch keine funktionale Schreibtischleuchte gibt. Prospekte und Schreibmappe hat man platzsparend in einem Wandregal untergebracht; der multimediale Fernseher mit digitalem TV, Video und LAN hängt in komfortabler Größe als Flachbildschirm an der Wand.  Für einen Kurzaufenthalt gibt es genügend Ablageflächen, ausreichend Stauraum im Kleiderschrank und eine Kofferablage. Über dem Sideboard befinden sich in angenehmer Höhe Steckdosen und Anschlüsse; für WLAN muss ich mir am Empfang einen Zugangscode geben lassen, der mit 9,95 Euro für 24 Stunden berechnet wird. Der Zimmersafe erweist sich leider als zu klein für meinen Laptop und für das darunter befind­liche, abschließbare Fach gibt es – laut Auskunft eines Mitarbeiters – keinen Schlüssel mehr.

Der Zentralschalter hinter der Eingangstür präsentiert sich als Mogelpackung, da er nur die Klimaanlage und das Licht im Bad steuert – ­alle anderen eingeschalteten Lampen leuchten auch bei Entnahme der Karte weiter. Neben der Klimaanlage gibt es noch einen gut zu temperierenden Heizkörper. »Gäste A-Z« und Infokanal sind kompakt, aber informativ gestaltet. Die Roomservice-Karte enthält einen umfangreichen Auszug aus dem Angebot des Restaurants mit einem Servicezuschlag von 20 Prozent. In der Minibar findet sich das übliche Sortiment an Drinks und Snacks, auf Wein wurde verzichtet. Wer schnell etwas aufgebügelt haben möchte, muss beim Housekeeping nachfragen – ein Expressservice wird auf der Wäschereiliste nicht angeboten. Auch ein gedrucktes TV-Programm fehlt. Erfreulicherweise ist das Zimmer – wie gewünscht – zwei Stunden vor dem offiziellen Check-in bezugsfertig. Es präsentiert sich gut gelüftet und instandgehalten. Allerdings wurde es wohl nur oberflächlich gereinigt und offensichtlich überhaupt nicht kontrolliert. Der helle Teppichboden zeigt Flecken und ist nicht einwandfrei gesaugt. Auf Bilderrahmen, Telefon, Ablageflächen und vor allem dem Board über der Garderobe finden sich deutliche Staubablagerungen. Flecken zieren auch die Stores; Fensterrahmen und -brett sowie der Heizkörper geben ein unansehnliches Bild ab. Bettwäsche und Matratze sind zwar sauber und gut erhalten, der Matratzenschoner ist jedoch verunreinigt und auf dem Inlett des Kopfkissens zeigen sich unschöne Schweißränder. Das feuerfeste Innere des Abfalleimers ist verrostet und die Fernbedienung für das TV-Gerät schwächelt erheblich.
Wertung: noch befriedigend

Das Bad

Das Bad bietet gerade genug Platz für eine Person. Geduscht wird in der Badewanne, das Waschbecken ist in einen kleinen Granitwaschtisch eingepasst, auf den die nötigsten Utensilien passen. Positiv fallen auf: der große, an geeigneter Stelle angebrachte Kosmetikspiegel, die Haken zum Aufhängen von Bademänteln bzw. Handtüchern und die Seifenablage über der Badewanne. Einen Haltegriff gibt es an Letzterer allerdings nicht und die gläserne Duschabtrennung ist so sparsam ausgefallen, dass sich eine Überschwemmung beim Duschen kaum vermeiden lässt. Der Wasserdruck ist gut und auch der Umschalthebel funktioniert einwandfrei. Die Spender für Duschgel und Seife enthalten Produkte in unterschiedlichen Farben – da beide jedoch denselben Aufkleber tragen, lässt sich nicht erkennen, ob es sich um verschiedene Produkte handelt. Die Beleuchtung besteht ausschließlich aus Downlights. Einen Bademantel kann ich mir kostenlos aufs Zimmer bringen lassen; die Handtücher sind von mittlerer Qualität und sauber.

