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StartPeople & BrandsBrandsUmgestaltung des Entners: Evolution statt Revolution

Umgestaltung des EntnersEvolution statt Revolution

Das Entners am See erfindet sich seit seiner Eröffnung 1954 immer wieder neu. Für die jüngsten Umbauten und Erweiterungen sind die Wiener BWM Architekten verantwortlich, die das Tiroler Hotel als „Haus voller Orte“ bezeichnen und bei der Umgestaltung auf Evolution statt Revolution setzen.

Rund 35 Kilometer östlich von Innsbruck, auf knapp 1.000 Metern Seehöhe gelegen, zeigt der kleine Ort Pertisau zwei ganz unterschiedliche Gesichter. Im Westen befindet sich das steil aufragende Karwendelgebirge, das sich über drei hier einmündende Täler gut zu Fuß oder mit Langlaufskiern erkunden lässt. Im Osten liegt der Achensee – der mit rund sieben Quadratkilometern größte See Tirols. Das Entners am See ist eines der wenigen Hotels in Pertisau, die direkt an der Uferpromenade stehen und den Gästen daher den unmittelbaren Blick sowohl auf den sommers wie winters beliebten See als auch auf die Berglandschaft bieten.

Alt und Neu in harmonisch fließenden Übergängen

Rein äußerlich lässt sich die Entstehungszeit des Hauses mit insgesamt 83 Zimmern und Suiten nur schwer einschätzen. Bei genauerem Hinsehen ist auf der linken Hälfte jedoch ein Dachgiebel zu erkennen, der auf den ursprünglichen Kernbau aus den 1950er-Jahren hinweist. Links und rechts befinden sich drei turmartige Bauteile, die im Laufe der Jahre ergänzt wurden. Den einzigen Hinweis auf eine Bautätigkeit aus neuerer Zeit bietet der eingeschossige Sockelbau mit der anthrazitfarbenen Fassade (teilweise mit vertikalen Metall-Lamellen) und seiner großflächigen Verglasung.

Die Eingangshalle im Erdgeschoss zeigt sich ebenfalls als Mix aus unterschiedlichen Bauphasen: Während die Rezeption mit cremefarbener Holzdecke, hellen Fliesen und ausladendem Tresen ein wenig an die 1990er-Jahre erinnert, wirkt die direkt gegenüber untergebrachte Lobby dezidiert modern. Dort prägen elegante Eichen-Parkettböden, dunkle Holz-Einbauregale und eine gediegen-zeitlose Clubat­mosphäre das Bild, unterstützt durch ein unaufdringliches, gedämpftes Licht.

In der Designsprache hiermit verwandt, wenn auch weitaus reduzierter, präsentieren sich die von der Eingangshalle aus zugänglichen Toiletten. Den Auftakt bildet ein Stichflur, dessen fein strukturierte grünliche Wandbekleidung als eine Mischung aus schwungvoll abstrakter Malerei und edlem Gobelin-Teppich erscheint. Für Aufenthaltsqualität sorgt nicht zuletzt eine mit opulenten Loungemöbeln bestückte breite Nische in Flurmitte. Eine gewisse Noblesse vermitteln schließlich auch die Toiletten, in denen sechseckige mehrfarbige Bodenfliesen, türkise Wandfliesen, Messingarmaturen und grazile Pendelleuchten miteinander harmonieren.

Eichenholz und Messing für den zeitgenössischen Eindruck

Im ersten Obergeschoss befinden sich die Gastronomiebereiche, in denen endgültig klar wird, dass das punktuelle Nebeneinander aus Alt und Neu kein Zufall, sondern Programm ist. Kaum ist man nämlich am oberen Ende der Treppe angekommen, fällt neben dem gestalterisch wenig prägnanten Bar- und Restaurantbereich ein langgestreckter begehbarer Weinschrank ins Auge. Für den zeitgenössischen Eindruck sorgt in diesem Fall wieder die Verwendung von Eichenholz und Messing, vor allem aber die elegante Designsprache.

In einem Seitenteil des Restaurants befindet sich der nächste von BWM Architekten realisierte Bereich. Hier blieb der ursprüngliche, gestalterisch von einer rustikalen Almhütte inspirierte Raum nahezu unverändert – neu sind darin die in Gruppen über den Tischen hängenden Pendelleuchten. Sie verfügen über filigrane schwarze Metallschirme oder bestehen aus hell glasierten Keramikkörpern, die mal an die umgestülpte Backform eines Gugelhupfs erinnern oder an eine einfache Industrieleuchte. In allen Fällen entsteht ein angenehmer Kontrast, der die zuvor eher banal volkstümelnden Räume in selbstbewusste Designpieces verwandelt.

