Die Hotellerie steht unter Druck: Hohe Energiekosten und strenge Klimaziele fordern neue Lösungen. Sebastian Stricker vom Heizungshersteller Remeha erläutert, wie Wärmepumpen, hybride Systeme und smarte Steuerungen Unternehmen dabei unterstützen, effizienter, nachhaltiger und zukunftssicher zu wirtschaften.
Hotel+Technik: Herr Stricker, das Produktportfolio von Remeha reicht vom Gas-Brennwertkessel über Wasserstofftechnologie und Hybridsysteme bis hin zu Solarthermie, Wärmepumpen, KraftWärme-Kopplung und intelligenter Speichertechnik. Was ist derzeit der große Trend?
Sebastian Stricker: Derzeit liegt der Fokus in der Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik auf nachhaltigen und energieeffizienten Lösungen. Wärmepumpen, Solarthermie und hybride Systeme sind begehrt. Wir erleben seit Inkrafttreten des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) eine verstärkte Nachfrage nach intelligenten Hybridsystemen, die fossile Energien mit erneuerbaren kombinieren. Diese Lösungen ermöglichen einen gesetzeskonformen Anteil von 65 Prozent an regenerativen Energien und sind besonders gefragt bei Sanierungen. Auch die Kreislaufwirtschaft und Digitalisierung, etwa durch KI und Big Data, gewinnen an Bedeutung.
Die Hotellerie steht angesichts steigender Energiekosten vor großen Herausforderungen. Wie erleben Sie diese Verunsicherung bei Ihren
Hotelkunden?
Viele Hoteliers suchen nach Möglichkeiten, ihre Energiekosten zu senken, ohne dabei den Komfort ihrer Gäste zu beeinträchtigen. Unser Team erlebt eine hohe Nachfrage nach Beratung zu energieeffizienten Lösungen und Förderprogrammen.

Es gibt viele Heizungssysteme für Hotels. Welche eignen sich für die Branche am besten?
Für Hotels eignen sich besonders Systeme wie Wärmepumpen, Blockheizkraftwerke (BHKW) und hybride Lösungen. Diese bieten Energieeffizienz sowie die Möglichkeit zur Integration in intelligente Gebäudetechnik, was den Betrieb optimiert und Kosten senkt.
Politik und Umweltverbände sehen in der Wärmepumpentechnologie einen zentralen Baustein dafür, die Energiewende im Gebäudesektor voranzubringen. Können Sie das näher erläutern?
Wärmepumpen sind zentral für die Energiewende im Gebäudesektor, da sie erneuerbare Energien nutzen und hohe Effizienz bieten. Sie reduzieren den CO₂- Ausstoß erheblich und können sowohl heizen als auch kühlen, was sie besonders vielseitig macht. Die Technik ist vor allem im Neubau sinnvoll – aber auch in Bestandsgebäuden, die gut isoliert sind oder die energetisch saniert werden.
Welche Arten von Wärmepumpen gibt es und welche eignen sich für Hotelgebäude?
Es gibt Luft-Luft-, Luft-Wasser-, Wasser-Wasser- und Sole-Wasser-Wärmepumpen. Für Hotels sind Systeme besonders geeignet, die effizient und leise arbeiten und sich gut in bestehende Gebäudetechnik integrieren lassen.
Wie sieht die Zukunft der Wärmepumpen im Hotelgewerbe aus, etwa im Hinblick auf Smart Buildings und Netzwerke wie Iot (Internet of Things)?
Die Zukunft liegt in der Kombination von Wärmepumpen mit Smart-Building-Technologien und Iot-Lösungen wie unserem Regelsystem „Mitera Plus“. Diese ermöglichen eine präzise Steuerung und Optimierung des Energieverbrauchs, was sowohl Kosten als auch Umweltbelastungen reduziert.
Welchen Herausforderungen begegnen Ihren Mitarbeitern bei der Installation von neuen Heizsystemen in bestehenden Hotelgebäuden am häufigsten?
Häufige Herausforderungen sind Platzmangel, Schallemissionen und die Integration neuer Systeme in bestehende Infrastruktur. Die kombinierte Gewinnung von Wärme und Strom macht Blockheizkraftwerke (BHKW) ressourcenschonend und effizient.
Wann entscheiden sich Hoteliers für diese Lösung?
Hoteliers entscheiden sich für ein BHKW, wenn ein hoher Wärme- und Strombedarf besteht, wie in Wellnessbereichen oder großen Küchen. Die Möglichkeit zur Eigenstromerzeugung macht ein BHKW besonders attraktiv bei steigenden Energiepreisen. Geschätzte 66 Millionen Heizgeräte – von insgesamt 103 Millionen in Europa installierten Anlagen – sind alt und ineffizient. Gleichzeitig ist die Renovierungsrate für Gebäude in Europa sehr niedrig, die Austauschrate für Heizgeräte liegt unter vier Prozent pro Jahr.
Was muss getan werden, um die Klimaziele der EU zu erreichen?
Um die Klimaziele zu erreichen, müssen Renovierungsraten erhöht und veraltete Heizsysteme schneller ausgetauscht werden. Zeitgemäße Wärmeerzeuger wie Wärmepumpen und Hybridlösungen können zur Umsetzung der gesteckten Ziele beitragen; ebenso Flüssiggase wie Dimethylether (DME) oder Wasserstoff. Förderprogramme und klare gesetzliche Vorgaben können beschleunigend wirken.
Und wie unterstützt Remeha Hoteliers konkret dabei?
Remeha bietet Heizlösungen wie hybride Systeme und Wärmepumpen an. Wir unterstützen unsere Kunden durch Beratung, unseren Förderservice und maßgeschneiderte Lösungen für ihre Anforderungen.
Von welchen staatlichen Förderungen oder Anreizen können Hoteliers profitieren, wenn sie auf moderne Heiz-Systeme umsteigen?
Hoteliers können von Programmen wie der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) profitieren, die Investitionen in nachhaltige Heizsysteme bezuschusst oder mit zinsgünstigen Krediten unterstützt.
Zur Person
Sebastian Stricker ist Leiter der Abteilung Anlagen- und Systemtechnik beim Heizungshersteller Remeha. Stricker kümmert sich um Systemberatung, Auslegung und Anlagenplanung für Großprojekte und ist damit erster Ansprechpartner für Wohnungswirtschaft, Planer, Projektierer und Architekten. Remeha mit Sitz in Emsdetten ist Teil der internationalen BDR Thermea Gruppe, die weltweit mehr als 6.800 Mitarbeitende beschäftigt und in fast 100 Ländern präsent ist. Das Produktportfolio reicht von Gas-Brennwertkesseln und Großwärmepumpen über Hybridsysteme bis hin zu Solarthermie, KraftWärme-Kopplung und intelligenter Speichertechnik.