Tiroler Gastgeber im Tophotel-Interview "Die Vorschau zeigt uns einen Buchungsausfall von rund 40 Prozent"

Severin Mühlberger, Gastgeber im Peternhof in Tirol, über die kostenfreien Corona-Tests. (Bild: Peternhof)

Das Auswärtige Amt warnt derzeit wieder vor nicht notwendigen touristischen Reisen nach Tirol; Hoteliers und Gastwirte leiden. Besonders ärgerlich ist die Situation für Häuser, die nur einen Steinwurf von der Grenze entfernt liegen, wie das Wellnesshotel Peternhof in Kössen, das gerade einmal 300 Meter von Deutschland trennen. Im Tophotel-Interview spricht Gastgeber Severin Mühlberger über Frustration und Stornierungen, aber auch über kreative Lösungsansätze.

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Tophotel: Herr Mühlberger, was haben Sie gedacht, als Sie von der neuerlichen Einstufung Tirols als Risikogebiet gehört haben?

Severin Mühlberger: Zunächst war dies ein riesen Schock für uns, zumal ja die aktiv positiven Fälle bereits vor zwei Wochen in Tirol viel höher waren als sie aktuell sind. Uns war aber auch direkt bewusst, dass wir umgehend etwas unternehmen müssen, um unseren Gästen sowie unserem Team einen möglichst sicheren Aufenthalt sowie ein möglichst sicheres Umfeld in unserem Hotel bieten zu können. Da die Reisewarnung auf Basis unterschiedlich erfasster Zahlen und verschiedener Faktoren basiert, welche nicht mit dem Tourismus in Verbindung zu bringen sind, empfanden wir aber auch einen gewissen Unmut.

Tirol galt bereits einmal am Anfang der Krise als Risikogebiet. Was bedeutet die neuerliche Reisewarnung von deutscher Seite aus konkret für Ihr Haus?

Da wir nur 300 Meter von der deutschen Grenze entfernt sind, war dies natürlich ein harter Schlag. Wir werden mit unserem Hotel als Risikogebiet eingestuf, obwohl wir in unserer Alleinlage auf einer Anhöhe zwischen Bayern und Tirol den nötigen Platz für Sicherheitsabstände gewährleisten und wir uns fernab von Massentourismus und Großstadtrubel befinden. Allerdings haben wir durch die Grenznähe auch einen großen Vorteil. Denn unsere Gäste aus Deutschland sind innerhalb von zwei Minuten wieder im Heimatland.

Wie gestaltete sich die aktuelle Sommersaison bisher für Ihr Haus. Und welche Entwicklung nahm sie nach Bekanntgabe der neuerlichen Reisewarnung?

Mit der bisherigen Sommersaison waren wir überaus zufrieden. Es ist uns gelungen, ein sicheres Urlaubsgefühl an unsere Gäste zu vermitteln. Bis vergangen Donnerstag konnten wir mit einem sehr guten Herbst planen, so lag die Buchungslage bis zu unserem geplanten Saisonschluss am 8. November bei einer 95-prozentigen Auslastung. Mit Aussprache der Reisewarnung für Tirol mussten wir jedoch einige vorzeitige Abreisen, sowie vor allem Stornierungen für den Herbst verzeichnen, und die Vorschau zeigt uns einen Buchungsausfall von etwa 30 bis 40 Prozent. Da unsere Gäste vorwiegend aus Deutschland kommen, können wir die Ungewissheit im Hinblick auf Quarantänemaßnahmen bei der Wiedereinreise natürlich nachvollziehen.

In Tirol, direkt an der Grenze zu Bayern, liegt das Viersterne-Superior Wellnessresort Peternhof. Das inhabergeführte Haus bietet unter anderem einen Blick direkt auf den Wilden Kaiser, ein Hallenbad mit Sportschwimmbecken und einen großzügigen Spa-Bereich mit zahlreichen Wellness- & Beautybehandlungen. (Foto: Peternhof)

Wie versichern Sie Ihren Gästen, dass ein Aufenthalt in Ihrem Haus sicher ist?

