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StartHotel+TechnikIndoor- und Fassadenbegrünung: Die Zeichen stehen auf Grün

Indoor- und Fassadenbegrünung: Die Zeichen stehen auf Grün

Ein Trend schlägt Wurzeln: Immer mehr Hoteliers holen sich die Natur ins Haus beziehungsweise auf Dach und Fassade. Lebendiges Grün ist schließlich eine Oase für die Sinne und bringt vielerlei weitere Vorteile mit. Experten und Anwender berichten, welche das sind, worauf beim Einsatz von Echtpflanzen aber auch zu achten ist.

Mit seiner begrünten Fassade ist das Hotel Gilbert im Wiener Bezirk Neubau nicht zu übersehen. Nach einem umfassenden Umbau wurde das ehemalige Viennart Hotel im Dezember 2021 unter neuem Namen wiedereröffnet. Das Grün ist nicht nur optischer Genuss, sondern ein Beitrag zur Nachhaltigkeit und vorausschauende Klimawandelanpassung.

Der individuell zusammengestellte Pflanzenmix aus Gräsern, Stauden und Gehölzen – mehrjährig immergrün und winterhart – speichert etwa ein Kilogramm CO2 pro Quadratmeter im Jahr und sorgt an heißen Sommertagen durch die natürliche Verdunstung für eine Abkühlung um bis zu drei Grad Celsius. Die Kühlleistung beträgt zwischen 250 und 337 kWh pro Tag. „Das entspricht ungefähr der Leistung von fünf Raumklimageräten über den gleichen Zeitraum“, so David Schmitzberger, Hoteldirektor des familiär geführten Hauses mit 57 Zimmern, und ergänzt: „Hinter der Pflanzenwand schläft es sich aber nicht nur wegen der angenehmen Temperaturen besser: Akustisch wirksam, verringert sie auch die Lärmbelastung um rund zehn Dezibel. Die Pflanzen verbessern außerdem aktiv die Luftqualität, verringern die Feinstaubbelastung und sind temporärer Lebensraum für unzählige Arten von Vögeln und Insekten.“

Das Living-Wall-System wurde vom Wiener Büro Green4Cities speziell für diesen Standort geplant und vom niederländischen Begrünungsspezialisten Sempergreen umgesetzt. Die Cradle-to-Cradle-zertifizierten Paneele wurden fertig begrünt geliefert. Sie verfügen über eine automatisch gesteuerte Wasser- und Nährstoffversorgung sowie ein spezielles Winterprogramm, das für den Schutz der Pflanzen in Frostperioden sorgt. Das Ganze wird mittels Sensoren überwacht und vom Hausgärtner des Hotels Gilbert, IAT Greenline, via App kontrolliert. „Nur den Pflanzenschnitt übernimmt die Fassade noch nicht von allein“, schmunzelt Schmitzberger.

Doch nicht nur die Fassade des Hotels Gilbert ist begrünt, auch die Terrassen im Dachgeschoss sowie der Innenhof und -bereich sind es (Generalplanung/Architektur: Eidenböck Architekten, Interior Design: BWM Architekten). Die schon vom Namen her passende Café-Brasserie „&flora“ mit eigener Kräuteranzucht und einem kleinen Blumenladen komplettiert das Konzept.

Integriertes Gartencenter

Das 25hours Hotel Zürich West beherbergt mit dem „Zum wilden Gärtner“, betrieben von der Gärtnerei Meier in Dürnten, ein 250 Quadratmeter großes Gartencenter, in dem neben dem Verkauf von Pflanzen und Zubehör umfassende Beratung und Kurse angeboten werden. Auch im eigentlichen Hotelbereich, gestaltet durch Alfredo Hämmerli Design Development, kommen Pflanzen zum Einsatz. Konkret: „Diverse Hänger und Kletterpflanzen sowie robuste Sorten, die eher im Schatten leben, wie Philodendron, Scindapsus, Epipremnum, Aglaonemas, Cissus-Varianten, Alocasia und Aeschynanthus“, berichtet Lukas Meier, General Manager des 25hours Hotel Zürich West.