Während Boden, Waschbecken, Badewanne und Spiegel ordentlich gereinigt wurden, zeigt sich im Abfluss der Toilette und unter deren Rand unschöne »Patina«. Staub finde ich auch auf dem Ersatzrollenhalter, auf dem Kabel und im Gitter des Haartrockners sowie auf der Halterung des Kosmetikspiegels. Die Öffnung des Ventilators hat schon lange niemand mehr kontrolliert – die dicken Flusen dürften jeden Allergiker das Fürchten lehren. Der Duschkopf hat Wasserflecken und in den Borsten der Toilettenbürste hängen nicht nur dunkle Haare, sondern auch Fetzen feuchten Toilettenpapiers. Die Verfugung der Wanne wurde irgendwann einmal üppig überspritzt – in einer Ecke dringt der Schimmel jedoch bereits wieder durch.
Wertung: befriedigend

Housekeeping

Die Mitarbeiter der Fremdreinigungsfirma tragen weder einheitliche Kleidung noch Namensschilder. Außerdem tun sie sich äußerst schwer damit, mich zu grüßen. Die hauseigenen Hausdamen hingegen machen einen adretten, freundlichen und hilfsbereiten Eindruck. Der gewünschte Bademantel wird mir umgehend aufs Zimmer gebracht; als ich mir ein härteres Kopf- oder Nackenkissen wünsche, muss die von mir angesprochene Mitarbeiterin allerdings passen. Die Housekeeping-­Wagen wirken aufgeräumt und ordentlich.
Wertung: gut

Sicherheit

In puncto Sicherheit werden die gängigsten Kriterien erfüllt: Im Zimmer hängt ein übersichtlicher Fluchtwegeplan, die Feuer­löscher tragen aktuelle Prüfsiegel, alle Fluchtwege sind gut beschildert, beleuchtet und frei zugänglich. Die Zimmerlisten auf den Etagenwagen sind zwar einsehbar, aber nicht mit Gäste­namen versehen, und die Arbeitsräume werden abends abgeschlossen. Weniger erfreulich ist, dass ich an der Rezeption eine Inforechnung zu meinem Zimmer erhalte, ohne auch nur meinen Namen nennen zu müssen. Noch gravierender: Eine Hausdame öffnet zwar zögerlich, aber schließlich doch ohne nachzufragen mein Zimmer, als ich angebe, meine Karte darin vergessen zu haben. Immerhin vergewissert sie sich mit einem raschen Blick, dass die Karte tatsächlich noch im Schlitz neben der Tür steckt.
Wertung: befriedigend

Frontoffice

An der Dienstleistungsqualität des Frontoffice gibt es kaum ­etwas zu beanstanden. Die Damen und Herren sind freundlich bemüht, meine Wünsche zu erfüllen, haben ein gepflegtes Äußeres und tragen Namensschilder – auch wenn diese, wie bereits erwähnt, kaum zu entziffern sind. Schade, dass die Rezeptionsmitarbeiter nicht die kleine Mühe auf sich nehmen, den Gast persönlich zu wecken. Der von mir in Auftrag gegebene Weckruf wird zwar auf die Minute pünktlich ausgeführt – dass mir die weibliche Computerstimme aber nach einem »Dies ist Ihr Weckruf« auch noch freundlich-barsch die Order »Bitte aufstehen!« gibt, brauche ich am Morgen gar nicht. Wer als Gast keinen Laptop dabei hat, findet in der Lobby eine Office Corner mit PC und kostenlosem Internetzugang. Hier hat man auch die Möglichkeit, Dokumente auszudrucken.
Wertung: gut

Öffentliche Bereiche

Die öffentlichen Bereiche des Hotels präsentieren sich bei meinem Besuch weitgehend gut gereinigt und instandgehalten. Nur der schmutzempfindliche dunkelbraune Teppichboden, der als Umrandung in der Lobby, an der Bar und im Bistro verlegt wurde, ist überall und ständig voller Krümel. In den Aufzügen sind die ausgehängten Passepartouts zu groß für die Speisekartenblätter. Auf den Zimmerfluren fallen die stark verkratzten Brandschutztüren auf und der prüfend über die Bilderrahmen fahrende Finger findet prompt Staub. Als vorbildlich lässt sich die Reinigung der öffentlichen Toiletten werten, die laut Checkliste im Abstand von ein bis zwei Stunden überprüft werden. Hier finden sich auch zwei nette Extras: in kleine Becher abfüllbares Mundwasser und Handcreme.
Wertung: gut

