Hotelmarkt Usedom-Tourismus kämpft gegen den Kostendruck

Luftbild vom Bansiner Strand mit Seebrücke und Promenade
Mit modernen Konzepten stellen sich Hoteliers auf Usedom neu auf. © Motivthueringen8 – stock.adobe.com

Hoteliers auf Usedom passen sich mit modernen Konzepten an, um gegen gestiegene Kosten, Fachkräftemangel und starke Konkurrenz aus dem polnischen Teil der Insel anzukommen.

Hochwertige Apartmentanlagen mit Hotelservices führen die aktuellen Neubauprojekte auf Usedom an. Im Mai 2023 eröffnete in erster Strandreihe von Ahlbeck das The Breeze der Vela Hotels AG. Es umfasst 126 Einheiten von 23 bis 90 Quadratmeter, meist mit Meerblick, Küchen sowie Balkon, Terrasse oder Wintergarten. Highlights sind der Kamin und die Privatsauna in den Kategorien Family Living with Fire und Big Family Living sowie die beeindruckenden Penthouse-Suiten mit Dachterrasse.

„Wir bieten Eigentümern zwei Möglichkeiten, ihre Apartments zu vermieten. Beim Pachtmodell erhalten sie eine garantierte Rendite plus Gewinnbeteiligung. Im Vermittlungsmodell bekommen sie die Einnahmen abzüglich einer Vermittlungsprovision. Eigennutzung ist in beiden Modellen möglich,“ erklärt Alexander Doerr, Vela-CEO und Mitaktionär. Die Vermietung erfolgt ausschließlich über Vela, andere Vermittler sind ausgeschlossen. Die Vermarktung erfolgt direkt durch Vela oder über klassische OTAs. „Auf Usedom nutzen wir vorwiegend unsere eigene Website und arbeiten nicht mit Reiseveranstaltern oder Busgruppen zusammen,“ so Doerr.

Frischer Wind auf der Insel

Das Design des The Breeze soll – wie der Name suggeriert – eine frische Brise auf die Insel bringen. Es ist modern, mit viel Glas gestaltet und fügt sich dabei nahtlos in die historische Seebäder-Architektur ein. Im Inneren dominiert ein lässiger maritimer Chic mit Naturmaterialien und -farben sowie viel Weiß. Die Gäste betreten das Haus durch eine großzügige Lobby, die fließend in den Barbereich und das Restaurant „Braca“ mit Terrasse zur Promenade übergeht. Seine Küche lässt sich als eine Melange baltischer, spanischer und italienischer Einflüsse beschreiben. Es gibt viel Fisch, Fleischfans dürfen sich unter anderem über Steaks vom Lava­grillstein freuen. Die Preise für Vorspeisen starten bei 13 Euro, Hauptgänge bei 26 Euro. Bei den ebenfalls angebotenen Pizzen, auch zum Mitnehmen, beginnt der Preis bei 14 Euro.

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    The_Breeze_Außenansicht
    © The Breeze
    Luftig: Die modern-maritime Fassade des The Breeze fügt sich gekonnt konstrastiert in die Seepromenade ein.
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    Lobby im The Breeze
    © The Breeze
    Leicht: In der Lobby des The Breeze setzt sich die lässige Unaufdringlichkeit in der Gestaltung fort.
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    Außenansicht der Ostsee Residenz Seebad Heringsdorf
    © Seetelhotel Ostseeresidenz Heringsdorf
    Die Ostseeresidenz, gebaut im Villenstil der Heringsdorfer „Kaiserbäder“- Architektur.
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    Ostsee_Residenz_Apartment
    © Seetelhotel Ostseeresidenz Heringsdorf
    Auch in der Residenz prägt maritimer Chic die großzügigen Ferien­­­­­woh­nungen.
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    Brauhaus_Usedom
    © Seetelhotel Ostseeresidenz Heringsdorf
    Rustikales Ambiente und Erlebnisgastronomie werden im Usedomer Brauhaus zelebriert.