Unserer Meinung nach ist es besonders in Krisenzeiten die oberste Priorität, den Kontakt zu unseren Gästen und besonders zu unseren treuen Stammgästen zu halten. Wir haben versucht, schnell auf die Situation zu reagieren und haben den Kontakt zu den Gästen per Newsletter, über unsere Social-Media-Kanäle, über unsere Website und vor allem telefonisch gehalten. Denn bekanntlich kann man auf keinem Weg die Situation besser schildern als in einem persönlichen Gespräch.

Welche Hygiene-Maßnahmen haben Sie in Ihrem Hotel ergriffen?

Bereits seit Beginn der Sommersaison halten wir den Betrieb unter Einbeziehung eines ausgefeilten und aufwendigen Hygienekonzepts aufrecht. Hier erfüllen beziehungsweise übertreffen wir in den meisten Fällen die Vorgaben unserer Regierung. Beispielsweise haben wir über die gesamten Sommermonate an der Maskenpflicht für unsere Mitarbeiter festgehalten und führen aufwendige Flächendesinfektion mit Vernebelungs-Geräten durch, um alle Stellen in den öffentlichen Bereichen, sowie im Wellness- und Beautybereich zu desinfizieren. Zusätzlich stellen wir jedem Gast einen Desinfektionsmittelspender auf dem Zimmer während des Aufenthalts zur Verfügung und bieten nun seit dieser Woche eine kostenlose PCR-Testmöglichkeit für unsere Hotelgäste an, damit eine unbeschwerte Einreise ohne Quarantänemaßnahmen im Heimatland möglich ist. Bei unseren Mitarbeitern wird zusätzlich täglich Fieber gemessen.

Wieso haben Sie sich dazu entschieden, einen PCR-Test anzubieten und wie ist diesbezüglich der Ablauf?

Der Urlaub eines jeden Gastes dient an oberster Stelle der Erholung. Wir sind der Meinung, dass eine Rückreise ins Heimatland mit einer Quarantäneverordnung, sowie einer Testung in den ausgewiesenen Teststraßen mit einem enorm hohen Stressfaktor verbunden ist und dann bereits bei der Rückreise die Erholung verfliegt. Mit der Testmöglichkeit ist eine angenehme und entspannte Rückreise möglich. Für die Rückreise können sich unsere Gäste nach der zertifizierten PCR-Methode auf eine Erkrankung an Covid-19 testen lassen. Diese Check-Ups finden immer montags, mittwochs und freitags direkt bei uns im Hotel statt und nach spätestens 24 Stunden erhält jeder Gast sein Testergebnis zusammen mit dem Laborbericht auf das Mobiltelefon oder auf Wunsch in ausgedruckter Form an der Rezeption. Dieser Service ist für unsere Gäste selbstverständlich kostenlos.

Was würden Sie sich von Seiten der Politik für die Zukunft wünschen?

Generell wünschen wir uns, Reisewarnungen mit etwas mehr bedacht auszusprechen. Beispielsweise wird in Deutschland immer regional entschieden. Wenn man sich das Infektionsgeschehen in Tirol genauer ansieht, ist die Region Kaiserwinkl beispielsweise eine der sichersten Regionen in ganz Tirol. Das hohe Infektionsgeschehen spielt sich hauptsächlich in und um die Stadt Innsbruck ab, die allerdings etwa 100 Kilometer von uns entfernt ist. So werden wir zusammen mit Städten, die sich weit von uns entfernt befinden, in eine Schublade gesteckt. Wir haben über die gesamte Sommersaison gezeigt, dass wir unter strenger Berücksichtigung des Infektionsrisikos einen entspannten und erholsamen Wellness- oder Aktivurlaub in Tirol unter sicheren Bedingungen ermöglichen können.

Interview: Verena Usleber

 

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