Restaurant »Albatros«

Schick ist nicht immer schön. Zumindest nicht behaglich. Das zeigt sich am Abend im Bistro-Restaurant »Albatros«, in dem 140 Personen Platz finden. Das 2007 neu und streng geradlinig gestaltete Lokal ist überwiegend in einem dunklen Braunton gehalten, der bei Tageslichteinfall zwar noch eine warme Komponente hat, am Abend bei ­diffuser Beleuchtung aber duster wirkt. Zudem ist es unangenehm kühl im Raum und es gibt keine Hintergrundmusik – das alles erzeugt keine angenehme Atmosphäre. Ich werde freundlich begrüßt und zu einem Tisch am Fenster geleitet, der im Bistrostil mit Tischsets aus Kunststoff und Papierservietten eingedeckt ist. Die einzelne, sich in der Vase verlierende und an den Rändern schon welke, dunkle Anturie trägt nicht dazu bei, die trostlose Stimmung aufzuheitern. Gleiches gilt für die hellen Brotkrümel auf dem dunkelbraunen Teppich unter meinem Tisch. Im Laufe des Abends betreuen mich im Wechsel alle vier eingesetzten Mitarbeiter. Es gibt offensichtlich keine klar definierte Stationseinteilung. Die vier agieren zuvorkommend und aufmerksam, doch der ständige Wechsel schafft Unruhe und wirkt unpersönlich. Außerdem können sie meine Verständnisfragen zur orientalischen Spezialitätenkarte nur unzureichend beantworten; die Weinempfehlung gerät ins Blaue und entspricht so gar nicht meinen Vorgaben.

Das in Plastik gehüllte Innenleben der etwas ramponierten Speisekarte enthält ein kulinarisches Angebot, das sich an der breit gefächerten Gästeklientel des Hauses orientiert. Linseneintopf mit Mettwurst gibt es ebenso wie asiatische und mediterran inspirierte Gerichte, die ansprechend beschrieben sind. Enthalten ist außerdem die bereits erwähnte Lindner-Hotels-weite Aktion orientalischer Spezialitäten, zu der die Mitarbeiter allerdings besser geschult sein sollten. Der junge Mann, der schließlich meine Bestellung aufnimmt, versichert mir, es sei kein Problem, den »gezupften Feldsalat mariniert mit Walnussvinaigrette, heiß geräucherten Entenbruststreifen, Cranberries und karamellisierten Kapstachelbeeren« als kleine Portion zu erhalten. Was er mir jedoch nach sage und schreibe 25 Minuten serviert, ist die normale, sehr üppige Portion, die er auch so berechnet. Über die lange Wartezeit habe ich mich mit einigen Scheibchen frischen Baguettes gerettet, zu denen Olivenöl und eine Kräuterbutter mit reichlich Knoblauch gereicht wird.

Als ob man die Wartezeit wieder gut machen wolle, bekomme ich, kaum ist die Vorspeise abgeräumt, den Hauptgang serviert. Die im Ofen gebackene Forelle passt samt Beilagen kaum auf die ovale Platte und ist entsprechend schwierig zu handhaben, zumal ein Grätenteller fehlt. Als mediterrane Kräuterfüllung hat man dem Fisch dicke Zweige Rosmarin und Thymian verpasst, die vom eigentlichen Geschmack der Forelle nichts übrig gelassen haben. Die Kartoffeln wurden mit den gleichen Kräutern gebraten, weshalb das Aroma so übermächtig ist, dass ich die Hälfte des Gerichtes stehen lassen muss. Zur Kompensation bestelle ich ein Schwarzwälder Kirschtörtchen, dessen tröstliche Sahnefüllung trotz Convenience-Herkunft hilft. Die Rechnung kommt umgehend, enthält aber einen Fehler – es wurde der falsche Wein berechnet. Als ich das Bistro verlasse, passiere ich drei zusammenstehende Mitarbeiter. Leider hält es nur die junge Frau für angebracht, sich von mir zu verabschieden und mir einen schönen Abend zu wünschen.
Wertung: mangelhaft