„Gäste lieben Pflanzen. Es hat sich noch nie jemand über zu viel Grün beschwert“, bringt der General Manager auf den Punkt, warum Pflanzen in den Hotels der Gruppe – obwohl diese ­bekanntlich weltweit höchst unterschiedlich sind – überall eine wichtige Rolle spielen. „Allerdings müssen die Pflanzen auch immer gepflegt und ansprechend aussehen. Daher sollte man einen Profi für diesen Part engagieren. Bei uns übernimmt das Unternehmen Jungle Service die Pflege und Neubegrünung aller In- und Outdoorbereiche des Hotels.“ Meier empfiehlt: „Falls man keine Kapazitäten für die regelmäßige Pflege hat, sollte man lieber mit anderen Dekoelementen arbeiten, beispielsweise Tropical- und Botanic-Prints, Trockenblumen oder Kunstpflanzen. Auf längere Sicht ist das nachhaltiger, als echte Pflanzen ständig langsam eingehen zu lassen. Für uns sind Kunstpflanzen allerdings keine Alternative.“

Konservierte Pflanzen sind pflegeleicht

Eine andere Möglichkeit: Das Berliner Unternehmen Freund hat zusammen mit einem Begrünungspartner im Me and all Hotel in Kiel einen grünen Empfangsbereich mit konservierten Pflanzen kreiert. Diese Form der Indoor-Begrünung kommt ganz ohne Bewässerung, Licht und weitere Pflege aus.

Von der Firma Freund stammen auch die Mooswände aus original Islandmoos im Restaurant des Hotels Eder im österreichischen Maria Alm sowie die dortigen Moosböden in der Kräutersauna. Das Moos ernährt sich aus der Raumluft. Ebenfalls spannend: die Naturbaumrindenwände aus heimischer Lärche im Eventbereich. Sie entstammen einem Schulprojekt mit der Holzfachschule Hallein. Bei den hängenden Gärten in Lobby, Eventbereich und Treppenhaus wiederum handelt es sich um edle Kunstpflanzen des holländischen Anbieters „Silkka“.

Im Atrium des Schwesterhotels Sepp, ebenfalls in Maria Alm, wurden hingegen zwei echte Bäume gepflanzt: Die Bucida buceras aus Florida lieferte das bayrische Innenraumbegrünungsunternehmen Botanic-International, das diese zuvor aufwendig akklimatisierte. Der größere der beiden Bäume ist 7,5 Meter hoch und circa 30 bis 40 Jahre alt. Die automatische Bewässerung erfolgt in wöchentlichen Abständen über die im Erdbeet integrierte Bewässerungsanlage. Das Erdbeet ist circa einen Meter tief und umfasst eine Fläche von 15 Quadratmetern. Ein örtlicher Gärtner kümmert sich um die Kontrolle und Pflege der Bäume. Einmal im Jahr werden diese in der Krone beschnitten.

„Wichtig sind die speziellen Pflanzenlampen im Winter, bei saisonaler oder Lockdown-Schließung muss zudem auf die erforderliche Raumtemperatur geachtet werden“, sagt Melanie Schacker, Leiterin der Unternehmenskommunikation der Eder Hotels, im Hinblick auf die Nebenwirkungen des ansonsten paradiesischen Grüns.

Dos and Dont‘s

Fachleute in die Planung und Umsetzung von Fassaden- sowie Innenraumbegrünung einzubeziehen und das möglichst frühzeitig: Diese Empfehlung geben alle befragten Profis unisono. Ihre Argumente sind stichhaltig, spielen doch viel mehr technische Aspekte von Beleuchtung über Klimatisierung bis Statik in das Thema hinein, als man vordergründig meinen könnte. Die nötige Expertise beginnt bei der Auswahl der Pflanzen unter Gestaltungsgesichtspunkten: „Über die Wirkung von Blattformen, Herkunftsländern und Farben erzähle ich Geschichten. Diese korrespondieren mit der Innenarchitektur und Story der Räume, zugunsten eines visuellen Gesamterlebnisses“, berichtet Miriam Köpf über die Arbeit ihres Stuttgarter Greenterior Designstudios Phyllis Plantinstallations. Zugleich betont sie, dass es nicht genügt, die rein dekorativen Aspekte ins Auge zu fassen. Denn die Freude darüber, dass Bepflanzung und Standort optisch harmonieren, könnte sonst von kurzer Dauer sein.

„Unser Anspruch sind zehn bis 15 Jahre Wachstum“, sagt beispielsweise Walter Siegel, Green Manager des bayrischen Innenraumbegrünungsunternehmens Botanic-International. Dafür gilt es eine Menge zu beachten: „Für ein Hotel sollte man eher pflegeleichte Pflanzen bevorzugen, wie die Birkenfeige, das Scheiden- oder Fensterblatt. Auch Kakteen oder Sukkulenten sind immer eine gute Wahl, da sie sehr anspruchslos sind. Man sollte sich zudem für ungiftige Pflanzen entscheiden, wenn Kinder oder Haustiere in die Nähe der Begrünung gelangen könnten. Pflanzen, die wenig Blätter verlieren, sind von Vorteil, da dann der Reinigungsaufwand geringer ist. Last, but not least ist bei der Entscheidung zu bedenken, dass bestimmte Pflanzen mehr Platz oder auch Rankhilfen benötigen“, zählt Andre Niebuhr auf, Founder & CEO von Olive and Salt Einrichtungen aus Marpingen.

