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Start Coronakrise Tourismusanalyse: Fast zwei Drittel der Deutschen verzichtete 2020 auf Reisen

TourismusanalyseFast zwei Drittel der Deutschen verzichtete 2020 auf Reisen

Nur jeder dritte deutsche Bürger war 2020 auf Reisen. Das ergab die Tourismusanalyse 2021 der Stiftung für Zukunftsfragen. Ein Hoffnungsschimmer jedoch bleibt: Viele Deutsche planen bereits jetzt, dieses Jahr zu verreisen.

Insgesamt befragte die BAT-Stiftung für Zukunftsfragen für die Analyse 3.000 Personen ab 18 Jahren zu ihrem Reiseverhalten.

Reisebilanz 2020: Fast zwei Drittel verreisten nicht

Vor zwölf Monaten war die Welt des Reisens noch in Ordnung. Zwar gab es erste Berichte über ein neues Virus in China, aber die meisten Bundesbürger planten und buchten trotzdem ihren Urlaub. Im Laufe weniger Wochen ging es dann sehr schnell: Berichte über das Coronavirus bestimmten die Schlagzeilen, die Unsicherheit stieg, Buchungen wurden storniert, Grenzen geschlossen, Einreiseverbote verhängt und Rückholaktionen gestartet. Ende April sprach das Auswärtige Amt dann eine weltweite Reisewarnung aus und appellierte an die Bundesbürger, zuhause zu bleiben.

Erst im Juni wurden diese Einschränkungen dann teilweise wieder aufgehoben und die Hoffnung auf einen halbwegs normalen Sommerurlaub stieg. Während ausländische Destinationen versuchten, mit Rabatten und zusätzlichen Schutzmaßnahmen (etwa Maskenpflicht im Flugzeug und zahlreichen Einrichtungen, strenge Hygieneregeln) deutsche Urlauber zu gewinnen, waren zahlreiche inländische Hotels bereits restlos ausgebucht. Im Spätsommer kündigte sich jedoch die zweite Welle an und Diskussionen über Beherbergungs- und Reiseverbote wurden schnell Wirklichkeit.

All dies prägte das Reisejahr 2020 und entsprechend zurückhaltend zeigten sich die Bundesbürger beim Thema Reisen. Nur gut jeder Dritte (37 Prozent) war 2020 wenigstens fünf Tage im Urlaub. Im Vergleich zum Vorjahr ist dies ein Rückgang um rund 40 Prozent (2019: 61 Prozent).

Beliebte Reiseziele im Inland 2020

Über die Hälfte aller Urlaubsreisen fand 2020 in Deutschland statt – so viele wie zuletzt in den 1970er Jahren. Allerdings war die Anzahl der Reisenden insgesamt geringer, sodass die Anzahl der Ankünfte in Deutschland in etwa gleichblieb. Betrachtet man allein die Marktanteile, so wuchs der Anteil an Inlandsreisenden – im Vergleich zum Vorjahr – um über 20 Prozentpunkte auf 56 Prozent. Bayern, Niedersachen und Baden-Württemberg konnten ihre Marktanteile dabei jeweils in etwa verdoppeln.

Neben den traditionellen Ferien-Bundesländern im Norden und Süden des Landes wurden 2020 auch andere Feriengebiete massenhaft besucht. So verbrachten beispielsweise doppelt so viele Bundesbürger ihren Haupturlaub in Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen oder Sachsen wie in der Türkei. In Brandenburg waren mehr Urlauber als in Kroatien und in Hamburg urlaubten genauso viele wie in ganz Frankreich.

Europäische Reiseziele 2020: Österreich auf dem Spitzenplatz

Erstmals seit etwa 50 Jahren war Österreich wieder das beliebteste Auslandsreiseziel der Bundesbürger. Genau wie Anfang der 1970er Jahre folgten Italien und Spanien auf den nächsten Plätzen. Im Zehn-Jahres-Vergleich zeigt sich ein uneinheitliches Bild: Während Flugreiseziele wie Spanien und die Türkei nur noch einen Bruchteil ihrer Gäste willkommen heißen konnten, war der Rückgang in Italien, Frankreich oder Kroatien nicht ganz so hoch. Ein wesentlicher Grund hierfür war die Möglichkeit, diese Feriengebiete mit dem eigenen Auto erreichen zu können sowie unterschiedliche Reisewarnungen.

