Tourismus Warum der Schwarzwald immer mehr Südeuropäer anlockt

Den Titisee besuchten zuletzt fast doppelt so viele Menschen aus Spanien und Italien wie im selben Vorjahreszeitraum.
Den Titisee besuchten zuletzt fast doppelt so viele Menschen aus Spanien und Italien wie im selben Vorjahreszeitraum. © Stephan - stock.adobe.com

Immer mehr Touristen aus Südeuropa verbringen ihren Sommerurlaub im Schwarzwald. Die Region punktet mit kühleren Temperaturen – und profitiert von einem Trend.

Der Schwarzwald als kühlerer Gegenpol zum glühenden Süden Europas – mit dieser Absicht zieht es immer Spanier und Italiener in den Sommerurlaub nach Südbaden. „Es ist eine wunderschöne Region“, sagt Rocío Hurtado, die mit ihrem Mann und den beiden Töchtern von Barcelona aus mit dem Camper in den Schwarzwald gekommen ist. Der Temperaturunterschied zur noch heißeren Heimat Spanien war nach ihren Worten ein wichtiger Aspekt bei der Wahl des Urlaubsziels. Diesen Trend bezeichnen Tourismusverbände mittlerweile auch als „Coolcation“.

Auch in der Statistik macht sich dieser Trend bemerkbar. Die Schwarzwald Tourismus GmbH wertete Zahlen für den Schwarzwald aus, sie kommen vom Statistischen Landesamt Baden-Württemberg: Besonders dynamisch ist danach die Entwicklung bei Spaniern. 

Im vergangenen Jahr wurden knapp 199.000 Übernachtungen spanischer Gäste gezählt – das war ein Plus von 3,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im Zehnjahresvergleich seit 2015 stiegen die Übernachtungen aus Spanien sogar um 64 Prozent. Aus Italien kamen 2025 rund 194.500 Übernachtungen, ein Plus von 0,8 Prozent. Zusammen generierten beide Märkte im vergangenen Jahr mehr als 393.000 Übernachtungen.

Deutlicher Zuwachs an Touristen im Hochschwarzwald

Insbesondere im Hochschwarzwald sind die Zuwächse deutlich. Nach Angaben der Hochschwarzwald Tourismus GmbH stiegen die Übernachtungen aus Spanien in den Jahren nach der Corona-Pandemie dort zwischen elf und 46 Prozent pro Jahr.

Den Titisee besuchten zuletzt fast doppelt so viele Menschen aus Spanien und Italien wie im selben Vorjahreszeitraum. Man könne schon von einem anhaltenden Trend sprechen –wenngleich beide Märkte zusammen nur zwischen einem und zwei Prozent aller Gäste im Hochschwarzwald ausmachen.

Dass die Kühle tatsächlich ein Reisegrund ist, bestätigen auch beide Tourismusverbände. Den Rückmeldungen der Gäste zufolge spielten die hohen Temperaturen in der Heimat eine wichtige Rolle bei der Wahl des Urlaubsziels, berichtet die Hochschwarzwald Tourismus GmbH. Auch die Schwarzwald Tourismus GmbH erklärt, dass Wälder, Seen und Höhenlagen des Schwarzwalds ausdrücklich als attraktiver Gegenpol zu heißen Sommerperioden genannt werden.

Letztendlich doch wenig Unterschied zur Heimat

Wer durch die Freiburger Innenstadt spaziert, merkt schnell: Quasi überall ist auffallend viel Spanisch und Italienisch zu hören. Es würde sich mittlerweile sogar lohnen, Menükarten in Restaurants auf Spanisch anzubieten, sagt Cardenio Vásquez Avilés. Der Chilene bietet seit acht Jahren kostenlose Stadtführungen durch Freiburg an – ausschließlich auf Spanisch. 

Sein Konzept ist der Standard in Spanien: Die kostenlose Führung, bei der jeder am Ende zahlt so viel er oder sie möchte. „Die Spanier kennen nur diese Form. So funktioniert das dort.“

Insbesondere in den Sommermonaten und in der Weihnachtszeit sei der Andrang sehr hoch. Im Sommer bietet Avilés nach eigenen Angaben im Schnitt drei Touren am Tag an. Über die Jahre hinweg sei die Nachfrage stetig höher geworden, so sein Eindruck.

„Die Familien, die herkommen, denken, es ist frischer hier“, sagt Avilés. Im bisherigen Sommer ist zumindest in den Städten wenig Abkühlung zu finden. Das stellte auch Familie Hurtado fest. Die langärmligen Jacken seien entgegen der Erwartung bisher nicht angezogen worden. „Einen großen Unterschied zur Heimat macht es doch nicht“, sagte Rocío Hurtado schmunzelnd. Dem pflichtete auch Avilés bei: „Man muss schon in die Berge hoch oder tief in den Schwarzwald rein.“ Dennoch höre er immer wieder von den Teilnehmern seiner Führungen, wie sehr ihnen der Schwarzwald gefalle.

Größte Konzentration in den Sommermonaten

Die Zuwächse konzentrieren sich vor allem auf die Sommermonate. Gäste aus Spanien und Italien schätzen aber nicht nur die Kühle: Sie interessieren sich laut Hochschwarzwald Tourismus auch für authentische Erlebnisse wie die regionale Küche, alte Schwarzwaldhöfe, Naturhighlights und kulturelle Anziehungspunkte wie zum Beispiel den Dom St. Blasien.

Streng genommen ist der „Coolcation“-Trend jedoch kein neues Phänomen. Die Sehnsucht nach Kühle ist schon lange bekannt, die sogenannte Sommerfrische des 19. und 20. Jahrhunderts – das temporäre Umsiedeln von Städtern auf das Land oder in die Berge - beruhte auf genau demselben Motiv.

Gezielte Werbekampagne in Spanien

Die Branche hat den Trend zumindest erkannt und reagiert. Nach eigenen Angaben setzte die Schwarzwald Tourismus GmbH im vergangenen Jahr gezielt eine Kampagne im spanischen Markt um – mit dem Thema „Coolcation“ als einem der zentralen Werbeargumente. Auch die Zahl spanischer und italienischer Medien und Influencer, die über den Hochschwarzwald berichten, steigt laut der Hochschwarzwald Tourismus GmbH. dpa