SteuertippGeänderte Umsatzbesteuerung von Gutscheinen

Mit dem Ziel, die Umsatzbesteuerung von Gutscheinen EU-weit zu vereinheitlichen, regelt die EU-Gutscheinrichtlinie seit Januar 2019 den Umgang mit Gutscheinen neu.

Preisnachlässe und Rabattgutscheine sind von der Änderung nicht betroffen. Es geht vielmehr um Gutscheine, die gegen Bezahlung ausgegeben werden. Dabei wird nun zwischen Einzweck- oder Mehrzweckgutschein unterschieden. Bei einem Mehrzweckgutschein ist der Ort der Leistung oder der Umsatzsteuersatz im Vorfeld noch unklar, wie beispielsweise bei einer Guthabenkarte eines Restaurants, bei der das Guthaben auch für Speisenlieferungen außer Haus oder auch im Ausland eingesetzt werden kann. Bei Einzweckgutscheinen steht der Ort der Leistung und der Umsatzsteuersatz jedoch von vornherein fest, wie beispielsweise bei einem Gutschein über ein „Candle-Light-Dinner“ in der Gaststätte. Aber auch eine Übernachtung mit Frühstück im Hotel kann als Einzweck-Gutschein angesehen werden, wenn klar ist, in welchem Verhältnis beide Leistungen und Steuersätze stehen.

Neu ist jedoch, dass durch die EU-Gutschein-Richtlinie umsatzsteuerlich nun fingiert wird, dass bereits die Ausgabe eines Einzweckgutscheins einen Umsatz darstellt. Bei kleineren Hotels und Gaststätten, die ihren Gewinn durch Einnahmen-Überschuss-Rechnung ermitteln, ist die Bareinnahme beziehungsweise Gutschrift für einen Gutschein zwar seit jeher als Einnahme zu erfassen. Wenn das Hotel jedoch bilanziert und Jahresabschlüsse erstellt, ist fraglich, ob der durch die neue EU-Richtlinie umsatzsteuerlich fingierte Umsatz auch dazu führt, dass der ertragsteuerliche Gewinn bereits mit der Ausgabe des Einzweckgutscheins besteuert werden muss. Somit wäre zunächst eine Rückkstellung in Höhe der zu erwartenden Kosten zu bilden, so dass nicht der gesamte Umsatzerlös als Gewinn besteuert würde, sondern nur der zu erwartende Gewinn. Dies durchbricht jedoch das kaufmännische Vorsichtsprinzip. Danach darf ein Gewinn erst dann als realisiert erfasst werden, wenn auch die Leistung vollständig erbracht wurde. Allein das Ausstellen eines Gutscheins dürfte nicht als Leistungserbringung angesehen werden. Hier sind die Meinungen jedoch unterschiedlich. Fazit: Wer nur Mehrzweckgutscheine ausstellt, dürfte auf der sicheren Seite sein. Wer jedoch Einzweckgutscheine ausgibt, sollte zeitnah seinen steuerlichen Berater kontaktieren.

Zum Autor: Alexander Berfeld ist Steuerberater beim auf die Beratung von Hotels und Gaststätten spezialisierten ETL Adhoga Verbund aus Berlin.

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