Suzann Heinemann von Greensign über "grünen" HotelbetriebNachhaltigkeit ist immer noch gefragt

Suzann Heinemann ermutigt Hoteliers dazu einfach anzufangen. (Bild: Greensign)

Suzann Heinemann von Greensign vergibt über das Institut Infracert ein Siegel für nachhaltige Hotels. Ihr Credo: Jedes Haus kann „grüner“ werden und erste Schritte einleiten. Viele davon ließen sich einfach und schnell umsetzen.

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Nachhaltigkeit ist für immer mehr Reisende ein entscheidender Faktor bei ihrer Buchung. Das gilt vor allem für die Jüngeren: Aus einer Analyse der Marktforscher von You Gov geht hervor, dass 69 Prozent der Generation Z im Jahr 2019 bei ihrer Reiseplanung auf Nachhaltigkeit geachtet haben. Für Hotels bedeutet dies, dass es sich lohnt, sich verstärkt damit auseinanderzusetzen.

„Wir brauchen intelligente Produkte und Lösungen, um zu gewährleisten, dass Gäste ein gutes Gefühl haben. Sie sollen nicht den Eindruck bekommen, in einer ‚Öko-Bude‘ gelandet zu sein und auf Annehmlichkeiten verzichten zu müssen“, betont Suzann Heinemann, Geschäftsführerin von Greensign. Mit dem gleichnamigen Nachhaltigkeitssiegel zertifiziert das Institut Infracert Hotels – wie das Lindner Hotel Berlin Ku‘damm – für ihre Nachhaltigkeitsbestrebungen.

In der Regel dauert der Zertifizierungsprozess maximal drei Monate. Nachdem der Hotelier den Zertifizierungskatalog, der 100 Punkte umfasst, online ausgefüllt hat, erhält er einen Maßnahmenplan. Wurde alles umgesetzt, bewertet ein Auditor die Lage und vergibt die Zertifizierung innerhalb einer fünfstufigen Klassifizierung – Level 5 ist die Auszeichnung für besonders nachhaltige Hotels. Seitdem Greensign damit vor fünf Jahren gestartet ist, stieg die Resonanz kontinuierlich an. „Wir bekommen fast täglich Anfragen, obwohl es einen ganzen Zertifizierungs­dschungel gibt. Unser Vorteil ist, dass uns das Umweltbundesamt als offizielles Zertifikat empfiehlt“, so Suzann Heinemann.

Selbst die Coronakrise hat diese Entwicklung nicht gestoppt. „Wir haben auch während des Lockdowns mit vielen Hoteliers gesprochen, die sich gerade jetzt sehr intensiv mit dem Thema beschäftigen.“ In der ersten vier Wochen seien zwar die meisten wie in Schockstarre gewesen, dennoch kämen mittlerweile wieder fast täglich Aufträge herein.

Kontraproduktives vermeiden

Entscheidend für den Erfolg nachhaltiger Maßnahmen ist für Suzann Heinemann die Kommunikation mit den Gästen. Dabei rät sie von den klassischen Hinweisaufstellern ab. „Das ist absolut kontraproduktiv“, betont sie. Denn oft seien diese Aufsteller aus Plastik. „Hoteliers können nachhaltige Maßnahmen schon in der Reservierungsphase kommunizieren. So könnten sie beispielsweise bei Buchungen Möglichkeiten anbieten, wie die Gäste ihren Aufenthalt kompensieren können“, so die Expertin. Auch könne unter anderem die Rechnung nur noch per E-Mail verschickt werden, wie es bei den Me-and-All-Hotels gängige Praxis sei. Ein Drucker an der Rezeption – Fehlanzeige.

Schnelle Umsetzung ist möglich

Suzann Heinemann rät, grundsätzlich zu überlegen, welche Produkte durch eine ressourcenschonende Alternative ersetzbar sind und auf welche gänzlich verzichtet werden kann. Die Umstellung auf nachhaltige Produkte lasse sich meist schnell umsetzen: Köche können regionale und/oder Bioprodukte verarbeiten. In den Hotelbädern kann auf Plastikbecher verzichtet und recyceltes Toilettenpapier eingesetzt werden. Auch bei den Prozessen lässt sich an einigen Stellschrauben drehen, vor allem bei der Reinigung. Die Expertin empfiehlt klare Prozessbeschreibungen für das Housekeeping-Personal. „Wann werden Handtücher gewechselt, wie wird der Wasserverbrauch in der Reinigung gehandhabt? Bei Tests – allerdings außerhalb Deutschlands – wurde festgestellt, dass das Reinigungspersonal erst fünfmal die Toilettenspülung betätigt, bevor es den WC-Deckel hochklappt. Damit das verhindert wird, müssen klare Regeln her“, ist Suzann Heinemann überzeugt.

Auf Kategorien abstimmen

Hotels jeder Kategorie könnten nachhaltige Maßnahmen ergreifen, die Möglichkeiten zur Umsetzung seien aber verschieden. „Ein Grandhotel nutzt in der Regel bereits teure Bettwäsche. Da wiegt es finanziell nicht so schwer, auf ein teureres Fair-Trade-Produkt umzusteigen. Lifestyle-Hotels oder solche mit einer jüngeren Gästeklientel können zum Beispiel von vornherein festlegen, dass erst bei einem Aufenthalt ab drei Nächten das Zimmer täglich gereinigt wird – in einem Fünfsternehotel wäre das wiederum schwierig“, betont die Greensign-Geschäftsführerin.

Vorausschauend planen

Energie ist in der Nachhaltigkeit von Hotels ein großes Thema und wird auch im Zertifizierungskatalog berücksichtigt. Energieeffiziente Maßnahmen sind meist mit hohen Investitionskosten verbunden, amortisieren sich aber wieder und bieten den Gästen einen hohen Komfort. Bei einer intelligenten Zimmersteuerung in Verbindung mit der Klimatechnik erkennt das System, welches Zimmer belegt ist, und dreht bei Nichtbelegung automatisch auf eine eingestellte Temperatur zurück beziehungsweise schaltet die Klimaanlage aus. Durch die Anbindung an das PMS „weiß“ das System, dass das Zimmer am darauffolgenden Tag ab 15 Uhr belegt ist, und heizt das Zimmer einige Stunden vorher auf beziehungsweise kühlt es ab.

In einem Wellnesshotel ist der Energiebedarf hoch, daher empfiehlt Suzann Heinemann zu überlegen, wie geheizt wird und wie mit dem Wasser für die Pools verfahren wird. „Bei einem Neubau ist das einfacher zu berücksichtigen. Mittlerweile wird anders geplant als früher. Nachhaltigkeit und Energieeffizienz spielen dabei fast immer eine große Rolle. Die Herausforderungen sehe ich eher im Bestand“, betont die Expertin. Dennoch gibt es für sie keine Ausreden: „Jedes Hotel, gleich welcher Kategorie, unabhängig von Neubau oder Bestand, kann nachhaltig betrieben werden.“

Grüner TÜV für die Hotellerie

Ihren Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit in der Branche und ihre Vision beschreibt sie so: „Wir möchten federführend die Hotellerie bei ihren Nachhaltigkeitsbestrebungen unterstützen!“ Hoteliers, die noch überlegen, wie sie an das Thema herangehen sollen, rät sie: „Einfach anfangen und keine Panik davor haben, Green Washing zu betreiben oder Fehler zu machen. Jedes unserer zertifizierten Hotels hat irgendwann einfach angefangen.“

Mareike Knewitz

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