Jovitha James, Sabrina und Björn Bohlen haben sich einen Lebenstraum erfüllt. Sie übernahmen im Sommer 2020 ein Reetdachensemble und machten aus dem Tagungshotel ein Hideaway.
Alle drei kommen aus der Hotellerie: Björn Bohlen und Jovitha James waren zuletzt im Henri Hotel in Hamburg beschäftigt, Sabrina Bohlen im Le Méridien. Schon länger hatten sie den Wunsch nach einem eigenen Projekt. Fest stand: Es sollte von der Festanstellung in der Stadt in die Selbstständigkeit auf dem Land gehen. „Als wir den Stimbekhof im Januar 2020 das erste Mal sahen, haben wir uns sofort verliebt – mit tausend Schmetterlingen im Bauch“, berichtet das Trio.
Im August 2020 übernahmen die drei auf Pachtbasis das seit 1920 bestehende Reetdachensemble bei laufendem Betrieb. Seit Frühjahr 2021 sind sie Eigentümer des teilweise denkmalgeschützten Hofs. Ihr Fazit: „Wir haben den Schritt nie bereut, im Gegenteil. Wir lieben es, nach eigenen Vorstellungen gestalten und Ideen zeitnah umsetzen zu können. Genau das hat uns so gereizt. Und es kommt offenbar an, was wir tun, denn wir freuen uns über kontinuierlich mehr Zulauf.“

Sehnsucht der Menschen nach Rückzug und Natur
Dabei verlief der Start anders als geplant. Corona war noch präsent, als der Pachtvertrag geschlossen wurde – doch man glaubte, der Tiefpunkt sei überstanden. „Aber wir haben das Beste daraus gemacht und dem Betrieb in dieser Zeit unsere eigene Handschrift verliehen. Gleichzeitig kam uns entgegen, dass die Sehnsucht der Menschen nach einem Rückzugsort inmitten der Natur wuchs. Das Bedürfnis nach Ruhe und Muße nimmt in dieser volatilen Welt seitdem stetig zu“, beobachten die Gastgeber.
Die Lage ihres Hotels kommt dem entgegen: Der Stimbekhof liegt fernab jeglicher Großstadt-Hektik im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide. „Unser Platz hat eine wohltuende Wirkung auf Körper, Geist und Seele“, haben die Jungunternehmer am eigenen Leib erfahren. Der Stimbekhof ist umgeben von Wander- und Fahrradstrecken wie dem Heidschnucken- und Jacobusweg, die unmittelbar vorbeiführen. Die für die Region typischen Kutschfahrten starten fußläufig entfernt im Dorf.
Vor der Übernahme war das Hotel vor allem als Ort für Tagungen und Incentives bekannt. „Wir haben es nun zu einem Refugium vor allem für Privatreisende gemacht und verschiedene Schwerpunkte gesetzt“, erläutern Jovitha James, Sabrina und Björn Bohlen. Sie mögen ein unkompliziertes, entspanntes und herzliches Miteinander, daher werden alle Gäste geduzt.
Die Gäste, das sind vorwiegend moderne Städter. „Sie schätzen die Lage, die vielen Rückzugsmöglichkeiten und das warme, gemütliche Ambiente bei uns, sei es im Lesezimmer, vor dem Kamin oder an einem der vielen Sitz- und Liegeplätze samt Hängematte im großzügigen Garten. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer liegt bei zwei bis drei Nächten, manche halten für einen Zwischenstopp auf ihrem Weg nach Sylt, andere bleiben bis zu zehn Tage.“
Einer der Schwerpunkte, die die Entrepreneure gesetzt haben, ist das Thema Yoga: „Im Sommer 2024 haben wir im historischen Pferdestall eine ganze Yoga-Etage ausgebaut. Die Wochenenden sind bereits bis Ende des Jahres für Veranstalter verplant, auch die Nachfrage für 2026 ist hoch. Wir sind zudem dabei, Day Retreats unter der Woche zu entwickeln und das Yoga-Angebot für die Menschen aus der Region auszubauen.“
Ein Hauch Jenseits von Afrika im Glamping-Zelt
Gäste übernachten in 27 individuell gestalteten Zimmern und Suiten im modernen Landhaus-Stil, die sich nicht nur in Details unterscheiden. Naturbelassenes Gebälk, Sprossenfenster und dezent knarrende Dielen tragen zum unverwechselbaren Charme des Hauses bei. Die Preise für Übernachtung mit Frühstück starten ab 145 Euro im Einzel- und 165 Euro im Doppelzimmer. 2023 kam ein Glamping-Zelt auf Anregung und nach Plänen von Michael Poliza hinzu, einem bekannten Fotografen, Schauspieler und Erlebnisreisen-Anbieter aus der Region. Poliza ließ sich bei der Gestaltung des Zelts von seinen Safari-Touren in Afrika inspirieren. Hinter isolierten Doppelwänden bietet das Glamping-Zelt unter anderem ein 1,80 mal zwei Meter großes Bett sowie fließend Wasser und Strom – zum Duschen können die Räumlichkeiten der finnischen Sauna genutzt werden, die inzwischen ebenfalls neu gebaut wurde.
Kaffee und frische Waffeln im Schnuckenstall
Der Morgen am Stimbekhof startet mit einem Landhaus-Frühstücksbuffet ohne jede Art von Verpackung. Nachhaltigkeit und Regionalität sind den Hoteliers wichtig. Längst wurde ein eigenes Kräuter-Hochbeet angelegt. Möglichst viele Zutaten stammen von Produzenten aus der Umgebung – von Kartoffeln bis zu Fleisch, von Kaffee bis Heide-Gin, mit Fokus auf bio und vegan. Das Landbrot kommt vom regionalen Holzofenbäcker. Ein neu geschaffener Treffpunkt ist der Schnuckenstall.
Nachmittags bietet Sabrina Bohlen hier köstlichen Kaffee vom Heideröster sowie ihre berühmten Waffeln. Abends gibt es ebenfalls ein kleines Speisenangebot, zum Beispiel hausgemachte Suppen, frischen Salat oder Abendbrot mit Heidschnuckenbeißern, Bio-Demeter-Käse und frischen Dips. Für alles auf dem Hof gilt: Qualität vor Quantität. In kühleren Jahreszeiten wird freitags bis sonntags zur Heide-Teezeit ins Teezimmer geladen, inspiriert vom Afternoon-Tea in Großbritannien, dazu gibt es regional interpretierte Scones.
Zum Team des Stimbekhofs gehören 25 Mitarbeitende inklusive Aushilfen und einer dualen Studentin sowie einer Auszubildenden. Das Geschäftsführer-Trio entscheidet fast alles gemeinsam, aber jeder hat seine eigenen Zuständigkeitsbereiche: Jovitha James ist für die Finanzen verantwortlich, Sabrina Bohlen für Genuss und Yoga, Björn Bohlen für Marketing und Handwerkliches. „Wir harmonieren sehr gut, da wir ähnliche Wertevorstellungen haben. Wenn es verschiedene Meinungen zu einzelnen Punkten gibt, diskutieren wir, bis ein Grundkonsens erreicht ist.“ In diesem Fall sind drei also nicht einer zu viel – allerdings planen alle drei bewusst auch Auszeiten ein, sei es als Team-Event oder ganz privat. Apropos privat: Sabrina und Björn Bohlen, schon zu Projektstart liiert, sind inzwischen verheiratet.
