Studie „Future Hotel Baderlebnis 2030“Zwischen Aladin und Regenerationskokon

Künftig wird sich das Wasser aus der Dusche individuell an Körper und Bewegung anpassen können. (Bild: Dornbracht)

Wie werden Gäste im Jahr 2030 das Hotelbad erleben? Vanessa Borkmann und Stefan Rief vom Fraunhofer-Institut haben einen Blick in die Zukunft gewagt und dieser Frage eine umfassende Studie gewidmet. Teil des Projekts ist ein Nutzungsszenario, mit „Frau Müller“ als fiktiver Geschäftsreisenden im Hotelbad der Zukunft.

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Ein Hotelbad im Jahr 2030: Frau Müller ist auf Geschäftsreise und betritt, noch etwas müde, um 6:15 Uhr das Hotelbad. Das Badezimmer ist bereits angenehm warm und ein leises Vogelgezwitscher ertönt im Hintergrund. Das Bad erkennt Frau Müller und ein intelligentes Steuerungssystem vernetzt ihre Mobile- Devices beziehungsweise Wearables mit den Badanwendungen. Nun übernimmt ihre „Concierge Cloud“ mit dem Namen „Aladin“ die Steuerung des Bads und sorgt als zentrale, interaktive Steuereinheit dafür, dass Frau Müllers Bedürfnisse erfüllt werden. Das indirekte Licht wird in weichen Verläufen langsam bis auf Tageslichtniveau heraufgedimmt, wodurch die Geschäftsfrau angenehm wach wird.

Mehrere an den Wänden und der Decke verteilte Displays spielen digitale Kulissen ein. Passend zum Vogelgezwitscher hat sich Frau Müller heute für eine Waldumgebung entschieden und genießt das grüne und natürliche Ambiente, das im Bad entsteht. Der „Raumatmosphären-Generator“ unterstützt mit einem holzigen und moosigen Raumduft dieses Ambiente. Die im Raum verteilten Displayflächen – die „Magic Surfaces“ – übernehmen gleichzeitig auch die Funktion eines klassischen Spiegels. Sie dienen als virtuelles Außenfenster und stellen digitale Inhalte in Form von „Motion Pictures“ dar. An die Position und Bewegung des Nutzers angepasste Echtzeit-Veränderungen der digitalen Inhalte führen dazu, dass die Displays zunächst gar nicht unbedingt als solche erkannt werden.

Waschbecken oder Ablagefläche

Das Bad hat registriert, dass Frau Müller ihr Zimmer nur für eine Person gebucht hat. Der Waschtisch stellt sich entsprechend ein und gibt automatisch mehr Ablagefläche frei. Wäre sie in Begleitung angereist, würde der Waschtisch darauf reagieren und ein zweites Waschbecken herausfahren. Über flexible Materialien entsteht eine Vertiefung beziehungsweise eine Ebene, je nach Bedarf. Zusätzliche Sitzfunktionen sorgen für eine wohnliche Atmosphäre.

Frau Müller nutzt die separate, räumlich vom Bad getrennte Toilette, die noch vom Vorabend auf der an ihre Größe angepassten Höhe steht. Das smarte WC misst auf Wunsch über den Urin Vitalfunktionen und aktuelle Stoffwechselwerte. Die Washlet-Funktionen machen Toilettenpapier überflüssig. Beim Verlassen des WCs setzt das integrierte Abluftsystem automatisch ein, auch die Spülung wird aktiviert. Als Nächstes betritt Frau Müller die Duschzone und freut sich auf ein Duscherlebnis mit ihrem ganz individuellen Duschgel. Um richtig wach zu werden, wählt sie ihren Lieblingssong aus. Mithilfe der neuen Technologie „formbares Wasser“ erfolgt der Wasserauslass bedarfsgerecht zum Beispiel in Form von großen Schlitzen, über punktuelle bis hin zu flächigen Wasserauslässen, die an Frau Müllers Körpergröße angepasst sind und adaptiv auf ihre Bewegungen reagieren. Die Position des Wassers, Wassertemperatur, -stärke und -intensität kann sie je nach Bedarf bestimmen, damit auch ein wassersparender Einsatz gewährleistet wird.

 „Aladin“ informiert sie über einen eingehenden Anruf von ihrem Lebensgefährten. Frau Müller nimmt den Anruf per Verbalbefehl an. Ihr Song wird pausiert, die Duschgeräusche werden unterdrückt und ihr Liebster wird durchgestellt. In einwandfreier Akustik tauschen sich die beiden über ihre Tagespläne aus und verabschieden sich wieder – ihr Song wird fortsetzt. Frau Müller blickt auf die im Display angezeigte Uhr und stellt fest, dass sie gut in der Zeit liegt. Erfrischt und wach beendet sie ihren Duschgang. Rutschfester Bodenbelag sorgt dafür, dass sie dabei auf ihren Beinen bleibt.