Entgegen dem allgemeinen Trend konnten Skandinavien, Polen, Österreich, die Benelux-Staaten sowie Griechenland ihre Marktanteile bei deutschen Urlaubern erhöhen – wenn auch auf einem niedrigeren Gesamtniveau. Hauptgründe hierfür waren die relativ kurze Anreise sowie eine – zumindest gefühlt – geringere Unsicherheit. Der Wert für Griechenland hingegen erklärt sich mit der Sondersituation vor zehn Jahren: 2010 führte die Griechenlandkrise zu einem massiven Einbruch bei den Touristenzahlen, die deutlich unter dem Niveau der Vorjahre lagen.

Reisekosten: Deutschland teurer als Europa

Vor zehn Jahren kostete ein Urlaubstag im Durchschnitt 76 Euro. Im letzten Jahr waren es mit über 100 Euro rund ein Viertel mehr und gleichzeitig mehr als jemals zuvor. Allerdings reduzierten sich die Gesamtkosten durch die verkürzte Reisedauer, sodass ein Urlaub letztendlich mit 996 Euro sogar deutlich günstiger war als noch 2019 (1.208 Euro). In diesen knapp 1.000 Euro pro Person waren neben den Unterkunfts-, Verpflegungs- und Transportausgaben auch alle weiteren Kosten inkludiert, von Eintritten über Souvenirs bis hin zu Trinkgeldern.

Bei einem Vergleich der Tageskosten zeigen sich zahlreiche Unterschiede. So bleibt eine Fernreise die teuerste Art zu reisen. Allerdings waren die Tageskosten 2020 günstiger als in den letzten Jahren. Der Grund hierfür ist der Preiskampf der Reiseveranstalter, die über Angebote und niedrige Preise versuchten, ihre Bettenkapazitäten zumindest noch zu Teilen zu füllen.

Im Gegensatz dazu stiegen die Tageskosten im Inland recht deutlich. Erstmals lagen diese mit 99 Euro sogar knapp über den Durchschnittskosten für einen Auslandsurlaub innerhalb Europas. Hoteliers und Reiseveranstalter, Restaurants und Betriebe profitierten von der Alternativlosigkeit vieler Urlauber und versuchten so, die Ausfälle in anderen Monaten zu kompensieren.

Innerhalb Europas variierten die Preise ebenfalls stark. Am preiswertesten war ein Urlaubstag in Polen, aber auch in Skandinavien reisten die Bürger recht günstig. Spanien dagegen kostete deutlich mehr pro Tag und teilweise sogar mehr als Fernreisedestinationen. Auch hinsichtlich der soziodemografischen Merkmale zeichneten sich Unterschiede ab: So gaben kinderlose Paare (122 Euro pro Tag) und Familien (111 Euro) am meisten aus, während Singles deutlich günstiger verreisten (89 Euro). Besserverdiener gaben doppelt soviel aus wie Geringverdiener, und Ostdeutsche etwa zehn Euro pro Tag mehr als Westdeutsche, blieben aber auch einen Tag weniger vor Ort.

Ausblick auf 2021: Zwischen Hoffen und Bangen

Derzeit ist völlig offen, wann Hotels wieder öffnen, Reisewarnungen aufgehoben und Flugzeuge wieder abheben werden. Auch welche Voraussetzungen notwendig sein werden, um überhaupt verreisen zu können, steht nicht fest – von negativen Corona-Tests über Impfnachweise bis hin zu Quarantäneaufenthalten.

Und wenn endlich wieder die Koffer gepackt werden können, wie wird der Urlaub vor Ort dann wohl aussehen? Maskenpflicht am Strand und Pool? Keine Buffets und Barbesuche? Zimmerservice nur einmalig vor der Anreise und Temperaturkontrollen in Geschäften, Museen und Freizeiteinrichtungen? Wie wird es mit Geselligkeit, Flirts, gemeinsamen Feiern oder Ausflügen weitergehen? Und mit welchem Gefühl werden die Reisenden unterwegs sein? In ständiger Angst, sich zu infizieren, krank zu werden oder gar ärztliche Hilfe zu benötigen? Oder aber wird mit weniger Infizierten, flächendeckenden Impfungen und besserem Wetter die Unbeschwertheit zurückkehren und die Vergangenheit vergessen und verdrängt werden, so wie nach Terrorabschlägen, Naturkatastrophen oder sonstigen Krisen?

Fest steht: Derzeit ist kaum absehbar wann und wie 2021 verreist werden kann. Dennoch plant bereits jetzt fast die Hälfte der Bundesbürger dieses Jahr in den Urlaub zu fahren. Jeder Fünfte möchte sogar mehrmals die Koffer packen. Ein Drittel ist noch unentschlossen und wartet die Entwicklung weiterhin ab. Sich sicher dieses Jahr nicht zu verreisen, ist dagegen lediglich ein knappes Viertel der Bevölkerung.

Mehr Infos

Den gesamten Report finden Sie hier.

 

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