Vela-CEO Doerr war es bei der Mitentwicklung des F&B-Konzepts wichtig, das Lebensgefühl des Hotels auch externen Gästen zu vermitteln. Das Braca werde sowohl von Hausgästen als auch von den Bewohnern umliegender Apartmenthäuser gut angenommen, ebenso der kleine Laden „Bagged“ mit Coffee-Shop. Er bietet neben Kaffeespezialitäten aus der Siebträgermaschine, Tee und frischen Backwaren unter anderem auch Aufschnitt, Käse, Eier und Milch, Feinkost aus der Region, Souvenirs, Sonnencreme oder Zeitungen. Der externe Eingang zum Laden führt über eine Terrasse mit Loungemöbeln. „Hier haben wir Morgensonne, und es kommt häufig vor, dass Familienmütter und -väter aus den umliegenden Apartmenthäusern dort zuerst mal einen Kaffee trinken, bevor sie mit den Brötchen zu ihren Familien zurückkehren“, so Alexander Doerr.

Ziel der Vela Hotels ist es, ein lässiges, luxuriöses Urlaubsambiente auszustrahlen und dabei so viel Service zu bieten, wie die Gäste es sich wünschen. Wer im Apartment kochen möchte, kann dies tun, es kommt aber eher selten vor, und fast alle Gäste buchen das Frühstück für 30 Euro im Restaurant. Zum The Breeze gehört ein 1.000 Quadratmeter großer Wellnessbereich mit 15-Meter-Indoorpool, vier Saunen, Eisbrunnen, Kneippbecken, Feuerstelle und drei Anwendungsräumen. Zudem gibt es eine Waschküche und einen Hundewaschraum, in dem Hundehalter ihre Lieblinge nach dem Strandspaziergang säubern können. In der Tiefgarage warten 50 E-Ladestationen auf die entsprechenden Fahrzeuge.

Obwohl als Resort-Hotel konzipiert, gibt es immer wieder Nachfragen von Firmen, insbesondere aus Berlin, die im The Breeze kleinere Kreativmeetings oder Events durchführen möchten. Möglich ist dies im „Seaside Room“ für Meetings und Workshops mit 20 bis 60 Teilnehmenden. Für Events im Freien wie Sommerpartys und Empfänge mit bis zu 80 Personen bietet das Hotel die Lobby & Bar mit Terrasse an. Auch über Aktivitäten für Kinder denkt das Team nach. „Aufgrund der räumlichen Gegebenheiten können wir keinen Kids Club anbieten. Zukünftig werden wir jedoch Outdoor-Aktivitäten ermöglichen, zu denen man seine Kinder anmelden kann“, erläutert Alexander Doerr.

"Die Möglichkeiten, Usedom mit der Bahn zu erreichen, sind derzeit noch ausbaufähig."

Alexander Doerr, CEO und Mitaktionär der Vela Hotels

Im ersten Quartal 2024, der ersten Nebensaison des The Breeze, erreichte das Hotel eine Auslastung von über 50 Prozent. „An Ostern, Silvester und am Weltfrauentag waren wir ausgebucht“, berichtet Doerr. „Wir blicken zuversichtlich auf die Sommersaison und freuen uns, dass unser Lifestyle-Konzept bei den Gästen gut ankommt.“ Nach Mitbewerbern gefragt, nennt er klassische umliegende Hotels wie das Travel Charme Hotel, das Steigenberger Grandhotel oder den zu den Seetelhotels zählenden Ahlbecker Hof.

Seetelhotels setzen auf Expansion

Auch Rolf Seelige-Steinhoff, Geschäftsführender Gesellschafter der Seetelhotels, die seit 1992 auf Usedom aktiv sind, plant mit dem Mare Baltikum in Bansin derzeit ein weiteres Projekt, das die Annehmlichkeiten eines Apartments mit Hotelservices kombiniert. Seine Gruppe betreibt ein Hotel auf Mallorca sowie 16 Hotels und Apartmenthäuser auf Usedom und ist damit sowohl Platzhirsch der Insel als auch mit rund 500 Mitarbeitenden ihr größter Arbeitgeber.