»Olis Bar«

Intime Baratmosphäre sucht man in der zwischen Lobby und Restaurant angesiedelten Bar vergebens. Am Tresen sitzt man unbehaglich mit dem Rücken zum Hoteleingang  und die in gleißendes Licht getauchten Tische laden ebenfalls nicht zum Verweilen ein. Mein Platz am Ende des geschwungenen Tresens ist außerdem ungünstig, weil es der Barkeeper wegen der hier besonders tiefen Arbeitsfläche weder schafft, mir mein Glas zu reichen, noch mit mir zu kommunizieren. Letzteres ist sowieso nicht möglich, da die Bar gleichzeitig als Getränkeausgabe für das Restaurant dient und ein reges Kommen und Gehen der vier Servicekräfte herrscht. Es gibt viel zu tun, aber wenig Zeit für die Bargäste und für die Zubereitung der Drinks. Mein Mojito ist extrem sauer und selbst ausdauerndes Rühren vermag den Tiefen des Glases keine Zuckerreserven zu entlocken. Snacks gibt es keine. Mein leeres Glas wird nicht registriert, ein zweiter Drink infolgedessen nicht angeboten. Als ich mich endlich bemerkbar machen kann und signalisiere, bar bezahlen zu wollen, fragt mich der junge Mitarbeiter, ob ich einen Beleg benötige. Ich verneine und er steckt den Zehn-Euro-Schein in sein Kellner-Portemonnaie. Obwohl ich noch einige Minuten warte, kann ich keine Zahlungsverbuchung in die Kasse beobachten.
Wertung: ungenügend

Frühstück

Als ich um 8:10 Uhr zum Frühstück komme, ist die große Schlacht schon geschlagen. Das Buffet ist in weiten Teilen geplündert, auf vielen Tischen türmt sich Geschirr, der dunkelbraune Teppichboden ist voller Krümel. Mein Erscheinen wird nicht registriert und ich suche mir selbst einen freien Platz. Die Teelichter auf den Tischen sind nicht angezündet und es gibt keine Hintergrundmusik, sodass die Atmosphäre an diesem trüben, regnerischen Tag auch im Bistro-Restaurant eher grau anmutet. Pardon: braun. Als ich die Frühstücksbedienung, die schließlich an meinen Tisch kommt, frage, ob ich einen Milchkaffee bekommen kann, erhalte ich ein ebenso knappes wie strenges »Ja« zur Antwort. Ebenso streng erkundigt sich die Mitarbeiterin, ob ich allein bliebe. Als ich das bejahe, räumt sie das zweite Gedeck ab.

