Susanne Hatje im PorträtVon Norderstedt nach New York

»Wenn man in dieser Branche mit Disziplin, Leidenschaft und guter Leistung arbeitet, dann wird einem auch die nächste Tür aufgemacht«, sagt Susanne Hatje und ist selbst das beste Beispiel dafür.Im Alter von 27 Jahren wurde sie zur Generaldirektorin des Mandarin Oriental München ernannt, heute leitet sie das Flaggschiff der Gruppe in New York City.

»Ein Hollywoodstar, ein Student, eine Weltreisende, ein Banker und dann bin ich noch daneben. Beim Surfen interessiert es keinen, was auf deiner Visitenkarte steht. Es geht um die Personen, die da sind. Und darum, den Moment zu genießen.« Eine Welle näherte sich, das Wasser bäumte sich meterhoch auf, weiße Schaumkronen blitzten in der Sonne – Susanne Hatje balancierte auf ihrem Brett und glitt über den brechenden Wellenkamm. »Ein unglaubliches Gefühl.« Sie spricht über ihren ersten Wellenritt im Jahr 2001 vor der Küste Hawaiis. Ihre rechte Hand greift nach der Kette unregelmäßiger Perlen am Hals, ihre blauen Augen funkeln. Auch dann, wenn sie sich an die Zeit vor Hawaii erinnert und immer noch, wenn ihre Gedanken um die Gegenwart kreisen. »Ich war immer dort zu Hause, wo ich gerade gewohnt habe.«

General Manager Susanne Hatje sitzt aufrecht an einem Fenstertisch im Restaurant »Asiate« des Mandarin Oriental in New York. Die sechs Meter hohe Glasfront auf der 32. Etage eröffnet den Blick auf die Skyline Manhattans, auf ihre unzähligen Wolkenkratzer, auch auf einen des neuen US-Präsidenten, und über den Central Park.

In den 1970ern war Susanne Hatjes erstes Zuhause das Hotel Heuberg im schleswig-holsteinischen Norderstedt. »Ich sehe mich noch, wie ich als Vierjährige im Frühstücksraum mit dem Staubsauger unterwegs war. So ein hoher Sauger, der war größer als ich.« Lachend zeigt sie unterhalb der Tischkante ihre kindliche Größe an. »Unser Hotel war ein Familienbetrieb, da hat jeder mit angefasst.« Als Jüngste genoss sie die lebendige Atmosphäre, später dann, selbst die Gäste an der Rezeption zu empfangen. Wieder lacht sie herzlich. Mit der Rolle des Gastgebers identifizierte sie sich früh und dass sie nach dem Abitur in der Branche bleiben würde, stand außer Frage. Im Atlantic in Hamburg ließ sie sich 1988 ausbilden. »Hotelfach – die Zeit war hart, aber das hat nicht geschadet. Die ersten Wochen war ich jeden Tag in der Wäscherei an der Frottee-Faltmaschine. Von der Pike auf – es waren super Jahre.« Dann zog es sie in den Breidenbacher Hof nach Düsseldorf. »Grand Hotels haben mich damals sehr fasziniert.«

Erstmals verließ sie von dort den europäischen Kontinent, als die Rafael-Gruppe ihr 1991 ermöglichte, im The Mark Hotel in New York zu arbeiten. Der nächste Schritt. Ein großer. Sie zeigt Richtung Upper East Side, wo sie damals zum Rooms Division Manager aufstieg, und blickt zurück. »Ich habe einfach meine Sachen gepackt und bin los, habe mir gar nicht viele Gedanken gemacht.« Die väterliche Kreditkarte mit einem Notgroschen reichte ihr als Sicherheit. Ängste waren ihr fern. »Um besser zu werden, muss man auch Risiken eingehen im Leben. Und New York war sensationell, ich habe so viel gelernt.« Sie absolvierte Kurse an der Cornell University und erfuhr mit den amerikanischen Ansätzen im Hospitality-Management eine zweite Prägung. Ihr Interesse und ihre Leistungsbereitschaft sind groß, das eigene Energielevel ist hoch. Sie denkt und spricht schnell, formuliert ohne Umschweife, hält den Blickkontakt und scheint gleichzeitig wahrzunehmen, was sich zwischen Gästen und Mitarbeitern an den benachbarten Tischen abspielt. »Wenn man in dieser Branche mit Disziplin, Leidenschaft und guter Leistung arbeitet, dann wird einem auch die nächste Tür aufgemacht. Dann wird man schon gesehen und gefördert.« Für Susanne Hatje öffneten sich viele Türen. Sie rückt eine blonde Haarsträhne, die schräg über ihrer sonnengebräunten Stirn liegt, zurecht. Die Arbeit als Anfang-Zwanzigjährige in New York bezeichnet sie heute als Sprungbrett. Anschließend sprang sie zunächst in eine andere Richtung als viele erwartet hatten und arbeitete neun Monate lang in einem Luxushotel in Frankreich. »Als Commis im Service und in der Küche. Ich wollte noch mal ganz raus aus der Komfortzone. Das war wirklich anspruchsvoll, physisch und psychisch; 17, 18 Stunden am Tag – traditionelle französische Küche, mit großen Tabletts, wo man sich die Finger aufhaut, wenn man durch die Türrahmen geht. Brutal hart. Aber ich bereue es nicht ein bisschen.« Sie strahlt, unterbricht das Lachen abrupt, als sie sich an eine Auseinandersetzung erinnert, die langfristig Spuren hinterlassen hat. Während sie in Frankreich die silbernen Gloschen lüftete, tranchierte und filetierte, verstarb ihre Großmutter in Norderstedt. Der Chef verweigerte ihr die Heimfahrt zur Trauerfeier, eine Haltung, die für Susanne Hatje inakzeptabel war. Sie fasste allen Mut. »Ich arbeite gern und viel – aber die drei Tage kann ich nicht hier sein, das kann ich auf keinen Fall mit mir vereinbaren.« Sie bekam frei und nahm Abschied in Norderstedt. »Es ist noch heute so, wenn jemand mit einem Problem zu mir kommt, bei dem Krankheit oder Familie ein Thema ist:« – mit der flachen Hand klopft sie auf den Tisch – »Ticket. Aiport. Tschüss. Es gibt nur eine Gesundheit. Und es gibt nur eine Familie. Komm wieder, wenn alles in Ordnung ist.«

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here