Technik & InvestitionDas E-Auto kommt – auch in die Hotels

In Zeiten des Dieselskandals sind E-Fahrzeuge groß im Kommen. Progressive Hoteliers, die schon jetzt die Stromversorgung von E-Autos anbieten, sichern sich Marktvorteile und erreichen neue Zielgruppen.

Ob die Neuzulassungen der Elektroautos in zwei, vier oder erst in acht Jahren signifikant steigen werden, kann derzeit nicht sicher prognostiziert werden. Fest steht: Das E-Auto kommt. Hotels sind deshalb gut beraten, sich rechtzeitig darauf einzustellen. Schließlich geht mit dem Ausbau der Ladeinfrastruktur ein großes Marktpotenzial einher.

Verstärkt durch die Dieselaffäre und Diskussionen um Fahrverbote werden Elektroautos immer öfter als Alternative benannt. Noch ist der Anteil von BMW i3, Renault Zoe, VW Golf-e, Opel Ampera-e oder den Tesla-Modellen im Straßenbild relativ gering, denn ehemalige Dieselkäufer entscheiden sich derzeit vor allem für Benziner. Zwei Gründe sind dafür ausschlaggebend: Zum einen kosten Elektroautos mehr als Verbrenner im gleichen Segment. Zum anderen kann man sich auch bei fast leerem Tank mit seinem klassischen Auto in der Regel immer noch an die nächste Tankstelle retten, während die Reichweite von Elektroautos – mit Ausnahme der hochpreisigen Teslas‘ – deutlich geringer ist. Mangels fehlender Ladepunkte können Elektroautos weder unterwegs noch zu Hause ortsunabhängig und schnell aufgeladen werden, woraus die Sorge resultiert, irgendwo im Nirgendwo ohne Strom liegenzubleiben.

Der Trend geht zum E-Auto

Es scheint jedoch nur eine Frage der Zeit zu sein, bis der Changeprozess hin zur elektrifizierten Mobilität Deutschland erfassen wird. Einer Erhebung der Strategie- und Marktforschungsberatung MM customer Strategy zufolge könnten Elektrofahrzeuge im Jahr 2020 immerhin schon einen Anteil von 4,1 Prozent an den privaten Neuzulassungen erreichen, gegenüber derzeit rund zwei Prozent. Zwei Jahre später werden aktuellen Prognosen zufolge alle großen Hersteller ihr Modellportfolio komplett elektrifiziert haben, sodass die Angebotsvielfalt von reinen Elektroautos und Plug-in-Hybriden hinsichtlich Fahrzeuggrößen, -typen und Ausstattungsvarianten der heutigen Verbrennerwelt gleichen dürfte. Darüber hinaus sollen aufgrund von Skaleneffekten und technologischem Fortschritt Batterien und damit Elektroautos generell nicht nur günstiger, sondern auch größer werden und sich schneller aufladen lassen als heute. Der Trend zeigt somit klar nach oben – und charging ist in diesem Kontext ein Punkt, bei dessen Aufbau die Hotellerie einen wichtigen Beitrag leisten und sich gleichzeitig einen Wettbewerbsvorteil erarbeiten kann.

Komplett am Netz für rund 3.000 Euro

Aktuell bieten noch weniger als fünf Prozent aller deutschen Hotels eine Lade-Infrastruktur an. Wenn überhaupt, werden am ehesten Gäste von Tagungs- und Businesshotels fündig. Beim Blick auf die dort installierte Technik bestehen zwei Drittel der Ladeeinrichtungen aus speziellen „chargern“ wie sogenannten „Wallboxen“ oder Ladesäulen. Ein Drittel der Hotels verfügt lediglich über Steckdosen. Dies stellt einen erheblichen Mangel dar, schließlich wird die Steckdosen-Lösung weder den Sicherheits- noch den Lastmanagement-Anforderungen in den Gastbetrieben gerecht.

Auch Hauke Brauer, von P-Labor Elektronik aus Ostenfeld in Schleswig-Holstein, sieht noch einen großen Nachholbedarf bei der Professionalisierung: „Viele Betriebe wählen schlichte, pragmatische Lösungen, die sich in die bestehende Infrastruktur der Elektrotechnik integrieren lassen. Wichtig ist immer eine probate Managementsoftware, da Kostenanpassungen, Nutzerprofile und Verbrauchsdatenerfassung zu einer Lade-Infrastruktur dazugehören“, so der Geschäftsführer des Spezialisten für Ladestationen. In der Praxis funktioniere dies wie folgt: Das charging-System greift auf bestehende Netze zu und bewegt sich damit im bekannten Kraftstrombereich. Daraus resultiert eine Leistung von 22 kW, womit Hoteliers bei den derzeit gängigen PKWs passend aufgestellt seien.

Sinnvolle Ergänzung für Hotels?

Natürlich, so Hauke Brauer, sei die Ausstattung der Fahrzeuge zunehmend auf Schnellladeleistung ausgerichtet, wodurch in Zukunft vermehrt Gleichspannungsanlagen mit entsprechenden Transformatoren benötigt würden. In einem Hotel mit entsprechender Verweildauer sei dies nicht zwingend erforderlich, könne aber – in kleinerer Stückzahl – eine sinnvolle Ergänzung zu einer ansonsten klassischen Lösung sein. Den Montageaufwand hält Hauke Brauer für überschaubar: „Nach Sichtung und Sondierung der Netze sowie der Installation von allen erforderlichen Leitungen und Schutz- einrichtungen wird die eigentliche Lade- säule montiert und in Betrieb genommen. Abschließend wird der Standort kostenlos öffentlich gemacht und an die App-Anbieter für Lade-Infrastruktur gemeldet. Das sorgt für eine hohe Durchdringung in die Klientel der Nutzer.“ Die Kosten beziffert der P-Labor-Geschäftsführer je nach Anzahl der gewählten Ladesäulen mit etwa 2.800 Euro für eine Einzelplatzlösung bis rund 7.500 Euro für vier Ladesäulen.

Dass das Thema Nachhaltigkeit nicht nur das Fahren eine E-Autos betrifft, sondern einen noch größeren Bereich abdeckt, zeigt eine Studie des Systemanbieters GB Joule. Demnach nutzen heute mehr als 50 Prozent der bundesdeutschen Hotels bereits regenerative Energien für ihre Lade-Infrastruktur. Bemerkenswert ist zudem, dass von diesen Hoteliers wiederum rund 50 Prozent ihren Strom über eigene Blockheizkraftwerke oder Photovoltaikanlagen selbst erzeugen. Auch elektrische Betriebs- und Mitarbeiterfahrzeuge sind in diesen Betrieben häufig anzutreffen, E-Autos zum Ausleihen stellen oftmals eine Ergänzung des Serviceangebots dar.
Mathias Hansen