Gemeinsam mit seinem Team arbeitet Seelige-Steinhoff nicht nur an der organischen Expansion seiner Gruppe, sondern auch daran, die Synergien zwischen den bestehenden Häusern zu optimieren. Im März 2021 bezog die Hauptverwaltung der Seetelhotels dafür neue Räume in der historischen Villa Gerda im Seebad Bansin, wo heute rund 35 Mitarbeitende der Abteilungen zentrale Reservierung, Finanzbuchhaltung, IT, Bauen, Grafik und Geschäftsleitung beschäftigt sind. Zudem ließ Seelige-Steinhoff auf dem Villengrundstück acht Tiny Apartments für neue Teammitglieder errichten.

Nächste größere Investitionen der Seetelhotels sollen in den Ausbau des historischen Hotels Esplanade in Heringsdorf sowie in das Mare Baltikum fließen, ein in erster Strandreihe geplantes 70-Suiten-Aparthotel mit Einheiten in einer Größe zwischen 50 und 120 Quadratmetern. Drei verbundene Häuser bilden den Komplex mit Wellness-Bereich, 114 Tiefgaragenplätzen und einer Rooftop-Bar mit 120 Sitzplätzen. „Dieses Haus wird keine eigene Rezeption erhalten. Die Infrastruktur wird durch das nahegelegene, 2017 eröffnete Seetelhotel Kaiserstrand organisiert“, erläutert Seelige-Steinhoff, der mit ähnlichen Synergien bereits Erfahrung hat. So werden auch die direkt nebeneinander liegenden Betriebe in Heringsdorf, die Ostseeresidenz, das Hotel Esplanade und die Villa Aurora über die Rezeption des Pommerschen Hofs betreut. Ihre Gäste nutzen zudem gemeinsam eine Tiefgarage sowie den Wellnessbereich „Shehrazade“. 

Seelige-Steinhoff, dem im April mit der Brillat-Savarin-Plakette die höchste gastronomische Branchenauszeichnung verliehen worden war, weiß, dass einer Destination mit Apartments allein nicht gedient ist. Das ebenfalls zu seiner Gruppe zählende erfolgreiche Usedomer Brauhaus in Heringsdorf soll daher ebenfalls zeitnah von 150 Sitzplätzen auf 280 ausgebaut werden.

Hotels auf Usedom

Deutscher Teil:   

  • 111 Hotels, davon 34 Hotels garni, mit insgesamt  
  • 12.105 Betten; ohne Hotels garni: 10.743 Betten

Polnischer Teil:   

  • 12.000 angemeldete Übernachtungsmöglichkeiten in Hotels, Erholungszentren
    und Gästezimmern  

(Quelle: Usedom Tourismus GmbH)

Aufholjagd in Swinemünde

In das Jahr 2024 starteten sowohl das The Breeze als auch die Seetelhotels gut, doch angesichts der wachsenden wirtschaftlichen Herausforderungen sinkt derzeit die Stimmung aller Hoteliers im deutschen Teil der Insel. Sie blicken dabei besorgt auf die Entwicklung ihrer Mitbewerber: Rund um Swinemünde auf der polnischen Seite der Insel entwickeln sich Infrastruktur und Hotellerie rasend schnell. Von Berlin aus erreicht man die Stadt heute in weniger als drei Stunden über die Autobahn und durch einen Meerestunnel. „Angedacht war dieser schon von Kaiser Wilhelm, Polen hat ihn jetzt realisiert“, so Seelige-Steinhoff. Parallel zur Autobahn wird die Bahntrasse nach Swinemünde ausgebaut. „Die Möglichkeiten, Usedom klima-freundlich mit der Bahn zu erreichen, sind derzeit noch ausbaufähig“, bemerkt Doerr diplomatisch. Rügen hingegen erreiche man bequem mit dem ICE.

