Hoteltest im Waldorf Astoria BerlinBlick hinters Zoofenster


 MO. 31/10, 14:25 Uhr – Check-in

 

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»Sie haben ein Deluxe-Zimmer in der zehnten Etage. Für nur fünfzehn Euro mehr pro Nacht kann ich Ihnen ein Zimmer in der dreizehnten Etage anbieten mit noch schönerem Blick.« Das ist sehr freundlich von der elegant gewandeten Dame am Empfang, doch vermag auch sie mir nicht zu sagen, ob sich das Blick-Upgrade bei Nebel und Nieselregen lohnt. Es bleibt deshalb bei der zehnten Etage. Dass das WLAN 25 Euro pro Tag kostet, ist der Rezeptionistin spürbar peinlich, und das ehrt sie. Dass sie mir als Gast nicht blind trauen darf, verpackt sie in ein fein formuliertes »Auf Ihrer Kreditkarte reservieren wir 750 Euro für Ihren Aufenthalt.« Mein Gepäck hat ein guter Geist schon ins Zimmer gebracht.
Wertung: sehr gut

Zimmer 1012

Der weite Blick über die herbstlich gefärbten Bäume des Zoos ist auch aus dem zehnten Stock und bei trübem Wetter noch grandios. Definitiv ein USP des Hotels, das auf den obersten Stockwerken 50 Suiten beheimatet. Erfreulich auch die Tatsache, dass sich in der äußeren der doppelten Verglasung ein schmales Stück Fenster nach außen stemmen lässt. So kann ich Frisch­luftfanatiker ruhig schlafen – zumindest bis grölende Zecher die Nachtruhe stören. Das Deluxe-Zimmer (günstigste Kategorie) ist mit 42 Quadratmetern großzügig konzipiert und hat eine elegante Anmutung. Bei vielen Details schwingt das Thema »Luxus« mit – bei der Apple-Technik für TV und Radio beispielsweise, der Kunst an den Wänden oder der hochwertigen Bettausstattung. Der ovale Tisch lässt sich zum Essen und Arbeiten gleichermaßen nutzen und die raumhohe, goldhinterleuchtete Glasrückwand hinter dem Bett wirkt edel. Zimmer und Bad verfügen über eine Vielzahl unterschiedlicher Beleuchtungsszenarien, die – hat man sich einmal mit den Schaltern vertraut gemacht – Lichtstimmungen ganz nach Bedarf erzeugen. Es gibt einen Schminktisch mit beleuchtetem Spiegel, einen Bewegungsmelder für das Innere des Kleiderschranks und punktuelle Leselampen zu beiden Seiten des Bettes. Hochwertige Kleiderbügel, drei Telefone, Infomappe und Notizblock in feinem Leder sowie die Nespresso-Maschine stellen angenehme und formschöne Ausstattungsdetails dar. In der Nachttischschublade findet sich der Hinweis, dass auf Wunsch nicht nur Bibel und Koran zur Verfügung stehen, sondern auch Buddhismus, Hinduismus, Konfuzianismus, Taoismus und der jüdische Glaube mit dem entsprechenden Buch bedient werden können. Um mich als Luxusgast jedoch wirklich wohl zu fühlen, fehlt mir trotz dreier Stühle eine wirklich bequeme Sitzgelegenheit. Wo ist die Chaiselongue, von der im Internet die Rede ist? Und ich hasse es, meinen nassen Mantel mangels Garderobe in den Kleiderschrank hängen zu müssen. Dessen rötlich-helles Holz erinnert mich stark an mein Jugendzimmer, zumal es schon erstaunlich viele Macken aufweist. Auch an der Schiebetür, die das offene Bad vom Zimmer trennt und die immer wieder zurollt, ob man will oder nicht, ist Holz am Rahmen abgesplittert. Und der Schminktisch sieht für seine nicht einmal vier Jahre schon reichlich ramponiert aus. Ja, ich bin pingelig: Die Tassen sind zu klein für den großen Nespresso und das Aufregendste in der Minibar sind zwei Dosen Red Bull und die Preise. Fünf Euro kostet ein profanes Snickers, sechs Euro die Cola. Zwei Getränke sind deutlich über das Verfallsdatum hinaus, die Gläser teilweise so staubig und klebrig, dass ich nicht daraus trinken wollte. Ansonsten ist das Zimmer sauber.
Wertung: befriedigend

Bad

Zweierlei Marmor, begehbare Dusche, Badewanne, ein großer Waschtisch und ein separates WC, dazu die sehr gute Beleuchtung, der TV-Bildschirm im Spiegel, die kuschelig-weichen Bademäntel und die wohlduftenden Amenities von Ferragamo – das Bad macht einen luxuriösen Eindruck. Auch wenn die Duschtücher nur von durchschnittlicher Qualität und die Handtücher unsinnige 35 x 70 cm groß sind. Aber wer bitte hat das Bad geputzt? Und welche Hausdame hat es gecheckt? Auf den Glasböden des Waschtischs liegt Staub, die Armaturen und die Handbrause sind voller Kalkflecken, im Zahnputzbecher kleben Folienpartikel und wie die Toilettenschüssel unter dem Rand aussieht, darüber breite ich lieber den Mantel des Schweigens.
Wertung: mangelhaft

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