Studie Hotelzimmer 2030Gästewünsche vollenden den Dreiklang

Das „Dreiecksmodell eines innovativen und zukunftsweisenden Hotelzimmerdesigns“ bildet den Rahmen für Entscheidungen in der Zimmerplanung. Es ist grundsätzlich anwendbar auf jede Hotelkategorie. (Bild: Grafik: IUBH Studie „Hotelzimmer 2030“)

Wissenschaftlerinnen der IUBH haben mithilfe von 27 Hoteliers Kriterien für das Zimmerdesign der Zukunft entwickelt. Dabei kristallisierte sich ein Spannungsfeld aus Gästewünschen, technischen Neuheiten und ökonomischen Restriktionen heraus.

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Nach welchen Kriterien wird jetzt und in Zukunft über das Zimmerdesign entschieden? In der Studie „Hotelzimmer 2030“ erarbeiteten die Tourismus-Wissenschaftlerinnen Nicola Zech und Annegret Wittmann-Wurzer von der IUBH Internationale Hochschule einen Rahmen für den Entscheidungsprozess, in dem sich Hoteleigentümer und -betreiber sowie Architekten bei der Raumplanung bewegen sollten. Kern der Studie ist das sogenannte Dreiecksmodell.

Gäste, Technik und Finanzen

Das Konzept mit dem Namen „Dreiecksmodell eines innovativen und zukunftsweisenden Hotelzimmerdesigns“ ist das Ergebnis aus Interviews mit 27 Hoteliers in Deutschland, Österreich und Spanien. Hoteliers bewegen sich demnach bei der Designplanung in einem Spannungsfeld aus Zielgruppenprioritäten, technologischen Innovationen sowie ökonomischen Restriktionen. Worauf der Fokus liegt, hängt davon ab, ob der Eigentümer, der Betreiber oder der Architekt über das Design entscheidet. Auch das Hotelkonzept beeinflusst die Gewichtung der drei Aspekte.

„Alle Hoteliers bewegen sich in dem Spannungsfeld aus Gästewünschen, technischen Neuheiten und Wirtschaftlichkeit, nur auf eine andere Art und Weise“, sagt Prof. Dr. Nicola Zech. In der Luxushotellerie sei das Budget hoch, weshalb der Fokus dort meist nicht auf den ökonomischen Aspekten liege. Hotels, die „First Mover“ sein wollten, müssten den Fokus auf technologische Innovationen legen.

Das Dreiecksmodell sei damit grundsätzlich auf Hotels jeder Kategorie anwendbar. Bei der Ausstattung fokussierten zum Beispiel standardisierte Hotelketten den ökonomischen Aspekt. „Der Return of Investment ist hier meist ausschlaggebend“, so Nicola Zech. Kleine Boutiquehotels würden sich tendenziell an den Wünschen der Gäste orientieren. „Das Interior ist meist sehr individuell. Die Schreibtische zum Beispiel können sich von Zimmer zu Zimmer unter­scheiden.“

Appell an die Branche

Ein weiteres Ergebnis der Interviews: 74 Prozent aller Hotels werben mit ihrer Raumgestaltung auf Webseiten oder So­cial Media-Plattformen um Gäste. Wie Neugestaltungen aussehen sollen, entscheiden aber meist die Hotelbesitzer (74 Prozent) und Architekten (44 Prozent). Gästewünsche fließen nur zu zwölf Prozent in das Hotelzimmerdesign ein. Daher appellieren die beiden Forscherinnen der IUBH mit dem Dreiecksmodell an die Entscheider, Gästewünsche in das Raumdesign einfließen zu lassen.
„Holt euch das direkte Feedback eurer Gäste“, empfiehlt Prof. Dr. Annegret Wittmann-Wurzer. Sie plädiert für Musterzimmer, die die Gäste testen können. Dadurch hätten Hoteliers die Möglichkeit, noch vor dem Umbau Pläne auszubessern und den tatsächlichen Wünschen anzupassen.

In den Interviews gaben die Hoteliers an, alle fünf bis 15 Jahre Zimmer und öffentliche Bereiche zu renovieren. Um bei der Umsetzung der Gästewünsche und technischen Features die Finanzen nicht zu sehr zu strapazieren, empfiehlt die Tourismusexpertin, leicht veränderbare Akzente einzusetzen – farbenfrohe Kissen statt bunter Teppichware.

Basis für weitere Studien

Die IUBH forscht weiter: „Aktuell befragen wir die Digital Natives, was sie in der Ausstattung von Hotelzimmern als wichtig erachten“, so die Wissenschaftlerin. Auch wenn diese Studie erst in ein paar Monaten veröffentlicht werde, gebe es bereits eine wichtige Erkenntnis: „Auch die jungen Menschen wollen kein Hotelzimmer, in dem sie alles nur noch per Touchpad bedienen können. Sie wollen sich zurechtfinden, ohne sich mit technischen Spielereien auseinandersetzen zu müssen.“

Außerdem untersuchen die Forscherinnen die Faktoren des Dreiecksmodells, die das Spannungsfeld auf höherer Ebene beeinflussen: Nachhaltigkeit und Sicherheit. „Wir möchten zum Beispiel erfahren, wie wichtig jungen Menschen Nachhaltigkeit in Hotelzimmern tatsächlich ist. Sind sie bereit, für ökologische Konzepte mehr Geld auszugeben“?

Mareike Knewitz

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