Umsatzbringer Generation 50 plusStudie zeigt, wie Hotelzimmer technisch ausgestattet sein sollten

HGK erweitert mit dem "Chefs Cockpit" das digitale Angebot. (Bild: BlurryMe/Shutterstock.com)

In Deutschland steigt die Lebenserwartung, aber immer weniger junge Menschen kommen nach. Für die Hotellerie bedeutet das, dass sie sich auf die Ansprüche der Best Ager einstellen muss. Eine Studie zeigt, wie für sie Hotelzimmer technisch ausgestattet sein sollten.

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Die wachsende Altersgruppe der Best Ager ist als Zielgruppe ausgesprochen attraktiv für die Reisebranche. Bereits heute wird jeder dritte Euro, der hierzulande in den Konsum investiert wird, von den ab 60-Jährigen ausgegeben. Welche Ansprüche und Bedürfnisse haben Best Ager an ein Hotel, die Zimmer und deren technische Ausstattung? Diesen Fragen sind Studenten der Hochschule Heilbronn für das Projekt Hospitality nachgegangen. Die Firma Kraft Com unterstützt die Studie.

Generation 50 plus ist technikaffin

Laut Angaben des Statistischen Bundesamts im Jahr 2018 nutzten mehr als 90 Prozent der 45- bis 64-Jährigen und mehr als 56 Prozent der ab 65-Jährigen das Internet. Der Anteil der ab 65-jährigen Männer, die das Internet nutzen, ist von 2011 bis 2018 um über die Hälfte angestiegen. Bei den Frauen dieses Alters hat sich die Internetnutzung im gleichen Zeitraum sogar mehr als verdoppelt. Besonders Smartphones sind bei der Generation 50 plus sehr beliebt. Laut der Umfrage der Hochschule Heilbronn besitzen nur 12 Prozent der Best Ager kein solches Gerät. Zudem verwendet von den 50- bis 69-Jährigen rund jeder Zweite mindestens einmal in der Woche ein Tablet. Die Mehrheit dieser Altersgruppe gab außerdem an, am besten mobil erreichbar zu sein. Dabei nutzen sie überwiegend Whatsapp als Social-Media-Kanal, gefolgt von Facebook und Skype.

Projekt Hospitality: Seniorengerechtes Hotel

Wie technikaffin die ab 50-Jährigen sind, zeigt sich in der Untersuchung der Hoschschule Heilbronn bereits bei der Frage nach der Art und Weise, wie sie das Hotel buchen. Über alle befragten Altersgruppen hinweg ist mit 39 Prozent die Nutzung von Internetreiseportalen die beliebteste Art und Weise der Buchung, gefolgt von der Direktbuchung über die Webseite des Hotels (27 Prozent). Aber auch die Direktbuchung per E-Mail, Fax oder Telefon ist mit 21 Prozent noch verbreitet, wobei innerhalb der Befragten die 50- bis 54-Jährigen mehrheitlich (52 Prozent) Internetreiseportale für die Buchung nutzen.

Die wichtigsten Kriterien für die Auswahl des Hotels sind bei den Best Agern der Reihenfolge nach das Preis-Leistungs-Verhältnis, die Freundlichkeit des Personals, die Lage des Hotels und die technische Ausstattung. Für mehr als jeden zweiten der 50- bis 54-Jährigen sowie der 60- bis 64-Jährigen ist die technische Ausstattung des Hotelzimmers ein wichtiges Auswahlkriterium. Ein schnelles WLAN gilt in allen Altersgruppen als essenziell.

Technische Ausstattung im Detail

Eine deutliche Mehrheit der Befragten gab an, dass sie ein Tablet auf dem Hotelzimmer  nutzen würde, wenn es vorhanden ist. 75 Prozent der befragten Best Ager würden es beispielsweise zum Abrufen des Wetterberichts, von Ausflugstipps und von Hotelinformationen nutzen. Zwischen 52 und 71 Prozent gaben an, ein vorhandenes Tablet für Restauranttipps, Bestellungen, Buchungen von Wellnessangeboten, zum Check-out, zur Hotelbewertung und für eine Rechnungseinsicht zu verwenden. Rund jeder dritte Umfrageteilnehmer würde damit, wenn möglich, telefonieren, die Zimmersteuerung zum Beispiel für Heizung oder Klimaanlage bedienen oder Social-Media-Kanäle nutzen. Sprachsteuerung mittels eines Sprachassistenten ist hingegen weniger beliebt.

