Steuertipp Weitervermietung von fremden Zimmern

Das Überbuchen von Zimmern ist weitverbreitete Praxis, da zwei bis drei Prozent der Gäste dank der Möglichkeiten kostenloser Stornierung nicht anreisen. Was tun, wenn doch alle Gäste erscheinen? Eine Lösung ist, Gäste zu regionalen Kooperationspartnern auszuquartieren. Dies birgt jedoch umsatzsteuerliche Tücken.

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Normalerweise unterliegen Beherbergungsleistungen der siebenprozentigen Umsatzsteuer und Geschäftskunden können die Vorsteuer abziehen. Anders ist es, wenn Reisebüros Übernachtungen anmieten. Diese Reiseleistungen unterliegen der sogenannten Margenbesteuerung (Saldo aus Reisepreis und Reisevorleistung), wenn der Kunde Endverbraucher ist. Der Vorsteuerabzug ist dabei ausgeschlossen.

Das gilt auch, wenn ein Hotelbetrieb angemietete Hotelzimmer weitervermietet. So entschied der Bundesfinanzhof im März 2019 und stützte sich dabei auf ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs. Die Margenbesteuerung ist bei allen Unternehmern anzuwenden, wenn die Kunden Endverbraucher sind – ob Ferienwohnung oder Hotelzimmer macht keinen Unterschied.

Wirtschaftlich sinkt für den Hotelier der Nettoertrag.

Das Problem: Der Ausschluss des Vorsteuerabzugs betrifft nicht nur offensichtliche eigene Leistungen für den Kunden (z. B. Wäscheservice), sondern auch die sogenannten indirekten Kosten wie allgemeine Backoffice-Kosten. Selbst mit einem vereinfacht berechneten, nicht abziehbaren Anteil an den Vorsteuern, der sich nach den Verhältnissen von Reiseleistungen ohne Vorsteuerabzug zu den Gesamtumsätzen ermittelt, wird es für die Buchhaltung nicht nur komplizierter, sondern auch aufwendiger.

Muss das Hotel Gäste ausquartieren, sollte es zunächst Geschäftsreisende in Partnerhotels verlegen. Da die Margenbesteuerung der Reiseleistungen derzeit nicht auf Geschäftskunden anzuwenden ist, kann das Hotel die Beherbergungsleistung weiterhin mit sieben Prozent abrechnen, die der Geschäftskunde gegebenenfalls als Vorsteuer wieder geltend machen kann. Bei der Ausquartierung privat reisender Gäste kann die Margenbesteuerung nur vermieden werden, wenn die Gäste in das Partnerhotel  –  gegebenenfalls gegen Provision  –  vermittelt werden.

Zum Autor: STEFAN KRUSE ist Steuerberater in der auf die Beratung von Hotels und Gaststätten spezialisierten ETL ADHOGA Steuerberatungsgesellschaft in Rostock.

Kontakt:
ETL ADHOGA Rostock
adhoga-rostock@etl.de
www.etl-adhoga.de
Tel: 0381-2520850

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