Seelige-Steinhoff ärgert sich aber auch über die Wettbewerbsverzerrung durch das unterschiedliche Lohnniveau. In Polen liege der Mindestlohn derzeit bei einem Drittel des aktuellen deutschen Lohns, knapp über 600 Euro. Zudem seien polnische Hotels in den letzten Jahren teilweise zu 50 Prozent von der EU gefördert worden. Niedrigere Kosten, niedrigere Preise: Nach Swinemünde reisen immer mehr deutsche Gäste. „Wenn man dort durch die Straßen geht, könnte man meinen, man sei in Berlin“, sagt Seelige-Steinhoff. Auch Doerr attestiert der Stadt eine extreme Lebendigkeit und hebt insbesondere die Sushi-Bar des dortigen Hilton Hotels hervor.

"Wenn man in Swinemünde durch die Straßen geht, könnte man meinen, man sei in Berlin."

Rolf Seelige-Steinhoff, Geschäftsführender Gesellschafter der Seetelhotels

Vor einigen Wochen berichtete die Ostsee-Zeitung von unzufriedenen Hoteliers im deutschen Teil Usedoms. So klagte Tim Dornbusch, Hotelier des Baltic Hotels in Zinnowitz, dass die steigenden Kosten ihn zu einer signifikanten Erhöhung der Zimmerpreise gezwungen hätten, wofür er jetzt die Zurückhaltung der Gäste zu spüren bekomme. „Die Leute wollen verreisen, aber sie schauen sehr genau auf den Preis“, so der Hotelier. Auch im Hochsommer rechne er nicht mit mehr als 70 Prozent Auslastung, er habe seine Belegschaft von rund 140 auf nur noch 100 Mitarbeitende reduziert. Auf der polnischen Seite Usedoms gebe es ein immer besseres Gastronomieangebot direkt am Strand mit Champagnerbars und tollen Fischrestaurants.

Internationale Marken scheinen den polnischen Teil der Insel ebenfalls attraktiver zu finden als den Westen. Hilton ist sowohl mit einem Hilton als auch mit einem Hampton by Hilton in Swinemünde vertreten, ebenso Radisson Blu. Marken im deutschen Teil der Insel sind neben den Seetelhotels und Vela Steigenberger (Heringsdorf), Travel Charme (Bansin und Heringsdorf), Dorint (Baltic Hills Golfhotel) oder Arcona (Kaiserhof Heringsdorf). Was neue touristische Projekte im deutschen Part anbelangt, so sind der Usedom Tourismus GmbH (UTG) neben dem Mare Baltikum derzeit bekannt: ein Viersterne-Familienhotel mit 130 Zimmern in Karlshagen, dessen Baubeginn bereits von 2020 auf 2024 verschoben wurde, und ein weiteres Hotel in Heringsdorf, für das aber zunächst noch ein marodes Einkaufszentrums neben der Seebrücke abgerissen werden müsste. Bereits in diesem Sommer solle aber definitiv die Luxus-Apartmentanlage „Strandterrasse“ in Ahlbeck eröffnen.

Als Antwort auf die preisgünstigeren Angebote in Polen bleibt den Akteuren im deutschen Teil neben der Prozessoptimierung vor allem das Schaffen zusätzlicher Anreize. Auch hierbei ist Seelige-Steinhoff eine treibende Kraft. Durch seine Kreativität und Unterstützung mutierte das Usedomer Musikfestival zu einem international respektierten Ereignis, für das im Vorjahr 14.000 Eintrittskarten verkauft wurden. Zum Saisonauftakt 2011 initiierte Seelige-Steinhoff erstmals die Usedomer Literaturtage, ein inzwischen höchst angesehenes und medienwirksames Event. Zum Renner am Strand zwischen Ahlbeck und Bansin entwickelte sich seit 2005 zudem die kulinarische Strandwanderung „Grand Schlemm“, an der sich die Seetelhotels mit mehreren Häusern beteiligen.