Sustainability ausnutzenMit grünem Storytelling bei den Gästen punkten

Hotelier Ben Förtsch ist es gelungen, das erste klimapositive Hotel Europas zu gestalten und dies seinen Gästen mit viel Charme zu vermitteln. Die Gründerinnen des Online-Marktplatzes Tutaka, Expertinnen für „nachhaltiges Storytelling“, erläutern für Tophotel, wie sich Sustainability im Hotel glaubwürdig und sinnstiftend kommunizieren lässt.

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Wie umweltfreundlich Hotels ihren Betrieb gestalten, spielt bei der Buchung eine immer größere Rolle. Laut einer Scandic-Studie stufen 35 Prozent der Deutschen Nachhaltigkeit mittlerweile als sehr wichtigen Faktor ein. Doch das Thema ist immer noch teilweise abstrakt, zählen dazu doch auch komplexe Bereiche wie Artenvielfalt, Ressourcenverbrauch und ganze Wertschöpfungsketten. Wie vermitteln Hoteliers ihren Gästen also am effektivsten, dass sie an verschiedenen Stellschrauben drehen, um weniger Wasser zu verbrauchen, Energie zu sparen oder Lebensmittelverschwendung zu vermeiden?

„Nachhaltigkeit braucht Storytelling“, sagt Franziska Altenrath, Mitgründerin des nachhaltigen Online-Marktplatzes Tutaka (sh unten). Geschichten vereinfachen komplizierte Zusammenhänge und machen sie einprägsam. Im Workshop „Nachhaltiges Storytelling“ erklären die Gründerinnen, wie man ein authentisches Marketingkonzept aufbaut statt tatsächlich Greenwashing zu betreiben. ­Alexandra Herget und Franziska Altenrath haben diverse Schritte identifiziert, die Hoteliers zu Geschichten-Erzählern ihrer eigenen Nachhaltigkeits-Story machen. Auch Ben Förtsch, Inhaber des Creativhotel Luise Erlangen, bedient sich in seinem Haus dieser Technik. Er lässt auf Stickern an den Zimmerfenstern das eigene Bienenvolk aus dem Garten sprechen, mit dem er die Artenvielfalt erhalten möchte. Eine kleine Geschichte mit großer Wirkung, denn Gäste erhalten einen Bezug zur gelben Kiste im Innenhof, in der es summt. Die Kreativität setzt sich auch bei den umweltfreundlichen Betten fort: „Wenn man Gästen erzählt, sie schlafen auf Algen oder Kokosnussfasern, klingt das eben spannender“, sagt Ben Förtsch.

Kreative Kampagnen entwickeln

Einen Eimer Farbe, und ein paar Lampen kostete Ben Förtsch das Design der Ladestation für Elektroautos im Parkhaus. Kombiniert mit dem Spruch „Möge der Strom mit euch sein“ brachte der Beitrag auf Facebook über 150.000 Views, denn Autohersteller Tesla teilte das Foto auch mit seinen Followern. Um die Kreativität anzukurbeln, empfiehlt Alexandra Herget zum Beispiel Methoden aus dem Design Thinking, die sie auch in ihrem Workshop „nachhaltiges Storytelling“ vorstellt.

Unterschiedliche Informationstiefen anbieten

Videos, Bilder oder Fließtext – Hoteliers können aus vielen Medien wählen. Ein Gast fühlt sich vom Bild des gepflanzten Baumes angesprochen, einen anderen bewegt die Zahl der CO2-Einsparung. Ben Förtsch nutzt Grafiken auf seiner Homepage, aber auch Blogeinträge oder ein Interview. Wer also mehr wissen möchte, findet nach ein paar Klicks detaillierte Informationen.

Klischees meiden oder bewusst adressieren

Die Tutaka-Gründerinnen raten: konkret erklären, was das Hotel nachhaltig macht, und daraus eine Geschichte formen – wie die Bienen-Sticker im Creativhotel Luise. Auch das bewusste Spiel mit Klischees kann funktionieren: Das Creativhotel präsentiert sich in grün und verwendet Muster wie Blätter in der Kommunikation. Jedoch mit kreativem Überraschungsmoment: Die Holzschlüssel mit integriertem Chip fordern „Bleib aufgeschlossen“.

Mehrwerte definieren

Umweltfreundliche Produkte oder Dienstleistungen, bieten Mehrwerte wie Wohlbefinden. In Erlangen übernachten Gäste im „nachwachsenden Hotelzimmer“ mit gutem Gewissen, denn Ben Förtsch gestaltete die spezielle Raumkategorie nach dem Cradle-to-Cradle-Prinzip. Die ausschließlich natürlichen Materialien sorgen für angenehmes Raumklima mit dem Ziel: „Richtig gut schlafen“.

Das ist Tutaka

Alexandra Herget und Franziska Altenrath gründeten 2018 Tutaka, einen Online-Marktplatz für nachhaltige Produkte im Gast- und Hotelgewerbe. Daneben halten sie Vorträge zum Thema Nachhaltigkeit.

Nachhaltigkeit im Creativhotel Luise

Ben Förtsch führt das 1956 gegründete Haus in Erlangen in dritter Generation und entwickelt die grüne Tradition immer weiter. Vor rund zehn Jahren wurde das Business- und Stadthotel als erstes klimaneutrales Hotel in Franken und fünf Jahre später als erstes klimapositives Hotel Europas zertifiziert. Der Betrieb verursacht 50 Prozent weniger CO2 als ein vergleichbares Hotel, und den Rest kompensiert Förtsch durch ein Aufforstungsprojekt in Panama. Seit 2016 können Gäste im „nachwachsenden Hotelzimmer“ übernachten. Drei Einzelzimmer, zwei Doppelzimmer und eine Junior Suite sind nach dem Cradle-to-Cradle-Prinzip gestaltet, bei dem nur biologisch abbaubare und zu 100 Prozent recycelbare Materialien verwendet werden. Dazu zählen Teppiche aus alten Fischernetzen, Deckenelemente aus Stroh und Wände aus Sand. 2017 wurde das Creativhotel zum zweiten Mal als einer der „Green Brands Germany“ ausgezeichnet.
Sabrina Demmeler

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