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StartBusiness & ManagementHRStudie zum Fachkräftemangel: Teilqualifizierte Arbeitskräfte in der Gastronomie gefragt

Studie zum FachkräftemangelTeilqualifizierte Arbeitskräfte in der Gastronomie gefragt

Spezialisierung und arbeitsteilige Prozesse ermöglichen es der Gastrobranche, Stellen mit teilqualifizierten Arbeitskräften zu besetzen, so das Ergebnis einer Studie der Bertelsmann Stiftung. Weiterqualifizierung ist aber durchaus gewünscht.

Laut Studie benötigt zum Beispiel nur etwa jedes fünfte Unternehmen beim Beruf Fachkraft im Gastgewerbe noch vollqualifizierte Arbeitskräfte. Sucht ein Unternehmen Mitarbeitende für den Service, ist es nicht zwingend auf gelernte Restaurantfachfrauen oder -männer angewiesen, wie die Bertelsmann Stiftung weiter mitteilt. Gleiches gelte für Hilfsarbeiten in der Küche. Auch für dieses Einsatzfeld brauche es keinen vollen Berufsabschluss als Köchin oder Koch.

Bestimmte Teilqualifikationen reichen schon aus, um beschäftigt werden zu können. Das gilt für die meisten Berufe, wie die Befragung deutscher Unternehmen verschiedener Branchen durch die Bertelsmann Stiftung zeigt (hier der Download der gesamten Studie).

Auch für die Berufe Restaurantfachfrau oder -mann sowie Hotelfachfrau oder -mann erwarten die meisten Unternehmen nicht mehr die volle Bandbreite an fachlichen Kompetenzen, so die Stiftung. Entscheidend sei, ob die vorhandenen Qualifikationen dem gewünschten Stellenprofil entsprechen.

Einsatz etwa nur im Housekeeping oder an der Rezeption

Mittlerweile würden im Gastgewerbe häufiger teilqualifizierte Fachkräfte als vollqualifizierte gesucht. Fast 80 Prozent der aus dieser Branche befragten Unternehmen benötigen ausschließlich Teilqualifizierte. Diese arbeiten – entsprechend ihrer Qualifikation – nur in bestimmten betrieblichen Einsatzbereichen.

Dazu gehören bei Teilqualifizierten im Gastrogewerbe die Bereiche „Reinigungsarbeiten durchführen (Housekeeping)“, „Veranstaltungen vorbereiten und im Warenlager arbeiten“, „In der Küche helfen“, „Im Service arbeiten“, „an der Rezeption arbeiten“ und „Service leiten“. Schon mit einer Teilqualifikation ist eine Beschäftigung möglich. Die Einstellungschancen seien also gut, wie die Stiftung zu bedenken gibt. Die Gastronomie sei in 65 Prozent ihrer betrieblichen Einsatzbereiche für Fachkräfte im Gastgewerbe bereit, Personal auch ohne Abschluss einzustellen.

Beim Beruf Köchin oder Koch in der Gastronomie sind die Unternehmen in 90 Prozent der betrieblichen Einsatzbereiche bereit, teilqualifizierte Fachkräfte einzustellen. Etwa 10 Prozent der Unternehmen benötigen vollqualifizierte Kräfte dieses Berufsbildes. Den meisten Unternehmen reichen Kompetenzen in einzelnen beruflichen Bereichen aus.

Fachkräftemangel begegnen – berufsbegleitende
Weiterbildung gewünscht

Wer teilqualifiziert ist, kann fehlende Kompetenzen auch später noch erwerben – parallel zum Job und bis hin zum Abschluss. Modulare, berufliche Qualifizierungen bieten dafür eine Möglichkeit, wie die Stiftung anführt. Arbeitskräfte können sich weiterbilden, während sie in Lohn und Brot sind. Den Unternehmen stehen Fachkräfte zur Verfügung, die sich zunehmend qualifizieren. Auch die Gastronomie sieht das darin liegende Potenzial: Vier von fünf Unternehmen halten berufsbegleitende Teilqualifizierungen für den besten Weg, um den Fachkräftebedarf im Verkauf zu decken.

Berufliche Teilqualifizierungen sind dabei kein Gegenentwurf zur traditionellen Berufsausbildung, gibt die Stiftung zu bedenken. Sie ergänzen diese. Menschen ohne Berufsabschluss seien nicht mehr nur betriebliche Lückenfüller. Das belege auch die Studie: Stimmen die beruflichen Kompetenzen und besteht ein betrieblicher Bedarf, stehen Unternehmen der Beschäftigung teil- und vollqualifizierter Arbeitskräfte in gleichem Maße offen gegenüber.

Standards und Strukturen fehlen

Die deutschen Unternehmen wollen allerdings wissen, welche Kompetenzen Arbeitssuchende ohne Berufsabschluss mitbringen. Ohne einen Nachweis ist das schwierig. Entsprechend beklagen mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen eine oft unklare Qualifikationslage aufseiten der Bewerber.

Gleiches gilt für Menschen, die vorhandene Abschlüsse oder berufliche Kompetenzen nicht belegen können. Ohne Zeugnis oder Zertifikat fehlt Unternehmen eine wichtige Einstellungsgrundlage.

Hier müssen für ein gutes Matching vorhandene Kompetenzen erst sichtbar gemacht werden, erklärt die Stiftung. Dafür brauche es jedoch standardisierte Verfahren, um berufliche Qualifikationen feststellen und zertifizieren zu können. Die Unternehmen hätten dann mehr Sicherheit und Transparenz bei ihrer Personalauswahl.

Bereits heute gebe es Instrumente, die dies leisten. Als Beispiel führt die Stiftung das computerbasierte und mehrsprachige Testverfahren „Myskills – Berufliche Kompetenzen erkennen“ der Bundesagentur für Arbeit an.

Noch fehle es aber an einem strukturierten System an berufsbezogenen und abschlussorientierten Teilqualifizierungen, kritisiert die Organisation. Bestehende Qualifizierungsangebote seien weder aufeinander abgestimmt, noch führen sie gezielt zum Berufsabschluss. Zudem seien sie nicht mit der klassischen Berufsausbildung verknüpft. Das heißt, Änderungen in den Ausbildungsordnungen fließen nicht automatisch in die Teilqualifizierungen ein.

Es überrasche, dass die Arbeitsvermittlung sich nicht stärker auf Kompetenzen in betrieblichen Einsatzbereiche ausrichte, hebt die Stiftung hervor. Sie ziele damit in ihren Bemühungen am aktuellen Bedarf der Unternehmen vorbei.

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