Ganzkörperföhn statt Handtuch

Sogleich wird eine automatische Lufttrocknung aktiviert, wodurch nach kurzer Zeit sowohl der Körper als auch das Haar trocken sind – Handtücher sind damit überflüssig. Frau Müller wirft noch einmal einen letzten Blick zurück an die Wand, um sich auf dem Display über den Wasserverbrauch zu informieren. Der Wasserverbrauch ist Teil des spielerischen Umgangs mit dem Thema Nachhaltigkeit. So sammelt Frau Müller „virtuelle Digits“, die sie für ihr umweltfreundliches Verhalten belohnen. Das biodynamische Licht ist inzwischen auf Tageslichtniveau und Frau Müller jetzt fit und aktiv.

Nun möchte sie sich über die aktuellen Nachrichten und die Wetterlage informieren. Auf einem der Displays an der Wand werden ihr die Headlines der News angezeigt. Per Gestensteuerung wählt sie eine Schlagzeile, die ihr Interesse geweckt hat, und lässt sich eine Kurzfassung vorlesen. Danach lässt sie sich ausgewählte E-Mails vorlesen. Per Sprachsteuerung fragt sie ihre zuvor gemessenen Vitalwerte ab. „Aladin“ berichtet ihr, dass alles in Ordnung ist, aber ein etwas niedriger Eisenwert ihr Müdigkeitsgefühl erklärt. „Aladin“ erinnert sie auch an ihre Medikamente, die sie morgens nehmen muss.

Tipps vom smarten Spiegel

Frau Müller nutzt die Zoomfunktion eines Displays, um sich bei optimaler Beleuchtung, angepasst an Tageslichtverhältnisse, zu schminken. Das Display bietet ihr verschiedene Make-up-Vorschläge: Da sie heute ihren königsblauen Overall anziehen möchte, wählt sie die farblich dazu passende Variante. Erfrischt und bereit für den Tag verlässt Frau Müller gegen 6:50 Uhr das Bad. Sämtliche Systeme schalten auf Energiesparmodus und die selbstreinigenden Oberflächen sorgen dafür, dass Frau Müller abends wieder ein strahlend sauberes Bad vor­findet.

Abendlicher Ausklang

Nach einem langen Arbeitstag kommt die Geschäftsfrau am späten Abend in ihr Hotelzimmer zurück. Das Zimmer und das Bad präsentieren sich in Abendstimmung: Gedimmte Beleuchtung greift Frau Müllers Stimmung auf, Orientierungslicht weist den Weg. Statt direkt ins Bett zu gehen, entscheidet sie sich für Wellness und Erholung. Sie möchte dazu die Wellnessfunktionen des Bads in Anspruch nehmen. Die Raumtemperatur ist bereits auf eine für sie angenehme Temperatur eingestellt – möglich durch die Kommunikation zwischen ihrem Mobile-Device und der Raumsteuerung. So wurde die Heizung automatisch hochgefahren, als sich Frau Müller dem Hotel genähert hat.

Erschöpft verzichtet sie auf weitere Ansprache und deaktiviert Concierge „Aladin“ per Sprachbefehl. Die indirekte Beleuchtung wird automatisch etwas gedimmt und farblich angepasst. Die natürlichen Elemente im Bad werden durch Lichtspiele in Szene gesetzt. Die „Smart Surface Displays“ an Wänden und Decke verwandeln das Bad in eine Wohlfühloase mit einem virtuellen Kaminfeuer. Meditative Musik erklingt leise im Hintergrund. Ein angenehmer Duft durchströmt den Raum.

Chillen im Regenerationskokon

Frau Müller hüllt sich in den warmen Bademantel und beschließt, ein Buch zu lesen. Über die Gestiksteuerung des Wand-displays greift sie auf ihr E-Book-Online-Abo zu. Sie wählt einen Klassiker aus 2017 und freut sich auf eine humorvolle Lektüre, die sie gern im Regenerationskokon lesen möchte. In dem Moment, als sie sich hineinlegt, übertragen sich die Inhalte des Wanddisplays auf das in dem Kokon angebrachte Display. Das E-Book erscheint und lässt sich komfortabel im liegenden Zustand lesen.

Zur Abwechslung nutzt sie die Massagefunktion des Regenerationskokons und lässt sich über eine Mechanik massieren. Sie möchte noch ein weiteres Kapitel des E-Books in der Hörbuchversion abspielen lassen und wählt die Option entsprechend über das Display aus. Die Musik wird allmählich ausgeblendet und sie schließt die Augen. Nach dem Ende des zweiten Kapitels verlässt sie wohlerholt den Regenerationskokon und legt sich tiefenentspannt und angenehm müde ins Bett.

Studie „Future Hotel Baderlebnis 2030“

Die Studie „Future Hotel Baderlebnis 2030 – Visionen und Lösungen für das Hotelbad der Zukunft“ wurde von Vanessa Borkmann und Stefan Rief vom Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO verfasst. Einführend werden relevante Trends und deren Auswirkungen auf das Hotelbad analysiert, innovative Entwicklungen aus anderen Branchen auf ihren Nutzen für das Hotelbad untersucht und bestehende Zukunftsszenarien, Visionen und Produktinnovationen vorgestellt. Ein visionäres Nutzungsszenario am Beispiel eines Hotelgastes führt in die Innovationen und Neuerungen für das „Future Hotel Baderlebnis 2030“ ein. Im Rahmen der Forschungsarbeit wurden Grundlagenrecherchen durchgeführt, Thesen zur Zukunft des Hotelbades entwickelt und in Expertenkreisen diskutiert.

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