Atlantic Kempinski HamburgUdo Lindenberg: "Bisschen wie eine WG"

Rock-Altstar Udo Lindenberg lebt nun schon fast 20 Jahre im Hotel Atlantic Kempinski Hamburg: Im nächsten Jahr ist das Jubiläum seines ständigen Wohnsitzes zu feiern. Der Panikrocker dazu: “Schon wieder eine Sause. Das hört ja gar nicht mehr auf”, so Lindenberg gegenüber der “Neuen Osnabrücker Zeitung”.

Ein Auszug aus dem Hotel kommt für den 68-Jährigen nicht in Frage: “Da habe ich alles – meine Ruhe, wenn ich sie haben will, aber auch jede Menge total unterschiedliche Leute an der Bar, wenn ich das haben will. Mit denen kann ich über Texte, Shows und alles Mögliche reden, wann immer ich will. Das ist ein bisschen so wie eine WG.”

Lindenberg sieht “sein” Atlantic schon ein bisschen wie ein übergroßes Wohnzimmer: Durch die Lobby spaziert er seelenruhig mit Zigarre, obwohl hier Rauchverbot herrscht. An der Bar setzt er sich ans Piano, wann es ihm gerade beliebt. Dieser Eigenwille macht Udo aber eher sympathisch – Beschwerden von anderen Hotelgästen gibt es so gut wie nicht.

Um in Form zu bleiben, sei er unter die Sportler gegangen, sagte Lindenberg weiter: “Ich jogge in Hamburg um die Alster rum, das sind gute acht Kilometer. Ich bin ja nicht nur Nachtigall, sondern auch eine Gazelle. Und zwar eine mit Turbolader.” Beim Joggen trage er allerdings nicht einen seiner berühmten Hüte, sondern “eine windschneidende Schnellmütze, so eine Rapper-Kapuze, natürlich aerodynamisch.” Damit sei er gut getarnt: “Wenn mich einer erkennt, dann an meinem Gang und an meiner Schnute.”

Auch den Alkoholkonsum habe er gedrosselt; zeitweilig mussten im Atlantic alle Alkoholfläschchen vor ihm weggesperrt werden: “Manchmal trinke ich gezielt Alkohol, aber nicht während meiner beruflichen Tätigkeit. Ich war in meinen Fünfzigern ja mal hauptberuflicher Trinker und sah auch entsprechend aus – wie ein Rock’n’Roll-Mops. Damals wog ich 93 Kilo, jetzt sind es wieder 67. Ich hatte einfach die Krise: Wie werde ich vom Teenager-Star zum Rock-Chansonnier? Es gab in Frankreich Charles Aznavour und Jaques Brèl, aber in Deutschland niemanden, an dem ich mich hätte orientieren können.”

Am Ende habe er selbst den Schalter um gelegt, sagte Lindenberg: “Ich war ein paar Mal im Krankenhaus, und der Notarzt wurde zu meinem ständigen Berater. Irgendwann dachte ich: Das kannst du der Welt nicht antun, Trauerwellen und Selbstmordwellen würden das Land überziehen, wenn ich abdanke. Die Nachtigall muss den Leuten noch ein bisschen erhalten bleiben.”

“Ich werde nie ein Rentier, sondern bleibe ein Renntier,” sagte der 68-Jährige. “Das hält mich fit und frisch, und das kann ich allen anderen auch nur empfehlen: Nicht aus dem Beruf aussteigen, sondern weitermachen, weil manche als Rentner doch sehr abschlaffen.”

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