"Versprochen, vertröstet, verraten" IHA kritisiert "zu niedrige" Regierungshilfen deutlich

IHA-Vorsitzender Otto Lindner (l.) und Hauptgeschäftsführer Markus Luthe (Bild: IHA)

Es hätte schon vor vielen Wochen eines politisch versprochenen Rettungsfonds für das Gastgewerbe bedurft, der jetzt in einer “Luftpumpe für die Hotellerie” namens Überbrückungshilfen mündet. Die IHA-Chefs Otto Lindner und Markus Luthe sind enttäuscht von der Bundesregierung – und äußern dies überaus deutlich.

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Regelmäßig melden sich die Chefs des Hotelverbands zu den aktuellen Entwicklungen in der Coronakrise und ordnen die politischen Entscheidungen für die Branche ein. Für ihren Kommentar zum Konjunkturpaket der Bundesregierung haben sich Luthe und Lindner etwas Zeit gelassen, dafür fällt die Kritik umso deulicher aus. “Versprochen, vertröstet, verraten. Statt eines bereits vor Monaten zugesicherten Rettungsfonds soll die Hotellerie als von der Corona-Krise besonders schwer betroffene Branche nun also in einigen Wochen – realistischer dürften wohl Monate sein – gedeckelte, allgemeine Überbrückungshilfe erhalten. Die wird für viele Betriebe nicht nur zu spät kommen, sie fällt mit maximal 150.000 Euro pro Unternehmen auch zu niedrig aus”, beginnen sie ihren aktuellen Blogpost “Zur Ordnung” auf Hotellerie.de.

Luthe und Lindner mutmaßen, dass es wohl doch die befürchtete Luftpumpe für die Hotellerie statt die vollmundig ausgelobten Bazooka sei, was vor rund zwei Wochen in Berlin verabschiedet wurde. Dazu wird ein Vergleich angeführt: Allein Lufthansa und TUI würden zusammen 10,8 Mrd. Euro und damit mehr als doppelt so viel Kredite und Kapitalhilfen erhalten wie das gesamte Gastgewerbe mit seinen 223.000 Unternehmen und 2,4 Millionen Beschäftigten. Luthe und Lindner: “Auf unser völliges Unverständnis stößt aber, dass die Bundesregierung nicht allen Hotels in Deutschland nach dem Grad der Betroffenheit helfen will. (…) Denn die Überbrückungshilfe soll nicht pro Betriebsstätte, sondern unter Anwendung eines „Konsolidierungsgebots“ nur pro Unternehmen gewährt werden.”

Politischer Markteingriff ohne Not

Gegenüber Tophotel wird Markus Luthe noch expliziter: Die deutsche Bundesregierung würde seines Erachtens ohne Rechtfertigung und Not massiv in den Markt eingreifen. “Wir fordern, dass die Überbrückungshilfe zwingend pro Betriebsstätte gewährt werden muss! Haushalterische Erwägungen stehen dem angesichts der Deckelung und des selbstgewählten Bazooka-Maßstabs jedenfalls nicht im Weg”, erklärt Markus Luthe (das vollständige Interview lesen Sie in der nächsten Ausgabe von Tophotel).

Bundestag und Bundesrat müssten nach Ansicht des IHA trotz der Beratungen im Schnellverfahren diesen Kardinalfehler im Regierungsentwurf unbedingt noch korrigieren. Das es anders geht, zeige ein Blick nach Österreich: “Während Deutschland Milliarden-Schirme aufspannt, die dann wegen des Kleingedruckten gar nicht abgerufen werden können, helfen unsere Nachbarländern ihren Hoteliers viel effektiver und ohne Widerhaken und Fußangeln bei der Betreiberstruktur.”

“Unbändiger Überlebenswille”

Mit Blick auf den Restart findet Luthe im Tophotel-Interview noch aufmundernde Worte für die Branche: “Die Hotellerie beweist einen unbändigen Überlebenswillen. Sie kämpft sich nach dem Shutdown langsam aus der schwersten aller bisherigen Krisen wieder heraus, nachdem sie viel zu lange ohne konkrete Wiedereröffnungsperspektive auskommen musste. Dafür leidet sie nun unter einem föderalen Flickenteppich an Regulierungen.” Aber auch dieses Chaos sollte sich nach Ansicht von Luthe in den nächsten vier Wochen wieder legen.

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