Re-Design für 40 Zimmer

Anders als im Restaurant wurden in den Gästezimmern nicht einzelne Ausstattungsobjekte ergänzt, sondern 40 Zimmer im Nordteil des Gebäudes komplett umgebaut. Entwurfsgrundlage für die Architekten waren die aufgrund der Ausrichtung der Zimmer gänzlich unterschiedlichen Licht- und Blickverhältnisse. Die wegen ihrer Orientierung zum Karwendelgebirge „Alpin“ genannten Zimmer sind im Grundriss relativ breit und erscheinen in hellen und warmen Materialien und Farben. Hier sind ein bläuliches Felsengrau für Wände und Decken sowie helles Holz, Schwarz und Cognac vorherrschend. Sie bilden gewissermaßen den ruhigen Hintergrund für die kraftvolle umliegende Berglandschaft.

Smaragdgrün und dunkle ­Holzböden

Die aufgrund des Seeblicks „Achensee“ genannten Zimmer sind dagegen vergleichsweise schmal und lang und verfügen über insgesamt eher dunkle Farben und Materialien. Allein der ungewöhnliche Zimmerzuschnitt und das satte Smaragdgrün, das sich in den glanzlackierten (und daher das Tageslicht reflektierenden) Wänden und Decken ebenso wiederfindet wie in den Vorhängen, Decken und Kissen, lassen eine einzigartige Raumatmosphäre entstehen.

Abgerundet wird das Ganze durch gekonnt hierauf abgestimmte Details: ein dunkler Holzboden in der Eingangs-, Wohn- und Schlafzone; grüne Bodenfliesen im Bereich des offenen Bads; feingliedrige Möbel und Leuchten; und nicht zuletzt die lange beheizbare Sitzbank aus schwarzem Marmor im Wohnbereich, von dem aus sich gut der Achensee überblicken lässt. „In beiden Fällen geht es darum, eine warme, kaminzimmerähnliche Atmosphäre zu schaffen, die auch bei einem wetterbedingten längeren Aufenthalt in den Zimmern für Gemütlichkeit und Wohlbefinden sorgt“, erklärt Erich Bernard von BWM Architekten.

Höhlen-Atmosphäre im ­Spa-Bereich

Wem im Zimmer wetterbedingt dennoch die Decke auf den Kopf fällt, dem bleibt immer noch der Gang in den Spa-Bereich. Dieser wurde in weiten Teilen ebenfalls komplett neugestaltet und erstreckt sich im Südteil des Hauses über drei Ebenen. Ganz unten im Erdgeschoss des anthrazitfarbenen Sockelbaus befindet sich der Poolbereich, der sich mit blau funkelndem Wasser und fast komplett in Schwarz gehaltenen Oberflächen als dunkle „Höhle“ präsentiert. Darüber liegt der Sauna-, Ruhe- und Behandlungsbereich, in dem helle Eichenholz- und Natursteinoberflächen, leichte graue Vorhänge sowie viel Tageslicht für eine entspannte und zugleich gediegene Atmosphäre sorgen. Ganz oben bietet eine Dachterrasse dann den Blick sowohl zur Bergwelt als auch zum Achensee. Apropos: Der See diente den Architekten als Inspirationsquelle für den Charakter und die Tonalität der drei Spa-Ebenen: „Vom Erdgeschoss aufwärts sind die Räume farblich abgestimmt und werden, ganz wie der See, nach oben hin immer heller.“

Evolution statt Revolution

Das Entners am See wurde seit seiner Eröffnung im Jahr 1954 immer wieder umgebaut und erweitert. Dieser Prozess ist auch heute noch nicht abgeschlossen. Das Erstaunliche dabei ist, dass das Hotel keineswegs als Flickwerk erscheint, sondern vielmehr als homogenes Ensemble, das paradoxerweise aus heterogenen Bausteinen besteht.

Die mit fast chirurgischer Präzision geplanten Eingriffe von BWM tragen maßgeblich dazu bei, diesen Eindruck zu festigen. Anstatt ein gestalterisches Chaos zu erzeugen, stärken sie die Gesamtqualität des Hotels und wecken die Neugier der Gäste. „Durch den progressiven Umbau wird jedes Jahr etwas Neues hinzugefügt, sodass auch der wiederkehrende Gast immer wieder etwas zu entdecken hat“, so Architekt Erich Bernard.

Roland Pawlitschko

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