Einen mobilen Zimmerschlüssel nutzt innerhalb dieser Personengruppe laut Umfrage nur rund ein Prozent. Ganz ähnlich sieht es mit der Zimmersteuerung über eine App auf dem Handy aus. Kaum jemand der befragten über 50-Jährigen nutzt dies (2 Prozent) und gerade einmal 21 Prozent der Best Ager sind an dieser Digitalisierungstechnologie interessiert. Wer sich auf diese Personengruppe konzentriert, sollte in diesen Bereichen zweigleisig fahren und die klassischen Wege der Raumöffnung und -steuerung nicht außer Acht lassen.

Hilfestellung zur Nutzung

Je älter die Befragten, desto größer ist deren Skepsis gegenüber den neuen Techniken. „Die Angst, etwas falsch zu machen und beispielsweise Programme oder Informationen vom Tablet zu löschen, ist bei Älteren weit verbreitet“, betont Ingo Kraft, Geschäftsführer von Kraft Com, aus Erfahrung und ergänzt: “Deshalb war es uns im Rahmen dieser Untersuchung wichtig zu erfahren, welche Hilfestellungen sinnvoll sind, um die Nutzung zu erklären.” Unabhängig vom Alter bevorzugen alle, die Unterstützung benötigen, so ein weiteres Ergebnis der Studie, eine klassische Anleitung in Papierform (36 Prozent). Aber auch eine kurze Einweisung durch einen Mitarbeiter wird gerne genutzt (27 Prozent). Auffällig: Videos, welche die Bedienung zeigenund erklären, werden gerade einmal von 8 Prozent der Befragten präferiert. 15 Prozent der Befragten gaben übrigens an, gar keine Unterstützung zu benötigen.

Best Agers legen sowohl bei der Ausgestaltung der Benutzeroberfläche des Hotelfernsehers (Startbildschirm) als auch bei Bewertung einer Tablet-Oberfläche großen Wert darauf, dass diese nicht nur informativ, sondern auch übersichtlich und leicht abzulesen sind. “Diese Aspekte berücksichtigen wir bei der Gestaltung, beispielsweise durch die Verwendung von Kacheln, um die Inhalte zu strukturieren, sowie durch gut lesbare Schriften”, sagt Kraft. Zugleich würde darauf geachtet werden, dass die Inhalte den Präferenzen entsprechen, also zum Beispiel die öffentlich-rechtlichen Sender einfach abrufbar sind.

Die Studienautoren heben hervor, dass es für die Hoteliers wichtig sei, für neue Techniken zu werben und deren Mehrwert zu vermitteln – dies kann bereits im Buchungsprozess erfolgen, beispielsweise indem man auf diese digitalen Lösungen auf der hoteleigenen Webseite oder im Buchungsportalgezielt hinweist. Ein Imagefilm in der Lobby könnte dann die Nutzung von digitalen Diensten, wie des mobilen Zimmerschlüssels, der Sprachsteuerung oder des Tablets erklären. Wobei auch hier darauf zu achten ist, dass dies zielgruppengerecht erfolgt. Eine kurze, einfache Bedienungsanleitung auf dem Zimmer, welche beispielsweise die Nutzung des Tablets für die Zimmersteuerung erklärt und gleichzeitig die Angst nimmt, erleichtert der Personengruppe 50 plus zusätzlich den Einstieg. “Durch Einführung der genannten Technologien besteht die Möglichkeit, den Kunden eine zusätzliche Leistung anzubieten, welche über deren Erwartungen liegt und somit einen Mehrwert generiert”, so die Studienautoren abschließend.

Hintergrundinformationen zum Projekt Hospitality

Die wissenschaftliche Arbeit wurde im Sommersemester 2019 von Studenten der Hochschule Heilbronn an der Fakultät International Business, Hotel- und Restaurantmanagement sowie Tourismusmanagement angefertigt. Sie wurde von der Firma Kraft Com unterstützt und setzt sich mit der Frage “Welche technischen Anforderungen und Herausforderungen stellt die Altersgruppeder über 50-Jährigen an den Gastbereich eines Hotels?” auseinander. Hierfür wurde eine quantitative Studie auf Basis einer Onlinebefragung, an der 627 Personen mit einem Alter ab 50 Jahren teilnahmen, erstellt.

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