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StartHotel+TechnikUnikate statt Sterne::Florian Weitzer über Individualität beim Design

Unikate statt SterneFlorian Weitzer über Individualität beim Design

Mehr als 110 Jahre ist die Familie Weitzer im österreichischen Hospitality-Business tätig. Seit 2003 prägt Florian Weitzer die fünf Hotels der gleichnamigen eigentümergeführten Holding. Mit Hotel+Technik spricht er über Individualität beim Design, den Prozess des Vorwärtszelebrierens und seine Expansionspläne. 

Hotel+Technik: Herr Weitzer, alle Florian Weitzer Hotels sind „unique“. Woran sind sie dennoch als Teil einer Gruppe zu erkennen?

Florian Weitzer: Es ist kein Geheimnis, dass man einzigartig sein muss, um im Hotelgeschäft zu überleben. Deshalb versuchen wir, je nach Standort, ganz besondere Details für unsere Gäste erlebbar zu machen. Die Beispiele reichen von der Hängematte oder Malstaffelei im Zimmer über Bienenstöcke oder einen rundum verglasten ‚Loftcube‘ auf dem Hoteldach bis hin zu E-Vespas zum Ausleihen oder Wiener-Schnitzel- und Apfelstrudel-Kochkurse in der offenen Salonküche.

Gemeinsam haben all unsere Hotels eine tolle Lage und ein attraktives Interior. Außerdem zeichnet sie der behutsame Umgang mit der Geschichte der jeweiligen Immobilie aus – das ist die verbindende Klammer unserer Projekte.

 

Ihnen ist es wichtig, historische Substanz „nicht rückwärts zu denken, sondern vorwärts zu zelebrieren“. Was bedeutet das genau?

In erster Linie heißt es wohl, alte Bauwerke von besonderem Flair zeitgemäß zu interpretieren. Das Grand Ferdinand in Wien zum Beispiel bekam bei seiner Eröffnung 2015 den alten Glanz zurück. Bis zu seiner Zerstörung im Zweiten Weltkrieg war es ein Ringstraßenpalais. Dann wurde es in den 1950er-Jahren als schlichtes Bürogebäude wiederaufgebaut.

Daran erinnern nun wiederum die restaurierte denkmalgeschützte Fassade aus Sandstein und Granit sowie zahlreiche kleine Details – von den Duschwänden aus Glasbausteinen bis hin zu den drehbaren Keramik-Lichtschaltern. Was unseren Prozess des Vorwärtszelebrierens also kennzeichnet, ist, dass wir immer Reminiszenzen an die Geschichte einbauen und dies mit modernem Lifestyle kombinieren.

Woher nehmen Sie Ihre Inspiration?

Oft sind es auf privaten Reisen gesammelte Eindrücke, die eine neue Idee ankurbeln. Mitunter ist es eine Entscheidung aus dem Bauch heraus, auch in Zusammenarbeit mit meinem Team, die Veränderungen gedeihen lässt. Wir sind keine große Hotelkette, können also schnell da und dort nachjustieren oder Neues entstehen lassen. Es gibt aber auch Ideen, deren Realisierung zuerst aussichtslos erscheint, die ich aber mit Blick aufs Ziel hartnäckig weiterverfolge.

So heißt unser Restaurant im Grand Ferdinand Meissl & Schadn. Dass wir es so nennen dürfen wie das um 1900 berühmte Restaurant der legendären österreichischen Küche, ist das Ergebnis jahrelanger Bemühungen. Ebenso wie der schlussendliche Kauf des ehemaligen Kurhauses Semmering. An diesem Anwesen hat mich fasziniert, wie die Städter hier damals mit ihren Künstlern die Sommerfrische verbracht haben. Und genau dieses Lebensgefühl möchte ich mit der Eröffnung des Grand Semmering wiederaufleben lassen.

Das Grand Semmering wird voraussichtlich 2025 eröffnet. Gibt es weitere Expansionspläne?

Beim Grand-Semmering-Projekt befinden wir uns in der finalen Genehmigungsphase, aber es wird noch mindestens drei Jahre dauern, bis wir das neue Hotel eröffnen. Ein weiteres Ziel, das wir nicht aus den Augen verlieren, ist die internationale Expansion mit der Marke Meissl & Schadn. Das kulinarische Kulturgut Österreichs in Städten wie Berlin, Hamburg oder New York vorzustellen, würde mir sehr gefallen. In Salzburg betreiben wir ja seit Frühsommer 2021 bereits unser erstes eigenständiges Restaurant ohne Hotelanbindung.

Was müssen eine Immobilie und ein Standort mitbringen, damit Sie „Ja“ sagen?

Diese Frage kann ich am besten mit der Entscheidung für den Kauf des ehemaligen Kurhauses Semmering erläutern. Obwohl der Umbau eine sehr umfangreiche und kostspielige Herausforderung darstellt, haben mich die architektonische Einzigartigkeit des Gebäudes, die imposante Landschaft und die Geschichte als eines der europaweit stilvollsten Hotels seiner Zeit berührt. Letzteres ist genau der Anspruch, dem wir uns nun erneut stellen. Unser Ziel muss es sein, diesem einzigartigen Ort wieder neues Leben einzuhauchen und ihm die Würde zurückzugeben, die er zu seinen Glanzzeiten hatte.

Wie haben Sie den Bestandshotels, die Sie von Ihrem Vater übernommen haben, Ihren Stempel aufgedrückt, sie zu Florian-Weitzer-Hotels gemacht?

Als ich 2003 die Geschäftsführung in vierter Generation übernahm, hatten wir die drei Grazer Hotels im Repertoire. Während mein Vater die Hotels zuvor nach internationalen Standards ausrichtete, war mir schnell klar, dass mein Weg mich Richtung Off-Standard abseits gängiger Hotelkonventionen führen wird. In den vergangenen zehn Jahren folgten mit dem Daniel Vienna und dem Grand Ferdinand zwei Hotels in Wien. Ganz egal aber, ob sich das jeweilige Konzept an urbaner Lässigkeit, einem Mix aus Alt und Neu oder elegantem Ringstraßenambiente orientiert: Mir ist wichtig, dass all unsere Häuser und Restaurants ein in sich stimmiges Gesamtbild ausstrahlen.

Sie verzichteten 2020 sogar auf die fünf Sterne des Grand Hotel Wiesler in Graz. Warum braucht es keine Sterne?

Die Hotelsterne habe ich 2010 im damaligen einzigen Fünfsternehaus der Stadt eigenhändig abmontiert. Gut zu schlafen, zu duschen und zu essen sind ohnehin Voraussetzung, aber ob nun ein Telefon mehr oder weniger im Badezimmer hängt, ist mir nicht wichtig. Wir nennen das altehrwürdige Haus weiterhin Grand Hotel, kommen aber ohne verstaubten Pomp aus. Im Gegenteil, der gebotene Luxus soll weltoffen und leichtfüßig daherkommen – und nicht klassisch wie in einem Korsett.

Stefanie Hütz

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