Steigenberger Frankfurter Hof GM Spiridon Sarantopoulos über erfolgreiches Personalmanagement

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"Mit Freude zu dienen, ohne Diener zu sein" ist das Motto der Mitarbeiter im Steigenberger Frankfurter Hof. Hoteldirektor Spiridon Sarantopoulos erklärt im Gespräch, wie das in seinem Haus umgesetzt wird und wie es um Mitarbeiterentwicklung und Personalmanagement steht.

Top hotel: Welche Werte sind Ihnen in der Mitarbeiterführung besonders wichtig?
Spiridon Sarantopoulos: Respekt, Toleranz und Anerkennung sind essenzielle Werte für eine erfolgreiche Mitarbeiterführung. Das sollte vor allem in der Führung umgesetzt und vorgelebt werden. Erfolgreich kann man nur dann werden, wenn die Ideen und Meinungen der Mitarbeiter gehört werden. Ebenso liegt unserem Management die Weiterbildung der Mitarbeiter am Herzen, um auf globale Trends wie Digitalisierung und Gesetzesänderungen zu reagieren. Die Mitarbeiter müssen immer up to date bleiben. Regelmäßige Schulungseinheiten ermöglichen es den Kollegen nicht nur in der eigenen Materie besser zu werden, sondern auch über den Tellerrand schauen zu können. Und ganz bestimmt ist auch Begeisterung und Freude von großer Bedeutung: für unseren Job, für unsere Kollegen und Gäste.

Top hotel: Was bedeuten Fairness & Ehre in der Hotelbranche?
Sarantopoulos: Sehr viel. Beides ist in vielen unserer Aktionen enthalten. Ohne Fairness kein Vertrauen. Wir können unsere Aufgaben nur im Team erfolgreich erledigen. Ehre hat für mich persönlich etwas mit der eigenen Reputation zu tun, zum Beispiel zu seinem Wort zu stehen. So gesehen sind beides wichtige Werte im Umgang miteinander, um erfolgreich zu sein. 

Top hotel: Welche Bedeutung haben Machtphänomene in der Gruppendynamik eines Hotels?
Sarantopoulos: Im Hotel gibt es ständig wechselnde Gruppen: Gäste, Mitarbeiterteams und auch andere Beeinflusser von außen. In unserem Haus gibt es deshalb eine klare strukturelle Organisation – was aber nicht bedeutet, dass der Einfluss zwingend von oben nach unten geht. Um im Kontext der Teams und Teamführung zu bleiben, gibt es in unserem Haus die Möglichkeit, auch aus dem Team heraus Einfluss zu nehmen und gehört zu werden. So leben agile Teams und entwickeln sich weiter. Führung wird als Unterstützung im Team wahrgenommen. Hier kommen Fairness, Vertrauen und Ehrlichkeit ins Spiel. Möglichkeiten und Chancen werden als gerecht verteilt wahrgenommen. Es gibt eine größtmögliche Transparenz für Vorgänge. Autorität im klassischen Sinne wird bei den jungen Generationen Y und Z nicht mehr automatisch anerkannt. Autorität ist heute eher anhängig von der Anerkennung der Anderen.