Während ich an meinem Mini-Milchkaffee nippe, den man wie den Latte Macchiato in einem zierlichen 0,2-Liter-Glas serviert, und einen Blick in eine der ausgelegten Zeitungen werfe, wird das Buffet wieder weitgehend aufgefüllt. Die Zeit reichte jedoch offenbar nicht aus, um die Wurst- und Käseplatten auch noch ein wenig auszugarnieren. Ich erwische das letzte Mohnbrötchen, womit zwei von vier Brötchen­sorten »aus« sind. Es gibt noch Croissants, drei Sorten Brot, Toast und Knäckebrot. Die normale Butter ist ebenfalls vergriffen und die Bio-Butter sehr hart. Ansonsten umfasst das Frühstücksbuffet eine ausreichende Auswahl gängiger Speisen und Getränke, aber darüber hinaus nichts, was den hohen Preis von 20 Euro pro Person rechtfertigen würde. Nirgends steht beispielsweise frisch gepresster Saft oder frisches Obst – der Fruchtsalat und die mundfertigen Ananas- und ­Melonenstücke kommen aus dem Eimer und sehen definitiv besser aus als sie schmecken. Die warmen Speisen – Speck, Würstchen, Rühr­-ei, Tomaten und zweierlei Frittiertes – entsprechen sowohl im Angebot als auch in der Qualität nur dem Durchschnitt. Statt des einen bestellten Spiegeleis (frische Eierspeisen werden auf Wunsch in der Küche zubereitet) werden mir zwei serviert; diese sind allerdings gut gebraten und ansprechend angerichtet. Positiv ins Auge fallen zudem etliche Bio-Produkte und eine hausgemachte Marmelade. Woraus das angemachte Müsli besteht, ist leider nicht zu ermitteln. Die Auf­listung der Speisen auf Sammelaufstellern ist wenig hilfreich, da man die darauf genannten Produkte nicht immer den ausliegenden Speisen zuordnen kann. Hygienisch und kühltechnisch gibt es am Buffet nichts zu bemängeln. Die Logistik könnte besser sein: So stehen etwa Brot und Brötchen getrennt und auch Milchprodukte, Cerealien und Obst (Zutaten zur Zubereitung eines Müslis) wurden auf verschiedene Buffets verteilt.

Während meines Frühstücks und nachdem die Ordnung im Raum wieder hergestellt ist, wird auch der Service aufmerksamer und lockerer. Benutztes Geschirr räumen die Damen und Herren aufmerksam ab und fragen dabei stets höflich, ob dies genehm sei. Alle Mitarbeiter sind ordentlich gekleidet und tragen Namensschilder, die auch hier kaum zu entziffern sind. Was mich sehr wundert, ist die Tatsache, dass ich zu keinem Zeitpunkt nach meiner Zimmernummer gefragt werde oder einen Beleg abzeichnen muss.
Wertung: befriedigend

Sauna / Fitness

Die beiden Ebenen des kleinen Freizeitbereiches verbindet eine offene Wendeltreppe: Unten sind die Fitnessgeräte und das Solarium untergebracht, oben das Dampfbad, die Sauna und ein winziger Ruhe­bereich. Als zeitgemäß kann man nur die vier Cardiotrainer und die drei Liegen bezeichnen. Alles andere ist schlichtweg veraltet und teilweise – man muss dieses schlimme Wort sagen – heruntergekommen.

So finden sich in der Kunststoffkabine des Dampfbades rund um die Dampfauslässe jede Menge Rost und Kalk. Die Fliesen des Duschbereichs wiederum mag man gar nicht barfuß betreten, so abgenutzt und schmuddelig sehen diese aus. Die Sauna ist so eng, dass man darin zu viert Platzangst bekommen muss. Zudem haben die Holzbänke Flecken, der Hygrometer funktioniert nicht mehr richtig und Hygro- sowie Thermometer sind so verdreckt, dass man sie kaum ablesen kann. Auch das Tauchbecken ist nicht einwandfrei sauber, der Stöpsel verrostet und die Brauseköpfe sind mit Grünspan und Kalk zugesetzt. Positiv zu werten ist: Es liegen ausreichend Handtücher bereit und es werden Wasser, Äpfel sowie Lesematerial angeboten.
Wertung: mangelhaft

Solarium

»Vergessen Sie auf unserem Solarium den Alltag« rät die Homepage des Hotels. Abgesehen davon, dass Werbung für etwas so Umstrittenes wie ein Solarium fragwürdig ist, fällt es mir schwer, in einer Kabine zu entspannen, die sich nicht abschließen lässt. Betrieben wird das Gerät mit Euro-Münzen: So kann man über das Minimum von sechs Euro für zehn Minuten hinaus auch erheblich mehr einwerfen und entsprechend länger brutzeln. Zur Stärke des Gerätes gibt es keine Informationen, die ausgehängte Hauttypentabelle hilft nicht weiter. Ferner liegt keine Schutzbrille bereit und zu allem Überfluss funktioniert der Not-Aus-Schalter des Gerätes nicht. Einem Missbrauch des Solariums wird hier ebenso wenig Einhalt geboten wie der Gefahr, sich ernsthaft zu verbrennen.
Wertung: sehr kritisch

