Benchmarking Verbrauchseffizienz beginnt beim Betreiber

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Hotels können im Bereich von Energie, Wasser und Wärme Kosten senken, ohne die Qualität des Gästeaufenthalts zu verringern. © SERHII - stock.adobe.com

Das Unternehmen UPB schafft datenbasierte Transparenz beim Energie-, Wärme- und Wasserverbrauch in Hotels. Ein Pilotprojekt mit 50 Berliner Mittelklassehotels liefert erste Hinweise.

Um Transparenz in eines der größten Kostenfelder der Hotellerie – Energie-, Wasser- und Wärmeverbräuche – zu bringen, wurde 2024 das Unternehmen UPB gegründet. Diese Bereiche bieten seltene Einsparpotenziale, ohne das Gästeerlebnis zu beeinträchtigen. Zugleich sind sie oft undurchsichtig und schwer zu verstehen.

Um versteckte Potenziale sichtbar zu machen, erstellt das Heidelberger Unternehmen personalisierte Benchmarking- Reports, in denen der Verbrauch eines Hotels mit relevanten Wettbewerbern verglichen wird. Bereits 50 Hotels nutzen diese Analysen, um gezielt Einsparpotenziale aufzudecken und ihre Profitabilität zu steigern, darunter Häuser führender Betreiber wie Essendi, B&B Hotels und Novum.

Flächenverteilung und Betreiber wichtiger als Gebäudetechnik

Nebenbei werden auch neue Erkenntnisse für die gesamte Branche gewonnen. Für die vorliegende Analyse wurden die Jahresverbrauchsdaten aus dem Jahr 2023 ausgewertet. Eine Datengrundlage, die erstmals Muster und Einflussfaktoren erkennen lässt. Ein entscheidender Faktor ist dabei offenbar die Verteilung zwischen Gästezimmern und öffentlichen Flächen: Je mehr Gesamtfläche auf ein einzelnes Zimmer entfällt, desto höher ist der Energie- und Wärmeverbrauch.

UPB Geschäftsführung Jeremias Wirtz Felicitas Hockemeyer
Das Pilotprojekt des Hotel-Start-ups UPB, gegründet von Jeremias Wirtz und Felicitas Hockemeyer, zeigt: Entscheidend für den Energieverbrauch sind vor allem das Betriebsverhalten und die Flächenverteilung. - © UPB

Baujahr, Heizsystem oder LED-Beleuchtung? In dieser Stichprobe spielten sie keine entscheidende Rolle. Selbst die Auslastung hatte überraschend wenig Einfluss. Vielmehr prägt eine konstant hohe Grundlast den Verbrauch. Insbesondere aber der Hotelbetreiber selbst hat spürbaren Einfluss: Bei vergleichbaren Hotels zeigten sich teils deutliche Unterschiede im Verbrauch, je nachdem, wer das Haus führt. Ursache dürften interne Abläufe, Schulungen oder Standards im täglichen Betrieb sein.

„Wenn über Energieeffizienz gesprochen wird, denkt man meist an Baujahr, Technik oder Gebäudesubstanz“, sagt Jeremias Wirtz, Geschäftsführer von UPB. „Unsere Daten zeigen: Auch das operative Handeln macht einen Unterschied. Dort liegen häufig unbeachtete Hebel.“

Implikationen für die Branche

Was bedeutet das für Betreiber? Sie haben mehr Einfluss auf Verbräuche und damit auf die Kosten als bisher angenommen. Jeder eingesparte Euro verbessert direkt die Profitabilität. Gerade im hart umkämpften Mid-Market-Segment ist das oft einfacher umzusetzen als Erhöhungen beim Zimmerpreis. Zudem zeigt sich der Vergleich mit Wettbewerbern als entscheidend. Denn ist ein Hotel unter einem Betreiber ineffizient, gilt das häufig für dessen gesamtes Portfolio. Eine Erkenntnis, die bei unternehmensinternem Benchmarking verloren geht.

Und was gilt für Hotelbesitzer? Die Wahl des Betreibers ist noch wichtiger, denn sie beeinflusst auch Nachhaltigkeitsratings und Immobilienbewertungen. Operative Effizienz und Profitabilität ist entscheidender Werttreiber. Für Hersteller technischer Gebäudeausrüstung: Gebäudetechnische Parameter zeigten in dieser Stichprobe keine eindeutigen Trends. Doch mit wachsender Datenbasis können künftig Muster erkennbar werden, die Grundlage für gezielte technologische Innovationen.

Ausblick: Smarte Daten für Entscheidungen

UPB plant zeitnah weitere Pilotprojekte in Hamburg, Frankfurt und München, um das Benchmarking bald bundesweit, später europaweit, auszurollen. Interessierte Betreiber können sich bei UPB auf einer Warteliste eintragen. „Unser Ziel ist es, jedem Hotelbetreiber personalisierte Reports mit einem relevanten Wettbewerbsvergleich zu bieten. Denn nur wer weiß, wo er steht, kann gezielt optimieren“, erklärt Wirtz.

Die Zukunft liegt in der intelligenten Verknüpfung von Daten: Smart Meter liefern präzise Verbrauchsdaten. Ihr volles Potenzial entfalten sie jedoch erst im Zusammenspiel mit Marktdaten und branchenweiten Benchmarks. UPB unterstützt Betreiber bei der Installation smarter Zähler, denn je granularer die Daten, desto klarer zeigen sich Einsparpotenziale. In Zukunft sollen auch Daten aus Property-Management-Systemen integriert werden, etwa Gästeprofile oder Aufenthaltsmuster. So entstehen noch tiefere Einblicke und neue Möglichkeiten, den Betrieb gezielt zu steuern. red/ik

Über UPB

Die UPB Utilities Performance Benchmarking GmbH wurde 2024 von Jeremias Wirtz und Felicitas Hockemeyer gegründet. Das junge Unternehmen unterstützt Hotelbetreiber dabei, Energie-, Wärme- und Wasserverbräuche besser zu verstehen und zu steuern. Mit datengestützten, anonymisierten Benchmarking-Reports schafft UPB Transparenz auf Portfolio- und Einzelhausebene. Das Interesse der Branche ist nicht zuletzt aufgrund des Kostendrucks groß, unter anderem wurden sie für den IHA Start-Up Award nominiert. Das Ziel bleibt klar: Verbräuche in der Hotellerie kontextualisieren, denn Transparenz fördert Effizienz.