Top hotel: Personalentwicklung und Mitarbeiterbindung ist im Steigenberger Frankfurter Hof ein aktuelles Thema. Wie können sich Mitarbeiter im Frankfurter Hof entwickeln?
Sarantopoulos: Personalentwicklung „passiert“ nicht einfach. Wir bieten im Frankfurter Hof eine geplante Personalentwicklung. Als ein Mittel gezielt den persönlichen Entwicklungsbedarf zu ermitteln, haben wir standardisierte Mitarbeiter-Jahresgespräche, welche aber über das komplette Jahr regelmäßig anhand eines Maßnahmenkataloges weiterverfolgt werden. Hier bietet der Frankfurter Hof selbst verschiedene Formate von Trainings bis zum Mentor/Mentee-Programm an. Darüber hinaus haben wir ein tolles Angebot der Deutschen Hospitality: Hier gibt es einen vielfältigen Schulungskalender, hier treffen auch Mitarbeiter und potentielle Führungskräfte auf Kollegen aus anderen Steigenberger Hotels. So fördert die Deutsche Hospitality auch den Erfahrungsaustausch. Im Rahmen eines „Young-Potential-Awards“ können sich Nachwuchskräfte in mehreren Gruppen an Planspielen versuchen. Und auch außerhalb dieser Angebote wird im ganzen Konzern versucht interne Nachwuchskräfte zu fördern. Vom Azubi bis zum General Manager. Mitarbeiterbindung ist in der Hotelbranche ein zentrales Thema.

Top hotel: Ist es in der heutigen Zeit schwierig Mitarbeiter zu binden?
Sarantopoulos: Es wird zurzeit viel über die Generationen gesprochen. Auch wir spüren, dass die grundsätzliche Loyalität für ein Unternehmen abnimmt. Wobei wir uns nicht beklagen möchten und freuen uns, dass unsere Mitarbeiter eine hohe durchschnittliche Betriebszugehörigkeit haben. Wieder ein Grund mehr, sich an den genannten Werten im Arbeitsleben zu orientieren. Sie sind immer aktuell.

Top hotel: Ist es schwierig neue Mitarbeiter zu gewinnen? 
Sarantopoulos: Sicherlich spüren auch wir, dass wir Positionen nicht so schnell nachbesetzen können. Gerade in Großstädten wie Frankfurt gibt es viele Hotels und damit eine große Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt. Dazu kommen die Folgen des demografischen Wandels, welcher auch an der Hotellerie nicht vorbeizieht. Umso wichtiger ist es, ein faires, respektvolles Arbeitsumfeld zu bieten, in dem jeder Mitarbeiter die gewünschten Entwicklungsmöglichkeiten bekommen kann.

Top hotel: Und wie steht es mit der Gewinnung von Auszubildenden?
Sarantopoulos: Dieses Jahr konnten wir alle freien Azubi-Stellen besetzen. Das hat sicherlich auch damit zu tun, dass es sich herumgesprochen hat, dass wir eine sehr gute Ausbildung liefern. Nicht nur inhaltlich, sondern auch vor allem, dass sich unser Ausbilderteam in den letzten Jahren noch mehr mit dem Ausbilderprofil der IHK Frankfurt auseinandergesetzt hat und der Ausbilder zum „Ausbildungsbegleiter“ mit den persönlichen, fachlichen und pädagogischen Kompetenzen geworden ist. Auch deshalb sind wir 2018 zu „Exzellenten Ausbilderin“ gekürt worden und unsere Auszubildenden schließen mit sehr guten Noten ab.

Top hotel: Welche Eigenschaften sollte ein Auszubildender mitbringen?
Sarantopoulos: Ein Wunsch-Azubi bringt als allererstes Passion mit –  die Bereitschaft den Gästen mit Freude zu dienen, ohne Diener zu sein. Natürlich muss auch das Interesse an den internen Zusammenhängen bestehen. Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit sind dabei selbstverständlich.

Top hotel: Ihre drei Wünsche für Veränderungen in der Hotelbranche?
Sarantopoulos: Ich wünsche mir, dass wir uns unsere tollen Berufe nicht so schlecht reden lassen. Ich wünsche mir von allen mehr Freude und Stolz für unsere Berufe im Hotel und in der Gastronomie. Die Dienstleistung an sich sollte mehr honoriert und nicht als selbstverständlich betrachtet werden. Ich wünsche mir weniger „schwarze Schafe“ unter den Hotelgewerben, welche unsere Kollegen ausnutzen und keine Wertschätzung weiter geben.  

Quelle: Steigenberger/Das Gespräch führte Jane Uhlig