Telefonische Bankett-Anfrage

Über 20 Minuten dauert mein Telefonat mit Frau H. von der Bankett­abteilung. Sehr dezidiert erfragt die Mitarbeiterin meine Wünsche bezüglich eines geplanten Seminars. Dabei erkundigt sie sich auch nach so wichtigen Dingen wie der Zusammensetzung der Teilnehmer und dem Ziel der Veranstaltung. Als sich herausstellt, dass zum angefragten Termin nicht mehr genügend Zimmer zur Verfügung stehen, bietet mir Frau H. nicht nur einen Alternativtermin an, sondern auch die Möglichkeit, auf ein Schwesterhotel in Düsseldorf auszuweichen. Dass beim Übernachten an einem Wochenendtag eine Special Rate zum Tragen kommen könnte, muss ich allerdings selbst erfragen.

Insgesamt agiert Frau H. freundlich, kompetent und gut geschult. Sie hebt immer wieder konkrete Vorteile heraus, die das Hotel und sein Tagungsangebot für den Veranstalter bieten. Bei dem spontanen Vorschlag eines Rahmenprogramms orientiert sie sich an der genannten Zusammensetzung der Teilnehmer. Die Checkliste, die Frau H. offensichtlich während unseres Gespräches »abarbeitet«, ist allerdings sehr umfangreich: Sie spricht deshalb sehr schnell und lässt mich hier und da nicht richtig ausreden. Außerdem registriert sie zwar die von mir genannten Informationen zu Teilnehmern und Zielsetzung, nutzt diese allerdings nicht zu weiteren Nachfragen, die für das Hotel nützlich und wichtig sein könnten.

Das Angebot trifft noch am gleichen Tag per E-Mail ein und greift alle besprochenen Anforderungen auf. Es ist optisch gut gestaltet, ausführlich und wohlformuliert.
Wertung: gut

Check-out

Bis auf zwei Dinge verläuft der Check-out freundlich und professionell. Erstens will man nicht wissen, ob ich gefrühstückt habe, wodurch dem Hotel 20 Euro Umsatz verloren gehen. Zweitens unterbleibt die Frage nach der Einlösung des Tiefgaragentickets. Somit beläuft sich die komplette Rechnung auf 193,55 Euro. Die nette Mitarbeiterin erkundigt sich aber immerhin, wie es mir gefallen hat und vergisst nicht, mir noch einen schönen Tag zu wünschen.
Wertung: gut

Bilanz

Wenn eine Hotelgruppe sich einen so selbstbewussten Slogan wie »Nicht nur besser. Anders.« auf die Fahne schreibt, muss sie damit rechnen, dass jedes einzelne Haus der Gruppe an diesem Anspruch gemessen wird. Der Tophotel-Test im Lindner Hotel Airport Düsseldorf ergab allerdings weder ein »besser« noch ein »anders«; die in mehreren Bereichen mangelhaften und einmal sogar ungenügenden Ergebnisse ließen im Gesamtergebnis bedauerlicherweise nicht einmal ein »gut« zu. Selbst wenn es – wie im Bankettverkauf – Lichtblicke gab, scheinen nicht für alle Abteilungen allgemein gültige Standards vorgegeben zu sein. Der völlig unzureichende Check-in ist hierfür ein gutes Beispiel. Aber auch und gerade im Housekeeping ist bei Beschäftigung einer Fremdfirma die penible Kontrolle durch eigene Mitarbeiter eminent wichtig. Insgesamt drängte sich beim Test der Eindruck auf, als fehle diesem Hotel eine strenge, ordnende Hand. Der schlechte Zustand des Saunabereichs ist allerdings wohl eher einem Investitionsstau zuzuschreiben.

Ergebnis: 58%

Testurteil: befriedigend

100-81 sehr gut;   80-61 gut;   60-41 befriedigend;   40-21 mangelhaft;
20-0 ungenügend.

Der Gesamteindruck ist nicht das arithmetische Mittel;
die Check-Bereiche sind unterschiedlich gewichtet!