Ohne Licht kein Leben

„Das wichtigste Element für eine gelingende Raumbegrünung ist das Pflanzenlicht“, unterstreicht Walter Siegel und fügt hinzu: „Jede zweite Innenraumbegrünung muss zusätzlich oder komplett künstlich nachbelichtet werden. Entweder, weil die Pflanze nicht genügend Tageslicht erhält oder die Fenster einen zu niedrigen Lichtdurchlässigkeitswert für eine gesunde Photosynthese haben.“ Botanic-International arbeitet mit einem Partnerunternehmen zusammen, das Pflanzenleuchten entwirft, die „nicht nur lichttechnisch up to date sind, sondern auch formschön“.

Carsten Stakalies, Geschäftsführer von Grüne Lebensräume in Neuss, ergänzt: „Licht sollte immer senkrecht auf die Grünfläche fallen und nicht seitlich, da die Pflanze sich immer nach der Lichtquelle ausrichtet.“ Zum Thema Bewässerung sagt der Experte: „Man unterscheidet zwischen dem favorisierten Hydrokultursystem, bei dem die Pflanzen in sauberem Tonsubstrat eingewurzelt sind, was auch Allergikern entgegenkommt, und Langzeitbewässerungssystemen für Erdpflanzen. Dabei ist der Erdballen in mineralisches Kultursubstrat gepflanzt und – wie bei den Hydrokulturen – mit einem hilfreichen Wasserstandsanzeiger und -einfüllstutzen ausgestattet.“ Der größte Fehler, so der Fachmann, sei es, „die Erdpflanze nur in einen Übertopf zu stellen und dann von oben zu gießen. Das führt meistens zu Staunässe im Wurzelbereich und somit zum Absterben der Pflanzen. Das Gleiche passiert im umgekehrten Fall bei zu starker Austrocknung.“

Niebuhr rät, Härte und pH-Wert des Wassers zu kennen, da viele Pflanzen eine zu kalkhaltige Flüssigkeitszufuhr nicht vertragen. In der Regel, erklärt Stakalies, werden Pflanzen im Innenbereich im monatlichen Rhythmus von Fachbetrieben betreut. „Auch die Wasserversorgung wird meistens durch entsprechende Wartungsverträge mit Pflanzenerhaltungsgarantie im Full Service übernommen. Damit sind zugleich die optimale Düngerversorgung sowie ein nötiger Rückschnitt der Pflanzen in sichere Hände gelegt.“

Toxische Standorte

Auch die Temperatur spielt, so Stakalies, eine Rolle. „In der Regel werden subtropische Pflanzen für die Innenraumbegrünung eingesetzt. Diese benötigen eine Raumtemperatur zwischen 15 und 25 °C. Tödlich wirken zumeist Standorte, die dauerhaft unter zehn oder über 30 °C liegen. Schädlich ist überdies zu viel Zugluft.“ Was bedeutet das für Wintergärten? „Hier eignen sich mediterrane Pflanzen, die eine Nachtabsenkung in der Temperatur sogar benötigen und tagsüber durchaus mit hohen Temperaturen und direkter Sonne zurechtkommen.“

Von Heizungen sollte man die meisten Pflanzen ebenfalls fernhalten, macht Niebuhr aufmerksam, da die trockene Heizungsluft Feuchtigkeit entzieht. Ein Ausnahmestandort sind auch die Umgebungen von Pools mit Chlor-Einsatz. Wer hier gern karibisches Flair samt Palmen hätte, benötigt eine angepasste Klimatisierung, welche die chlorierte Luft vor den Pflanzen abführt, betont Walter Siegel. Andre Niebuhr fügt hinzu: „Einmal ausgewählte Standorte einer Pflanze, die diese gut verträgt, sollten nach Möglichkeit nicht verändert werden.“

Professionell planen und pflegen

Bei Projekten wie einer Fassadenbegrünung sind abseits der standortbezogenen Pflanzenwahl im Vorfeld drei wesentliche Faktoren zu beachten, so Bernhard König, Co-Geschäftsführer des Wiener Planungsbüros Green4Cities.

  • Erstens: Lässt die lokale Bauordnung überhaupt Spielraum für Fassadenbegrünungen?
  • Bei Umgestaltungen im Bestand kommt hinzu: Sind die Bausubstanz und das statische System ausreichend?
  • Und: Ist die Fassade so zugänglich, dass die regelmäßige Wartung und Pflege gewährleistet werden kann?

Denn, so König: „Das größte Risiko für Schäden an der Fassadenbegrünung sind mangelhafte Überwachung und Pflege. Eine Bauwerksbegrünung ist eine Planungsaufgabe, für die ein qualifizierter Landschaftsarchitekt, Ingenieur oder Architekt hinzugezogen werden muss.

Stefanie Hütz

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